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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Ungleicher Kampf um Oldenburger Cäcilienbrücke

23.04.2015

Oldenburg Drückendes Metall gegen drängende Mahnungen. Es ist ein ungleicher Kampf, der da rund um die Cäcilienbrücke ausgefochten wird. Mit guten Worten allein kommt das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) aber schon lang nicht mehr gegen den Verfall der Türme an: Selbst der Flickenteppich aus Stahlträgern, Ankern und Metallstreben kann offenbar nur noch notdürftig repariert werden. „Der Zustand der Mauerwerkstürme hat sich nach erster Abschätzung weiter verschlechtert“, sagt Rüdiger Oltmanns vom WSA. Und das nicht etwa binnen der vergangenen Jahre, sondern lediglich von November 2014 bis heute.

All den wohlwollenden Sanierungsbitten aus der Bevölkerung zum Trotz gab die Brücke beim Prüftermin am Mittwoch keinen Grund zum Durchatmen. Im Gegenteil. Selbst Manfred Serr, immerhin seit gut 30 Jahren vor Ort der Mann für die Mechanik und Tag wie Nacht auf Abruf für die kleinen und großen Problemchen der Brücke bereit, verweist auf ein, ja sein weinendes Auge. Denn das „Risskataster“ – quasi Tagebuch fürs in sich gesprengte Mauerwerk – füllt sich mit jeder neuen Prüfung durch die Mitarbeiter des Schifffahrtsamtes. Und das seit 2013 bereits im Halbjahresrhythmus. Was dort niedergeschrieben ist, dürfte selbst hartgesottene Traditionalisten zumindest ein stückweit erweichen: Poröse Steine, die sich mit wenigen Handgriffen aus dem Mauerwerk lösen lassen. Rostende Metallstreben, die sich ausdehnen. Meterlange Risse. Verklemmungen. Verschlissene Antriebstechnik. Und stehendes Wasser im Keller des ersten Turmes, stadtauswärts, vorne links – „Gift fürs Gebäude“, sagt Oltmanns dazu.

Er selbst sei mit Blick auf die Brücke „emotionslos“. Aus Gründen. Schon 2006 hatte das Amt einen eigenen Gutachter auf die Hunte-Überquerung angesetzt und festgestellt, „dass sie nicht zu retten ist“. In tiefergehender Diskussion mit der Stadt befindet man sich seit 2009. Und der gekippte Wettbewerb zum Neubau (NWZ  berichtete) sowie der öffentliche Sturm der Entrüstung haben die Situation fürs Amt nicht verbessert. Letztlich fokussiert sich für Oltmanns und Co. alles auf eine Formel: „Wir sind verantwortlich.“ Auch wenn die aktiven Streiter damit kaum überzeugt werden können.

Schutz der Menschen

Am Mittwoch ist das WSA mit einem großen Tross angerückt, hat die Brücke für den Autoverkehr gesperrt. „Handnah“ wird jeder Turm auf lose Steine geprüft. Mit Hämmerchen, Schraubendreher und Fingern. Lange suchen müssen die Kollegen nicht – kaum verwunderlich bei 88 Jahre altem Mauerwerk. Und genau das ist die Krux. Die Steine bröckeln – und das direkt über Verkehrswegen. Über Autos, Radfahrern und Fußgängern. „Wir kümmern uns zwar auch um Antrieb und Beton, aber vorrangig geht es uns hier um den Schutz der Menschen.“

Alle Berichte zu dem beliebten Oldenburger Baudenkmal lesen Sie im Cäcilienbrücken-Spezial

Dass das Bauwerk seit Jahrzehnten gehegt und gepflegt wird, stehe außer Frage. Auch, dass dies so lang wie eben möglich fortgeführt wird. Aber wie lang ist lang? Bundesmittel werden für den Neubau benötigt. Ein Haushaltsentwurf dafür zwingend, ebenso ein Planfeststellungsverfahren. Letzteres dürfte angesichts der Grundsatzdiskussion nicht vor 2017 beantragt werden können. Baurecht gebe es dann mit viel Glück 2019 oder 2020. Und bis es dann tatsächlich zum Neubau kommen mag, zieht weitere Zeit ins Land. „Ich weiß nicht, ob wir das Gebäude so lang erhalten können“, sagt Oltmanns. Getan habe man, was man tun könne. „An die Substanz aber kommen wir so nicht ran.“

Beispielsweise an all die Holzpfähle, die 1927 zehn Meter tief in weichen Boden eingebracht wurden, um die Türme zu stützen. Beispielsweise an das innere Stahlgerüst, das mit all dem sichtbaren Bockhorner Klinker verwoben ist. Und beispielsweise auch ans kollektive Gedächtnis, das sich mit dem Ende der Cäcilienbrücke in bisheriger Form beschäftigen sollte.

Gesünderes Innenleben

Obgleich: Der mögliche Neubau könnte aussehen wie das verfallende Gebäude. Sogar die Brennerei des alten Bockhorner Klinkers hat man ausfindig gemacht. „Wir würden die Brücke im Ursprungszustand von 1927 aufbauen, nicht die Brücke nach 1945.“ Mit allen Ornamenten, dann auch mit gesundem Innenleben, neuer alter Seilzug-Technik und vorgesetztem Klinker.

„Weg damit, Raupe drüber“, schimpft ein älterer Herr auf seinem Rad, „was soll das dumme Zeug?“. Oltmanns muss kurz grinsen, verkneift sich gleiches aber rasch wieder. Zu ernst die Lage, zu harsch der Widerstand. Es ist ein zäher Kampf. Einer, der mit Worten allein nicht mehr lang geführt werden kann.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-stadt 
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Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

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