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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Geschichte: Oldenburger Spuren in Sankt Petersburg

02.09.2015

Oldenburg /St. Petersburg Mehr als 2000 Kilometer trennen Oldenburg von Sankt Petersburg. Heute kann man in etwa zwei Stunden die nördliche Metropole Russlands mit dem Flugzeug erreichen. Vor 300 Jahren musste man dafür mehrere Tage in einer Kutsche verbringen. Aber abgesehen von dem langen Weg gab es damals zwischen den Städten eine enge, familiäre Verbindung, die immer noch von Oldenburgern gepflegt wird.

In der Suche nach Schutz vor Dänemark heiratete der Oldenburger Herzog Karl Friedrich von Holstein-Gottorp im Jahr 1724 die älteste Tochter von Peter dem Großen. Deren Kind, Karl Peter Ulrich, hat dann als Peter III. im Jahr 1762 den russischen Thron von der Zarin Elisabeth (1709-1761) übernommen. So ist die Holstein-Gottorp-Linie mit der Romanov-Zarendynastie verbunden. Die Verwandten von Peter III. regierten in Russland bis zur Februar-Revolution von 1917. Nach der Oktober-Revolution ermordeten die Bolschewiki die Zarenfamilie.

Zuvor besuchten zahlreiche Mitglieder von Oldenburger Familien Russland oder nahmen sogar dort Staatsstellen an. Einer der aktivsten war Prinz Peter, der im Jahre 1812 in Oldenburg geboren wurde und hier aufwuchs, dann aber 1830 nach Russland zog. Dort gründete er eine Nebenlinie des Hauses Oldenburg, deren Mitglieder bis zum Jahr 1917 kulturelle und soziale Einrichtungen schufen. In Sankt Petersburg kümmerte sich Prinz Peter um Mädchenausbildung und leitete verschiedene Wohltätigkeitsinitiativen. Die Rechtsschule, die er gegründet hat, existiert zum Beispiel bis heute. Sie wird neben den anderen von Oldenburgern geschaffenen Einrichtungen vom Oldenburgisch-Russischen Förderverein gefördert, der 2001 gegründet wurde.

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„Wir halten das Wirken der russischen Oldenburger lebendig“, steht auf der Broschüre des Oldenburgisch-Russischen Fördervereins. Die Idee der Vereinsgründung entstand durch einen Zufall.

„Die russische Sprache hat mich schon immer interessiert“, erzählt Hartwig Lehm-kuhl, der stellvertretende Vorsitzende des Oldenburgisch-Russischen Fördervereins. „Im Jahr 1986 war ich zum ersten Mal in Moskau, und später war ich auch in Sankt Petersburg, das damals Leningrad hieß. Diese geschichtliche Verbindung zwischen den Häusern war da offiziell kein Thema. Man musste froh sein, wenn man jemanden fand, der etwas darüber wusste.“ Aber er suchte weiter, und bei einer späteren Reise wurde er von seinem ältesten Sohn begleitet. Einmal sagte der plötzlich: „Weißt du, dass der Herzog von Oldenburg dabei ist mit Vater, Mutter und Tochter Beatrix?“ Lehmkuhl berichtet weiter: „Und dann haben wir uns mit dem Herzog nach dem Frühstuck im Hotel getroffen. Er sagte: ,Oldenburg’ und ich: ,aus Oldenburg’.“

Es stellte sich heraus, dass Huno Herzog von Oldenburg sich auch für seine Vorfahren in St. Petersburg interessiert. So wurde einige Zeit später der Verein gegründet (NWZ  berichtete) Schon seit 14 Jahren fördern seine Mitglieder etwa acht „oldenburgische“ Einrichtungen in Sankt Petersburg, dazu zählen Krankenhäuser, Schulen, Heime und Forschungsanstalten. Außerdem organisiert der Verein regelmäßig Reisen in die russische nördliche Metropole.

Darüber hinaus ist eine wichtige Aufgabe des Vereins, die Erinnerung an Oldenburger in Sankt Petersburg wiederherzustellen. In der Sowjetunion zerstörte man vieles, was mit der Zarenvergangenheit zu tun hatte. Deshalb sind auch Oldenburger Spuren damals fast verschwunden. So ist es auch mit der Rechtsschule von Prinz Peter passiert. Nach der Revolution 1917 haben die Kommunisten sie geschlossen, und erst in den 90er Jahren wurde sie neu gegründet. Hartwig Lehmkuhl berichtet: „Jetzt trägt sie den Namen von Prinz Peter von Oldenburg, hat aber Probleme wie alle nicht staatlichen Einrichtungen, die Kontakt zum Westen haben oder sogar unterstützt werden.“

Aus Angst vor Korruption versucht der Verein möglichst wenig mit dem Staat zu tun zu haben und unterstützt die Einrichtungen über die Menschen, die dort arbeiten.

Den Einfluss von der russischen Politik kann man trotzdem nicht völlig vermeiden. „Manchmal gibt es allgemeine Schwierigkeiten“, räumt Lehmkuhl ein. „Wir wollten einmal für ein Krankenhaus ein Blutanalysegerät liefern, und dieses Gerät sollte mit einer bestimmten Flüssigkeit betrieben werden. Und diese Flüssigkeit zu importieren, machte Schwierigkeiten nach ganz allgemeinen Zollvorschriften in Russland. Wir mussten monatelang warten, bis diese Flüssigkeit geliefert wurde.“

Eine politische Barriere gibt es bei der Wiedererrichtung des Denkmals für Prinz Peter von Oldenburg, das in St. Petersburg vor dem Marienkrankenhaus stehen soll. Nach diesem Gebäude wurde übrigens in Oldenburg das Peter Friedrich Ludwig Hospital gebaut. „Der Probeabguss ist bereits fertig, aber die Stadtverwaltung zögert mit der Bewilligung“, erklärt Lehmkuhl. Die Mitglieder des Vereins erhoffen sich, dass der nächste Gouverneur bei dieser Frage aufgeschlossener sein wird.

Aber trotz der Schwierigkeiten halten die Mitglieder des Oldenburgisch-Russischen Fördervereins ihre Arbeit für wichtig und hoffen, dass es genug Nachfolger dafür in Zukunft geben wird. „Wir leben alle in der Geschichte und jemand muss sie aufrechterhalten“, beschließt Hartwig Lehmkuhl.

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