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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Dieser Turban lenkt im Bus die Blicke auf sich

31.01.2015

Oldenburg Der hellblaue Turban passt zur dunklen Uniform und der Krawatte. „Davon habe ich 30 Stück zur Auswahl“, erzählt Jasbir Singh Dhot über seine Kopfbedeckungen. Viele Oldenburger werden ihn auf dem Foto wiedererkennen, denn der bärtige Inder ist seit drei Jahren als Fahrer in den Bussen der VWG unterwegs. Mit dem Turban fällt er auf und wird oft darauf angesprochen, erzählt er: „Aber immer nur positiv. Manche sagen, da kommt der schönste Busfahrer Oldenburgs“, scherzt der 51-Jährige.

Seine Kopfbedeckung trägt der Inder aus religiösen Gründen. Denn er ist ein Sikh, deren Religion es den Männern gebietet, einen Turban zu tragen. Bevor er morgens aus dem Haus geht, muss er daher immer rund 20 Minuten zusätzlich einplanen. „Der Stoff ist sieben bis acht Meter lang, ich muss ihn jedes Mal neu wickeln“, berichtet Dhot von seinem täglichen Ritual: „Aber das ist wichtig für meine Identität.“ Dhot lebt seit 24 Jahren in Deutschland, nach Oldenburg kam er 2010. „Es war immer mein Wunsch, in Deutschland zu leben, warum, weiß ich gar nicht“, berichtet der Busfahrer, der aus dem Bundesstaat Punjab im Norden Indiens stammt.

Der Anfang war allerdings nicht leicht. Der gelernte Fernsehtechniker konnte seinen Beruf aus sprachlichen Gründen nicht ausüben. Daher arbeitete er als Helfer in einer Tischlerei, aber auch von Arbeitslosigkeit blieb er nicht verschont. Vor drei Jahren entschloss er sich für die Umschulung zum Busfahrer. „Man muss sich erst daran gewöhnen, so ein großes Fahrzeug zu steuern“, sagt er respektvoll.

„Es macht mir Spaß durch die Stadt und die Region zu fahren. Man bekommt viel mit“, berichtet Dhot, der ab und zu auch den Weser-Sprinter nach Bremerhaven lenkt. In Oldenburg, so erzählt er, habe er seine zweite Heimat gefunden: „Die Menschen sind freundlich, ich fühle mich wohl.“ Gemeinsam mit seiner indischen Frau hat er vor kurzem einen sieben Monate alten Jungen aus seiner Heimat adoptiert. Stolz zeigt er das Foto. Es müssen allerdings noch ein paar Formalien geklärt werden, ehe das Kind, das aus dem erweiterten Familienkreis stammt, nach Deutschland ziehen darf.

Aus diesem Grund reist Dhot nun nach Indien. „Dauerhaft dort leben könnte ich allerdings nicht mehr“, räumt er ein: „Ich bin inzwischen von den Bedingungen hier verwöhnt.“ Und der Turban sorgt ja auch für das eine oder andere nette Gespräch am Rande.


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