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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Er sorgt für Harmonie statt Zwist am Gartenzaun

08.03.2019

Oldenburg Der Baum im Garten nebenan schießt in die Höhe und sorgt für unerwünschte Schattenplätze auf dem eigenen Grundstück, Nachbars Hecke wuchert über den Zaun oder spielende Kinder stören die himmlische Nachmittagsruhe in der Reihenhaussiedlung: Damit sich die Fronten bei Nachbarschaftsstreitigkeiten nicht aussichtslos verhärten, gibt es in Oldenburg, wie in jeder Gemeinde Niedersachsens, ein sogenanntes Schiedsamt – ein Amt, von dessen Existenz viele Leute nichts wissen.

„Schade“ findet das Rolf Friedrich Müller. Wäre das Schiedsamt bekannter, könnten viele „unnötige, alltägliche Streitigkeiten“ durch den Gang zu ebendiesem Amt vermieden werden, ist er sich sicher. Und Müller weiß, wovon er spricht: Seit 2014 hat der 76-Jährige bis Ende letzten Jahres als Schiedsperson für den Oldenburger Stadtnorden geholfen, den Frieden am Gartenzaun wieder herzustellen. Zuvor war er zwei Jahre lang als stellvertretender Schiedsmann tätig.

Das Schiedsamt

Das Schiedsamt Oldenburg befindet sich im Gebäude am Stau 73, im dritten Obergeschoss, Zimmer 306. Sprechzeiten sind donnerstags von 9 bis 11 Uhr oder nach Vereinbarung unter Telefon 2 35 21 04 oder per Mail unter schiedsamt@ stadt-oldenburg.de

Die Erstberatung durch eine Schiedsperson ist kostenfrei. Nach Antragstellung wird ein Kostenvorschuss von 50 Euro erhoben. Dieser reicht in der Regel zur Deckung der Gebühren und Auslagen.

Schiedsfrau für den Schiedsbezirk Oldenburg-Süd ist seit Januar 2019 Gabriele Kopka-Paetzke. Ihre Stellvertreterin ist Gerti Suntrup. Schiedsmann für Oldenburg-Nord ist Peter Tarruttis. Sein Stellvertreter ist Martin Sobel.

Als Schlichterin für Alltagszwistigkeiten zwischen Oldenburger Bürgerinnen und Bürgern im Stadtnorden war seit 1994 ebenfalls bis Ende 2018 Beate Iwan im Einsatz Auch sie hatte das Ehrenamt zunächst zwei Jahre stellvertretend inne. Insgesamt haben die beiden mehr als 600 Streitfälle bearbeitet.

Doch welche Fälle landen überhaupt beim Schiedsamt – und wie läuft ein Schiedsverfahren ab? „Meist handelt es sich um Nachbarschaftsstreitigkeiten“, weiß Rolf Friedrich Müller. Und zwar um solche, die nicht wichtig genug sind, um vor Gericht verhandelt zu werden, aber dennoch groß genug, um dafür zu sorgen, dass Nachbarn nicht mehr miteinander sprechen. Auch Mietstreitigkeiten oder Uneinigkeiten bei Geldforderungen können beim Schiedsamt landen.

Wünscht eine der Streitparteien, dass ein solcher Zwist mit Hilfe eines neutralen Schlichters aus der Welt geschafft wird, stellt sie einen formlosen Antrag an das Schiedsamt. Die Schiedsperson lädt daraufhin beide Parteien zur Schiedsverhandlung vor. An einem großen Tisch sitzen sich die Streithähne dann gegenüber und müssen – ob sie nun wollen oder nicht – miteinander reden. Und der Schiedsmann oder die Schiedsfrau? Die hört geduldig zu, „nimmt erst mal den Dampf aus dem Kessel“, wie Müller es nennt, bleibt unparteiisch und vor allem eines: ruhig. Nicht jedoch, ohne bei Bedarf klarzumachen, wer bei der Verhandlung das Sagen hat – die Schiedsperson.

Apropos Verhandlung: Auch wenn sich dies sehr nach Gericht anhört, geht es darum gerade nicht. Nach dem Motto „Schlichten statt Richten“ machte Müller bei jeder seiner Schiedsverhandlung zu Beginn klar: „Ich bin kein Richter, wir sind hier nicht vor Gericht und es wird auch kein Urteil geben. Es geht darum, dass Sie sich einig werden und wir eine Lösung finden.“

Müller erinnert sich an einen Fall, bei dem eine der Parteien eine Satellitenschüssel genau an der Grundstücksgrenze im Eingangsbereich der Nachbarn platzierte. Diese fanden daran wenig Gefallen – und stellten direkt vor die Schüssel eine große Blechtafel. Der Nachbar konnte nicht mehr fernsehen, der Frust und Ärger schaukelten sich hoch. In diesem Fall war die Vorladung zum Schiedsamt erfolgreich: Die beiden Parteien wurden sich einig. „Das ist dann schon ein schönes Gefühl. Das macht zufrieden, weil man den Sinn der Tätigkeit erkennt“, sagt Müller. Doch längst nicht jedes Schiedsverfahren führt zu einer Einigung, laut Müller nur in etwa der Hälfte aller Fälle. Bei gescheiterten Verfahren gibt es, so sagt der ehemalige Schiedsmann, auf Wunsch eine sogenannte Erfolglosigkeitsbescheinigung. Mit dieser kann der Fall doch noch vor Gericht landen – und für die Beteiligten deutlich teurer werden.

Nachfolger für Rolf Friedrich Müller und Beate Iwan sind mit Peter Tarruttis und Gabriele Kopka-Paetzke längst gefunden. Doch welche Voraussetzungen braucht’s denn für dieses Ehrenamt? Geduld, Menschenkenntnis, eine gewisse Lebenserfahrung, zählt Müller auf. Entscheidend sei aber: Zuhören können. Und sehen, wie jeder Einzelne gestrickt ist und dafür Verständnis zeigen.

Nathalie Meng Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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