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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Viele Räume schaffen zum Wohlfühlen

17.01.2015

Oldenburg Sie strahlt eine große Herzlichkeit aus. Während im Hintergrund gerade die Predigt des Freitagsgebetes in der Haci Bayram Moschee verklungen ist, findet Necla Kabacaoglu geb. Mersinlioglu in einem angrenzenden Büro offene Worte: „Wir sollten einen Dialog herstellen, der über Religion und Kultur hinausgeht, und Räume füreinander schaffen zum friedlichen Begegnen, Kennenlernen und Wohlfühlen. Und wir sollten unseren Horizont stetig erweitern.“

Die 25-jährige Muslimin hat eine klare Meinung, wenn es um den Abbau von Vorurteilen und Missverständnissen zwischen den Religionen und Kulturen geht. Der Mensch sollte im Vordergrund stehen. Man merkt, dass der 25-jährigen Oldenburger Architekturstudentin das Gesprochene am Herzen liegt. Der „gegenseitige Respekt ist ganz besonders wichtig und das Verständnis füreinander“, betont die Muslimin mit türkischen Wurzeln.

Sie selbst leistet dafür einen wertvollen Beitrag. Seit 2009 ist Necla Kabacaoglu, die in Oldenburg geboren wurde und hier aufwuchs, ehrenamtlich als Dialogbeauftragte für interkulturelle und interreligiöse Zusammenarbeit in der DITIB Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Oldenburg tätig. Dabei stellt sie Menschen, die mehr über den Islam erfahren möchten, ihre Religion sowie deren Traditionen oder auch Feiertage vor. Dazu informiert die 25-Jährige über die Haci Bayram Moschee ihrer Gemeinde und führt durch die Räumlichkeiten. „Es gibt auch immer wieder Anfragen von bestimmten Berufsgruppen, die sich über den Umgang mit dem Islam informieren möchten.“ So hätten zum Beispiel Krankenschwestern mehr über das muslimische Waschritual bei einem verstorbenen Patienten erfahren wollen.

Immer wieder fällt das Wort „Räume“. Die Augen von Necla Kabacaoglu strahlen dabei, ist doch die Architektur ihre ganz große Leidenschaft. „Ich bin ein kreativer Kopf“, sagt sie. „Etwas zu entwerfen und Projekte zu entwickeln, macht mir Spaß.“ Im Sommer möchte die 25-Jährige ihr Architekturstudium an der Jade Hochschule in Oldenburg mit dem Bachelor abschließen. Beruflich will sie sich dann auf Innenarchitektur spezialisieren. „Ich möchte Räume lebendig und individuell gestalten und Menschen damit glücklichen machen.“ Permanent habe sie Ideen für kreative Raumgestaltungen. Auch wenn sie Filme schaue, könne sie sich kaum davon frei machen, Gebäude und ihr Innenleben analytisch zu betrachten, erzählt sie.

Viel Freizeit bleibt ihr neben dem Studium nicht, auch aufgrund der zeitintensiven Semesterprojekte in den Architekturseminaren. „Wenn ich dann Zeit habe, unternehme ich gerne etwas mit meinem Mann, gehe ins Kino, vor allem in Komödien, oder lese viel.“ Gerne auch immer wieder Suren aus dem Koran. „Wenn ich zum Beispiel in einer schwierigen Lebenssituation bin, finde ich dort Rat“, sagt Necla Kabacaoglu, die jedoch auf Übersetzungen zurückgreift. „Zwar kann ich den Koran auf Arabisch rezitieren, doch nicht verstehen.“

Ihr Glaube sei ihr sehr wichtig, betont die 25-Jährige, doch aufgrund ihres Studiums und der Stelle als studentische Hilfskraft könne sie nicht immer die fünf täglichen Gebetszeiten einhalten. „Ich bete dann nachträglich zu Hause.“ Im Fastenmonat Ramadan verzichtet sie auf Essen und Trinken zwischen Sonnenauf- und -untergang. Ein Kopftuch trägt sie nicht. In ihrem Freundeskreis ist das gemischt. „Meine Familie hat mir das freigestellt, und ich kann mir das derzeit nicht vorstellen.“

Oldenburg ist auch das zu Hause ihrer Eltern, zwei jüngeren Geschwistern und ihrer Großmutter väterlicherseits. „Oldenburg ist eine sehr schöne Stadt mit tollen Altbauten“, schwärmt die architekturbegeisterte Muslimin, die in der Stadt auch privat ihr Glück gefunden hat. Vor zwei Monaten hat sie hier geheiratet.

Die Großeltern von Necla Kabacaoglu kamen damals als Gastarbeiter nach Deutschland. An Deutschland schätze sie besonders die gute Organisation und Ordnung, „auch wenn das klischeehaft klingt“, lacht die junge Frau. Einmal pro Jahr besucht sie ihre Verwandten in der Türkei, in Trabzon an der Schwarzmeerküste. „Das ist immer sehr schön, doch diese Besuche fühlen sich eher wie Urlaub an“, sagt die 25-Jährige.


Ein Spezial unter   www.nwzonline.de/integration-oldenburg 
Sebastian Friedhoff
Friesoythe
Redaktion Münsterland
Tel:
04491 9988 2904

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