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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Stein gibt Anstoß zum Nachdenken

10.01.2015

Oldenburg Der Sandstein hat schon ein wenig Patina angesetzt. Fußgänger und Radfahrer, die vorbeikommen, schenken ihm kaum bis gar keine Beachtung. Doch einmal stehen zu bleiben und innezuhalten lohnt sich, denn die Mahnung, die die Inschrift transportiert, ist eindringlich. Sie erinnert an die 74 Oldenburger Sinti, die zwischen 1938 und 1945 aus ihren Wohnungen im Ziegelhofviertel deportiert und „im nationalsozialistischen Holocaust in Auschwitz, Birkenau und anderswo ermordet wurden“.

Seit 25 Jahren steht der 1,40 Meter hohe Gedenkstein etwas versteckt und von Bäumen umgeben an der Kreuzung Friedhofsweg/Jägerstraße in Bürgerfelde – dort, wo die Verbrechen vor mehr als 70 Jahren ihren Anfang nahmen.

74 Blätter als Symbol

„Es waren Bürger dieser Stadt, die von Deutschen umgebracht wurden“, sagt Günter Heuzeroth, der Ende der 1980er-Jahre die „Bürgerinitiative Sinti in Oldenburg“ gründete. Erfolgreich warb die Gruppe, zu der auch zahlreiche Angehörige betroffener Familien zählten, bei der Stadt um Unterstützung für ihr Vorhaben.

Das Mahnmal des Bildhauers Eckart Grenzer wurde schließlich am 24. November 1989 eingeweiht – 44 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Es zeigt einen in Sandstein gemeißelten Baum mit 74 fallenden Blättern, die an die 74 Opfer erinnern sollen. „Wie wir mit unserer Vergangenheit umgehen, entscheidet auch über unsere Gegenwart und Zukunft“, argumentiert Heuzeroth gegen das Verdrängen.

Dem stimmt Christel Schwarz zu. „Was passiert ist, können wir nicht vergessen“, sagt der Vorsitzende des Oldenburger Freundeskreises Sinti und Roma: „Aber mit dem Stein haben wir einen Ort, an dem wir um unsere Angehörigen trauern können.“

Eine offizielle Gedenkveranstaltung organisiert der Freundeskreis einmal im Jahr. Am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, treffen sich die Sinti mit Repräsentanten der Stadt zur Kranzniederlegung. Doch das allein reicht Schwarz nicht. „Der Stein sollte auch Schulen Anstoß geben, Jugendliche darüber zu unterrichten, was unserem Volk angetan wurde.“ Das komme noch viel zu kurz, meint Schwarz.

Dennoch habe sich im Vergleich zu früher einiges verbessert. „Mit Unterstützung der Stadt konnten wir Ende 2012 unser Kulturzentrum in Kreyenbrück eröffnen“, lobt der Vorsitzende die Unterstützung. Anfeindungen sei seine Volksgruppe in Oldenburg auch nicht mehr ausgesetzt.

Offenes Haus

Eine unrühmliche Ausnahme bildete allerdings der Brandanschlag auf die Begegnungsstätte im Oktober 2013, bei der die Einrichtung beschädigt wurde. „Davon abgesehen fühlen wir uns hier voll akzeptiert“, betont Schwarz. „Im Kulturzentrum sind alle willkommen“, setzt er auf ein offenes Haus. Dort bietet der Freundeskreis Bildungs- und Kulturarbeit an, organisiert Treffen und Vorträge.

Auf die als politisch korrekt geltende Vermeidung des Wortes „Zigeuner“ zur Bezeichnung der Sinti und Roma legt Schwarz übrigens keinen allzu großen Wert. „Es kommt doch immer auf den Zusammenhang an“, meint er. Dass die Menschen aus der Geschichte lernen, ist ihm dagegen um einiges wichtiger.

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