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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

„Sicherheit geben nur feste Mauern“

30.04.2015

Oldenburg Kritik ist grundsätzlich gut, oftmals auch berechtigt – und davon gab es im Falle der so genannten „Notunterkunft“ für künftig zugewiesene Flüchtlinge in der alten Fliegerhorst-Turnhalle auch genügend. Nach scheinbar überhastetem Auftakt kehrt nun allerdings auch etwas Ordnung ein. Vor Ort kam es am Mittwochabend zur ersten Bestandsaufnahme mit Bürgern, Politik – und dem ein oder anderen Schrecken.

„Vielen Dank für Ihre Initiative und Unterstützung“, hatte Stadtbaurätin Gabriele Nießen gleich zu Beginn für eine warme Atmosphäre zu sorgen versucht. Mit mehr oder minder großem Erfolg. Zu bedeutend waren offenbar die negativen Eindrücke, die bei den Gästen hängenblieben: Ein Labyrinth aus dünnen Kulissenwänden. Kleine Erschütterungen, allein durch ein vorsichtiges Kindertrampeln verursacht. Keine Decken über den improvisierten Räumen, kein Regenschutz zu den Sanitärcontainern außerhalb. „Menschenunwürdig“, urteilten manche, andere spürten den Problemen auf ihre Weise nach: „Wer so viel Leid auf der Flucht erlebt hat, braucht für ein Sicherheitsgefühl feste Mauern“.

Nießen und Sozialdezernentin Dagmar Sachse verstanden, mussten aber auch ihre durchaus tragende Rolle verteidigen. „Noch vor drei Jahren hätte ich niemals an eine Turnhalle als Unterkunft gedacht“, sagte Sachse, „never!“ Doch Vorgaben und Zuteilungen des Landes, dazu die mangelhafte Wohnraumsituation und schlichtweg fehlende dezentrale Unterbringungsmöglichkeiten in der Stadt machten einen anderen Schritt derzeit unmöglich. Sie beteuerte: „Wir wollen transparent mit dem Thema umgehen und dies bleibt nur eine Notunterkunft für den Übergang.“ Sprich: Wenn kein anderer Platz in der Stadt frei ist, würden Flüchtlinge bei ihrer Ankunft hergebracht und „hoffentlich“ nur maximal vier Wochen verbleiben. „Wir haben nicht mehr die ganz freie Wahl – das war so niemals vorgesehen und auch nicht gewollt.“

Durch die eingezogenen Kulissenwände wolle man ein Minimum an Privatsphäre her- und nicht nur Feldbetten aufstellen. Im Vergleich zu anderen Städten ist Oldenburg damit schon recht weit vorn – aber offenbar nicht weit genug, wie einige Gäste forderten. Immerhin: Die Fensterwände will die Stadt noch mit Sonnenschutz versehen, den Übergängen zu den Containern ein Dach verpassen. Und vielleicht ja auch an der Infrastruktur noch nachlegen? Viele Anlieger der Hugo-Eckener-Straße zumindest sind genervt – das bislang eher beschauliche Leben in der ehemaligen Sackgasse sei schließlich zu Ende. Rasende Taxen, volle Parkflächen. Und Verkehr. Viel Verkehr. Künftig vielleicht noch mehr, wie sie hier befürchten. Ein Fuß-/Radweg führt vom Wendehammer zu den beiden Kasernengebäuden auf den ehemaligen Fliegerhorst. 180 Asylbewerber sind darin untergebracht, bis zu 100 kommen dann binnen Monatsfrist möglicherweise in der Turnhalle dazu.

Die Anlieger wünschen sich, dass der Fliegerhorst auch über den Mittelweg erschlossen und das Haupttor an der Alexanderstraße geöffnet wird – zur Entlastung des Nadelöhrs Hugo-Eckener-Straße. Und der Sportplatz könnte überdies zur gemeinschaftlichen Spielfläche und damit ein Kontaktpunkt werden. „Wir sind noch nicht am Ende mit den Planungen“, sagte Nießen. All dies komme auf die Agenda, doch auch dezentrale Standorte seien weiterhin zwingend erforderlich. „Tragen Sie bitte dazu bei, dass solche Modelle wie dieses hier nicht nötig sind!“, appellierte sie an die Öffentlichkeit. Und die antwortete: „Hier im Stadtteil gibt es ganz viele Menschen, die helfen wollen, dass sich die Flüchtlinge wohl fühlen“, hieß es da. „Das aber geht nur gemeinsam.“

Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107
Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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