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Aktualisiert vor 3 Minuten.

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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Video Von Oldenburger Ist Viraler Hit: Er spricht tausenden Handwerkern aus der Seele

20.09.2017

Oldenburg Er hat nur eine Forderung an die Politik – doch damit scheint er einen Nerv getroffen zu haben: Der Oldenburger Fliesenleger Stefan Bohlken kritisiert in einem Facebook-Video, dass die Meisterpflicht für zahlreiche Handwerksberuf abgeschafft wurde. In eineinhalb Wochen wurde sein Appell mehr als 320 000 Mal aufgerufen und rund 4400 Mal geteilt.

Der 48-Jährige spricht klar die Politiker an, „die in den nächsten Wochen von mir und von anderen Handwerkern gewählt werden möchten“. Für einen großen Fehler hält Bohlken die Handwerksreform von 2004. Sie brachte das Ende der Meisterpflicht in 53 von 94 handwerklichen Berufen, unter anderem bei den Fliesenlegern. „Jeder der in der Lage ist, zehn Meter über einen gefliesten Boden zu laufen, ohne zu stolpern“, können nun eine entsprechende Firma gründen, überspitzt Bohlken das Ergebnis.

Zahl der Firmen rapide angestiegen

Das sagt die Politik dazu

Die NWZ hat die Direktkandidaten für die Bundestagswahl um Stellungnahme geben. Sieben haben geantwortet.

Dennis Rohde (SPD): „Ich bekenne mich klar zu zulassungspflichtigen Handwerksberufen und stehe einer Wiedereinführung der Meisterpflicht auch in diesen Gewerken offen gegenüber.“

Stephan Albani (CDU): „Der Fehler einer Aufweichung der Meisterpflicht ist ein rot-grünes Projekt aus dem Jahr 2004 und hat mehr geschadet als genutzt.“

Peter Meiwald (Grüne): „Wir uns für eine aussagekräftige und umfassende Evaluierung der letzten Reform ein, diese wäre zwingend notwendig, um das Für und Wider weiterer Änderungen abzuwägen.“

Nils Krummacker (FDP): „Für das Anliegen habe ich persönlich großes Verständnis. Leider bin ich in der FDP in einer Minderheitsposition.“

Andreas Paul (AfD): „Die AfD hat im Programm die Stärkung des Meisters, auch gegenüber den akademischen Berufen.“

Claudia Theis (Freie Wähler):“ Die FW haben den Erhalt und die Wiedereinführung der Meisterpflicht im Wahlprogramm.“

Inga Brettschneider (ÖDP): “Was seinerzeit verabschiedet worden ist – von wem auch immer –, ist daneben.“

In der Folge stieg laut Handwerkskammer bundesweit die Zahl der Betriebe allein im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk von rund 7500 auf fast 70 000. Zwar seien, dem Ziel dieser Reform entsprechend, auch viele Gesellen unter den Firmengründern, „die einen tollen Job machen“, so Bohlken weiter. Aber einen Großteil der Neueinsteiger habe diesen Beruf gar nicht gelernt. Der Meister aus Oldenburg sieht darin eine Gefahr für die Qualität und den Verbraucherschutz. „Ich würde doch auch zu keinem ins Auto einsteigen, der keinen Führerschein hat.“

Tatsächlich stellten die Sachverständigen vermehrt schlechte Ausführung von Arbeiten fest, präzisiert Bohlken gegenüber der NWZ diese Aussage. So gäbe es zum Beispiel mehr Wasserschäden.

Dass er mit seinem Video ein so großes Echo auslösen würde, hat Bohlken selbst überrascht. Seinen Betrieb gibt es seit 1976. Vor zwölf Jahren hat er ihn vom Vater übernommen. Seit zwei Jahren ist er nun Obermeister der Fliesenlegerinnung. „Auf die Reform damals hatte ich keinen Einfluss. Aber ich wollte mir nicht nachsagen lassen, dass ich heute nichts getan habe, um diesen Fehler zu korrigieren.“

Zuspruch von der Handwerkskammer

Zuspruch bekommt der Fliesenleger-Meister von der Oldenburger Handwerkskammer. „Das Video von Herrn Bohlken zeigt exemplarisch gut auf, dass die Novellierung der Handwerksordnung durch die Politik ein Fehler war“, teilt Kammersprecher Torsten Heidemann mit. Das gesetzte Ziel, mehr Existenzgründungen und Arbeitsplätze, sei von den reinen Zahlen zwar erreicht worden. Aber viele Betriebe hätten nicht lange durchgehalten. Zudem sank die Ausbildungsleistung rapide. „Da das Handwerk aber für Qualität und Nachhaltigkeit steht, ist diese Entwicklung kritisch zu sehen.“

Bohlkens Beitrag wird indes bei Facebook lebhaft diskutiert. Inzwischen haben sich ein paar Lokalpolitiker bei ihm gemeldet. Auch die AfD nutzt seinen Beitrag, um mit der Kritik an der Reform gegen die Freizügigkeit von Arbeitnehmern für einen EU-Austritt zu werben.

Bohlken will sich nicht von AfD vereinnahmen lassen

Doch dafür will sich der Oldenburger nicht vereinnahmen lassen. Schon im Video fordert er, das Problem nicht auf die EU abzuwälzen und wirbt für Europa. „Vielleicht hätte ich meinen Praktikanten aus Syrien mit ins Video nehmen müssen, der nächstes Jahr eine Ausbildung bei mir beginnen soll. Dann wäre meine Einstellung noch deutlicher geworden.“

Bohlken fordert von der Politik einfach die Rückkehr zur Meisterpflicht. Oder in seinen Worten: „Ihr habt ein Stück Handwerk kaputt gemacht, macht es wieder heil.“

Patrick Buck stv. Redaktionsleiter / Redaktion Oldenburg
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