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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Briten suchen neue Heimat in Oldenburg

17.01.2019

Oldenburg Carsten Höfinghoff arbeitet bei der Academy of English mit Sitz in Kreyenbrück. Der Bildungsmanager, der seit 1990 in Oldenburg lebt und unter anderem den Oldenburger Cricket-Club gegründet hat, hat in Großbritannien studiert und unterhält viele Kontakte.

In seinem Freundes- und Bekanntenkreis werde kontrovers über den Brexit diskutiert, sagt der 49-Jährige. „In den vergangenen Stunden, nach der Abstimmung über das Brexit-Abkommen im Parlament, habe ich den Eindruck gewonnen, dass so etwas wie Besinnung einsetzt“, erzählt Höfinghoff. „Man fragt sich, wie es nun weitergehen kann. Mir scheint, die Rolle des Parlaments rückt erfreulicherweise wieder stärker in den Blick.“

In den vergangenen Monaten habe die Academy vermehrt Anfragen von Briten erhalten, die hier arbeiten wollten. „Ich gehe davon aus, dass gerade im Bereich Bildung und Soziales vieles wegbrechen wird, was derzeit noch über EU-Projekte finanziert wird“, sagt Höfinghoff. „Solche Bewerbungen sind uns sehr willkommen.“ Derzeit arbeite ein Dozent mit britischem Pass bei der Academy. „Wir sind in Sorge, wie es mit seiner Arbeitserlaubnis weitergeht. Braucht er ein Visum? Welchen Status hat er?“

In den beiden zurückliegenden Jahren wurden insgesamt 19 Briten in Oldenburg eingebürgert – die Sorge um den Arbeitsplatz in Deutschland ist einer der Gründe. „Wir haben viele Freunde in Deutschland, die Briten sind und sich jetzt noch einen deutschen Pass besorgen“, berichtet Brigitte Thompson. Die 63-Jährige ist 2017 zusammen mit ihrem Mann William (72) den umgekehrten Weg gegangen. „Meine Eltern waren damals gerade gestorben. Und da wir ohnehin nach Großbritannien, die Heimat meines Mannes, wollten, sind wir nach Cornwall umgezogen“, erzählt Brigitte Thompson.

Nach einem Brexit, zumal einem harten, sei es nicht mehr möglich, den britischen Pass zu behalten und zusätzlich den deutschen zu erhalten. Deshalb hätten viele Briten in der Vergangenheit deutsche Pässe beantragt. In Oldenburg sind nach Auskunft der Stadtverwaltung derzeit etwa 200 Einwohner mit britischem Pass gemeldet.

Eine von ihnen ist Julia Rudmann. Die 57-Jährige lebt bereits seit 1993 in Oldenburg. Die deutsche Staatsbürgerschaft hat sie allerdings erst kurz nach der Volksabstimmung über den Austritt Großbritanniens aus der EU 2016 beantragt. „Ich wollte sowieso den deutschen Pass, weil ich zum Beispiel gern wählen gehen wollte“, erzählt Julia Rudmann. „Aber der Brexit hat die Entscheidung beschleunigt.“ Die Entscheidung der Mehrheit ihrer Landsleute hat sie nicht verstanden. Auch ihre beiden Kinder hätten die britische und die deutsche Staatsbürgerschaft.

„Als würden wir unseren besten Freund verlieren“, so beschreibt Melanie Lang die Entscheidung zum EU-Austritt. Die Opernsängerin, die seit 2014 am Staatstheater engagiert ist, wurde zwar in Amerika geboren, ist aber in Großbritannien aufgewachsen. „Ich fühle mich als Britin“, sagt die 35-Jährige. „Ich bin sehr gern in Oldenburg und würde am liebsten hier bleiben.“

Kingston upon Thames, ein Stadtbezirk von London, ist seit 2010 Partnerstadt von Oldenburg. Die derzeit wenig aktive Partnerschaft soll ab Herbst belebt werden: Kingston upon Thames und Großbritannien stehen im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe „Begegnungen“, in der sich Partnerländer in Oldenburg vorstellen. Wie auch immer der EU-Austritt weitergeht – die Ereignisse lassen spannende Gespräche erwarten.

Christoph Kiefer Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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