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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Über allen schwebt der heilige Martin

08.03.2017

Berlin /Oldenburg Das 60. „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ hatte einen Schutzpatron: den Heiligen Martin. Gemessen an seiner Namensnennung am Montag in der Niedersächsischen Landesvertretung, füllte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz trotz persönlicher Abwesenheit gefühlt jede Rolle aus – als designierter oder potenzieller Kohlkönig, als „weißer Obama“, als menschliche Abwehrwaffe gegen die Despoten der Welt oder einfach nur als einer, „der in Bad Zwischenahn übers Wasser bis nach Dreibergen laufen kann“, meinte Dietmar Wischmeyer, in den Rollen als Günther der Treckerfahrer und Vorsitzender des Kurfürstenkollegiums wieder mal bestens aufgehoben.

Trotz aller Tradition war es ein Abend des Wandels: nominell mit der Übertragung der Königinnenwürde von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) auf Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD); gefühlt mit der Abstinenz namhafter wie einflussreicher Politiker aus Bund und Land. „Der Wahlkampf läuft an. Man merkt das bei den vielen Terminüberschneidungen“, stellte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann fest, sagte aber voraus: „Das ist im kommenden Jahr wieder anders.“

Viel Tradition

Als Fels in der Brandung wirkten indes die reibungslose Organisation durch die Stadtverwaltung, die umfangreiche Versorgung mit 200 Kilo Grünkohl, Pinkel, Kochwurst und Kasseler aus Oldenburger Herstellung, der stets freundliche Service durch die Auszubildenden der Gastronomie und der Berufsbildenden Schulen (BBS) III sowie des Hotel- und Gaststättenverbandes. Für den besonderen Tag waren die 30 jungen Kräfte mit ihren Betreuern in Oldenburg um fünf Uhr morgens nach Berlin aufgebrochen, um rund 20 Stunden – unter Wahrung der Pausen – zuverlässig und gut gelaunt immer noch ihren Dienst zu verrichten.

Kohlmajestät Johanna I. wurde von OB Krogmann mit sehr wohlwollenden Worten verabschiedet. „Liebe Johanna, Du hast eine blitzsaubere Bilanz: Letztes Jahr habe ich mir gewünscht, man könnte doch ein hübsches kleines Forschungsinstitut des Bundes bei uns ansiedeln.“ Große Überraschung: „Keine acht Monate nach dem Kohlessen stand die Zusage für das Helmholtz-Institut in Oldenburg!“, jubelte Krogmann. „Da soll noch einer sagen, das Kohlessen wäre just for fun!“ Nee, wenn doch alles im Leben so einfach wäre. Mit Blick auf eine vermeintliche Ruhestandsregelung wurde nicht recht klar, ob Johanna I. nun als Alt-Königin oder Kohlmajestät in Pension firmiert und künftig automatisch zum Ehemaligentreffen eingeladen wird mit Frei-Pinkel auf Lebenszeit. Rückblickend bleibt Ministerin Wankas Amtszeit wohl als gut verwaltetes Jahr ohne zündende Rede in Erinnerung.

Augen auf bei der Berufswahl, hieß es in der Grußadresse des OBs an die bis zur Bekanntgabe durch das Kurfürstenkollegium „nur“ Bundesministerin für Arbeit und Soziales. „Andrea, schon in der Abizeitung hast du klare Vorstellungen gehabt: Du wirst Hausfrau – oder Bundeskanzlerin. Warum nicht gleich Kohlkönigin“, unkte Krogmann.

Starke Frauen

Treckerfahrer Günther legte nach: „Gestählt durch zwei vergeigte SPD-Schattenkabinette unter Steinmeier und Steinbrück kann diese Frau aus der Vulkan- eifel nix mehr erschüttern. Aber sie kann ja nix ’für, wenn der Alte eine Lusche ist.“ Die Zeiten, da die Frauen zusammen mit ihrer Herrschaft beerdigt wurden, seien ja glücklicherweise vorbei.

Nach der Proklamation durch Kurfürst Dietmar Wischmeyer legte Andrea I. vor den 250 Gästen ein umfassendes Geständnis ab: „Mir war Grünkohl lange suspekt!“ Rrrumms, da war es raus.

Nahles ist eine Spätentwicklerin. Ihr erstes Mal erlebte sie im zarten Alter von 25 Jahren bei einer Veranstaltung der Jusos in Oldenburg. „Ohne was Hoch-prozentiges werde ich den Grünkohl niemals herunterbekommen“, dachte die damalige Juso-Vorsitzende und nahm nach eigenen Worten „einen ordentlichen Schluck aus der Pulle mit dem Desinfektionsmittel.“

Für diesen Selbstversuch war ihr ein „Heil dir, o Oldenburg!“ gewiss. Dass die Nationalhymne der Oldenburger nicht wie im Vorjahr eskalierte, dafür hatte OB Krogmann schon in seiner Eröffnung gesorgt. „Letztes Jahr hat es da ein paar Irritationen gegeben. Also noch mal zum Mitschreiben: Traditionsveranstaltungen sind deshalb Traditionsveranstaltungen, weil man jedes Mal dasselbe macht!“

Anders als Freigeist Annie Heger 2016 musste sich Nina Bernsteiner vom Oldenburgischen Staatstheater wortgetreu an die Originalfassung von Großherzogin Cäcilie von 1844 halten. Die Sängerin erfüllte die an sie gestellte Aufgabe charmant, professionell und textsicher.

Der Rest war geselliges, gefälliges Beisammensein. Dafür, so Ministerpräsident Stephan Weil, seien die Niedersachsen schließlich von Natur mit einem robusten Magen und einer gesunden Leber ausgestattet. Wie die Beschaffenheit der Sinne am Folgetag aussah, ist nicht bekannt. Bei dem einen oder anderen Sozialdemokraten mag der Glaube an Sankt Martin geholfen haben.

Alles zum Thema Grünkohl inkl. leckere Rezepte lesen Sie in unserem Grünkohl-Spezial.

Oliver Schulz Redakteur / Kulturredaktion
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