• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Neues Forschungsinstitut: Millionen für Oldenburg
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 18 Minuten.

Bundesförderung
Neues Forschungsinstitut: Millionen für Oldenburg

NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Demo für Menschen in Nordsyrien

26.10.2019

Oldenburg Es riecht nach Kaffee. Auf dem Tisch steht ein Teller mit Keksen. Gedeckt ist für fünf Personen. Am Tisch sitzen – mit Journalistin – aber nur drei. Christian Katz und Birgit Zwikirsch, die Vorsitzenden des Vereins Städtefreundschaft Oldenburg-Efrin. Zwei weitere Mitglieder haben kurzfristig abgesagt. Es würde ihnen nicht gut gehen, sie würden nicht mehr reden wollen. Denn wie viele andere Menschen bangen sie derzeit um ihre Familien in Syrien.

Demonstration an diesem Samstag

Demonstration: Beginn der Demo an diesem Samstag ist um 11 Uhr am Bahnhof Süd.

Gefordert werden unter anderem eine Flugverbotszone über Nord- und Ostsyrien, ein sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen sowie der Einrichtung eines internationalen Gerichtshofes zur Verurteilung aller islamistischen Gewalttäter.

Zahlreiche Unterstützer haben bereits zugesagt, so dass eine größere Demo zu erwarten ist. Seit 9. Oktober gibt es außerdem fast täglich kleinere Demonstrationen rund um den Bahnhof.

Genauer gesagt in Nord- und Ostsyrien, Rojava. Obwohl öffentlich und lange vorab angedroht, schockierte der Angriff am 9. Oktober der türkischen Armee auf das autonome Gebiet die Welt. Ganz besonders die Menschen, die dort Familie haben und froh über jedes noch so kleine Lebenszeichen sind. Laut der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, seien über 275 000 Menschen auf der Flucht, davon 70 000 Kinder.

„Angriff auf Retter“

„Ich finde kaum die richtigen Worte“, sagt Katz. „Man hat es gewusst, die Welt- und Regionalmächte haben jedoch einfach weggeschaut.“ Es drohe eine humanitäre Katastrophe. Alle internationalen Hilfsorganisationen hätten sich zurückgezogen. Der kurdische rote Halbmond sei aktuell die einzige humanitäre Hilfsorganisation, die direkt vor Ort einen Rettungsdienst aufrecht erhalte. Die Türkei würde diese Hilfsorganisation nicht anerkennen und daher rechtswidrig Rettungswagen und medizinische Einrichtungen angreifen. Außerdem wurden „bereits nach vier Tagen des völkerwidrigen Angriffes an verschiedenen Orten gezielt Einrichtungen zur Nahrungsmittelversorgung, ein Weizensilo sowie die Strom- und Wasserversorgung zerstört“, sagt Zwikirsch.

„Auch politisch spitzt sich die Lage mehr und mehr zu.“, sagen die beiden Vorsitzenden. Erst im März hätten die Selbstverteidigungskräfte der Region (SDF mit YPG und YPJ) den militärischen Sieg über den sogenannten Islamischen Staat (IS) errungen, bei dem circa 11 000 mehrheitlich kurdische Kämpfer ihr Leben ließen. Seitdem würden sich Zehntausende IS-Kämpfer und ihre Familien in überfüllten Gefängnissen und Camps befinden. „Die Überwachung ist allein der Selbstverwaltung überlassen und mit einer Fortdauer des türkischen Angriffes kann dieser Schutz nicht aufrechterhalten werden.“ Gefühle der Hilflosigkeit füllen den Raum. Was kann der Verein der Städtefreundschaft Oldenburg-Efrin tun?

Kurzfristig ist eine Demonstration für diesen Samstag geplant (siehe Info-Kasten). Langfristig plant der Verein eine Spendenaktion für die Unterstützung des in der Region Shehba eingerichteten Afrin-Krankenhauses. „Dieses Krankenhaus ist völlig unzureichend ausgestattet. Es fehlt an Personal, Laborgeräten und Medikamenten“, so Katz. Im Falle eines erfolgreichen Starts der Spendensammlung werde Medico International als anerkannte Hilfsorganisation das Oldenburger Projekt in die eigene Arbeit aufnehmen und die Hilfe über ihre Partnerorganisation vor Ort koordinieren. Auf der Internetseite von Medico International kann jetzt schon gespendet werden.

Am Ende des Gesprächs ist die bedrückte Stimmung Hoffnung gewichen. „Wir sind in Kontakt mit Zuwanderern und spüren die Angst, wir alle sind sehr betroffen. Daher hoffen wir, dass möglichst viele Leute am Samstag zur Demo kommen und mit uns für mehr Gerechtigkeit und Frieden demonstrieren“, sagen Zwikirsch und Katz.

Sorge um Partnerschulen

Auch zwei Oldenburger Schulen fürchten um ihre Freunde in Nordsyrien: Seit fast fünf Jahren unterstützen die OBS Eversten und die IGS Helene-Lange-Schule gemeinsam den Wiederaufbau von Schulen in Nord- und Ostsyrien/Rojava – mit Partnerschulen in Girê Spî und Kobanê. Mit vier großen Spendenläufen beider Schulen und großer Unterstützung von Eltern und Öffentlichkeit konnten sie mit über 60 000€ Euro den Wiederaufbau der Schulen und die Entwicklung eines demokratischen und ökologischen Bildungssystems unterstützen und damit das Recht auf Bildung für alle Kinder fördern.

Die allermeisten Zivilisten sind auf der Flucht. Es ist nicht bekannt, wo sich die Schüler und Lehrkräfte jetzt aufhalten. „Wir wissen nicht, unter welchen Bedingungen sie leben, und nicht einmal, ob sie noch leben“, hieß es am Donnerstag aus Helene-Lange-Schule und OBS Eversten. Alle seien stark betroffen. Nun müsse mit Schülern und Eltern überlegt werden, ob das jüngst erlaufene Geld auch über „Medico“ in den Partnerstädten eingesetzt werden könne. „Denn unsere Partnerschulen gibt es zurzeit nicht mehr, weil sie sich wieder im Kriegsgebiet befinden.“


Spenden-Möglichkeit über:   www.medico.de 
Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2110
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.