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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Justizdrama „terror“ In Oldenburg: Urteil im Namen des Publikums

15.02.2016

Oldenburg Freitagabend, 19.25 Uhr, die Tür zu Saal I im Oberlandesgericht öffnet sich. 60 erwartungsfrohe Menschen strömen in den Zuschauerraum. Sie sind die ersten, die in Oldenburg Ferdinand von Schirachs Justizdrama „Terror“ sehen dürfen. Das Staatstheater hat die öffentliche Probe – gut eine Woche vor der Premiere im Großen Haus – in den realen juristischen Raum verlegt.

Ein Wagnis, wie Regisseur Peter Hailer den Zuschauern vorab verdeutlicht: „Hier ist alles anders, die Blickachsen zwischen den Schauspielern unterscheiden sich von denen, die wir im Theater haben. Außerdem wird es Texthänger geben“, warnt der Oberspielleiter. Zwischen der Probe und der Premiere liegen noch acht Tage – „das sind Welten“, sagt Hailer. 40 bis 50 Prozent würden erst in den letzten Tagen erarbeitet. Und: Das Ensemble werde sich am Ende, auch wenn es Applaus gibt, nicht vor dem Publikum verbeugen, baut Hailer schon mal vor. Ein ungeschriebenes Theatergesetz besagt, dass man das erst nach der Premiere macht.

„Terror“ steht 13 Mal auf dem Spielplan

13 Mal steht das Schauspiel „Terror“ bis zur Sommerpause auf dem Spielplan im Großen Haus des Staatstheaters. Premiere ist am 20. Februar. Für diese und die Vorstellung am 26. Februar gibt’s nur noch wenige Restkarten. Weitere Aufführungen sind am 12. und 15. März, am 3., 19., 22. und 28. April, am 5. Mai sowie am 2., 10. und 25. Juni. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

Karten: An der Theaterkasse im Foyer (dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, sonnabends 10 bis 14 Uhr) sowie unter Tel. 2225-111.

tickets.staatstheater.de

Dann geht es los: Matthias Kleinert betritt als Richter den Saal. Er richtet einige Worte an die Zuschauer und erklärt ihnen ihre Rolle, denn sie sollen am Ende darüber entscheiden, ob der Angeklagte schuldig oder nicht schuldig ist. „Vergessen Sie alles, was Sie bisher über den Fall gehört haben. Urteilen Sie ruhig und gelassen“, fordert er die Laienrichter auf.

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Es ist eine Gewissensentscheidung in einem fürchterlichen Szenario: Terroristen haben einen Airbus mit 164 Passagieren entführt – mit dem Vorsatz, die Maschine in die mit 70 000 Fußballfans vollbesetzte Münchner Allianz-Arena zu steuern. Bevor es dazu kommt, entschließt sich Kampfjet-Pilot Lars Koch in letzter Sekunde und entgegen der ausdrücklichen Weisung des Verteidigungsministers, das Passagierflugzeug über einem Kartoffelacker abzuschießen. Wenn die Staatsanwältin (gespielt von Franziska Werner) den des Mordes angeklagten Luftwaffen-Major Koch (Yassin Trabelsi) und Oberstleutnant Christian Lauterbach (Klaas Schramm) als Zeugen minutiös die Vorgänge der verhängnisvollen Nacht schildern lässt, ist es mucksmäuschenstill im Saal. Auch als Christina Kühnreich in der Rolle von Passagierwitwe und Nebenklägerin Franziska Weiser auftritt, stockt einem der Atem.

Umso lauter ist es dann in der 20-minütigen Pause auf dem Gerichtsflur. Die Zuschauer-Schöffen diskutieren darüber, ist es „richtig, wenige Menschen zu töten, um viele zu retten“?, wie sich Lars Koch rechtfertigt. War es das „kleinere Übel“?, wie sein Verteidiger (Leander Lichti) glauben machen will. Oder ist die Würde des Menschen unantastbar und Leben gegen Leben nicht aufzuwiegen, wie die Staatsanwältin postuliert. Der Richter lässt abstimmen: 38 Zuschauer votieren für „schuldig“, 22 entscheiden sich für „nicht schuldig“.

Das Proben-Publikum verlässt – weiter diskutierend – den Saal: „Es war großartig“, findet Karin Wasner-Schindzielorz, „aufwühlend, packend und fordernd zugleich.“ Sie habe für Freispruch gestimmt, obwohl sie durch die bohrende Frage der Staatsanwältin, warum eigentlich niemand die Räumung des Stadions angeordnet habe, noch einmal ins Grübeln gekommen sei. Auch Fachleute wie Richterin Susanne Kläne ringen mit sich und sind fasziniert von der eindringlichen Darstellung: „Es war sehr nah dran an der Realität“, so die Sprecherin des Oberlandesgerichts, die sich übrigens für einen Freispruch entschieden hat.

Peter Hailer ist mehr als zufrieden. „Das Ensemble ist über sich hinausgewachsen“, lobt der Regisseur. Und so hat er seine Schauspieler-Riege auch gewähren lassen, als sie sich am Ende des intensiven Abends – dem Aberglauben zum Trotz – doch vor dem begeistert applaudierenden Proben-Publikum verbeugt. Die Premiere findet schließlich an einem anderen Ort statt. Darauf, wie 630 Menschen im Großen Haus entscheiden, ist nicht nur Hailer gespannt. Genau das wird den Reiz jeder einzelnen Vorstellung immer wieder aufs Neue ausmachen.


Mehr Bilder unter   www.nwzonline.de/fotos-oldenburg 
Stephan Onnen Redakteur / Redaktion Oldenburg
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