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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Von Batterien und Regimentern Erste Versuche schon im 16. Jahrhundert Heilige Barbara Schutzpatronin

15.12.2010

OLDENBURG Aris, Bumsköppe oder (wegen ihrer roten Baretts) Rotkäppchen – der Bundeswehrjargon hatte gleich mehrere Ausdrücke für die Artilleristen parat. Das wissen auch die ehemaligen Angehörigen des Offizierkorps, die vor ein paar Tagen mit einem Kameradschaftstag ein besonderes Jubiläum feierten. Vor 50 Jahren wurde Ende 1960 das Artillerieregiment 11 in Oldenburg aufgestellt.

Die Anfänge fielen bescheiden aus. Nur das Feldartilleriebataillon 111 in der ehemaligen Hindenburg-Kaserne und die 2. Batterie des Raketenartilleriebataillons 112 aus Delmenhorst machten das Regiment aus. Das Bataillon 112 verfügte nicht einmal über einen Stab – sozusagen die Verwaltung einer Bundeswehreinheit. Aus der Gründungsbatterie wurde am 6. April 1961 das Raketenartilleriebataillon 112, es blieb in Delmenhorst stationiert. Während der großen Sturmflut im Februar 1962 bestanden die Soldaten bei ihrem Einsatz in der Wesermarsch ihre erste Bewährungsprobe.

1964 wurde dem Regiment die Beobachtungsbatterie 172 aus Wuppertal unterstellt, aus der die Schallmessbatterie 11 und die Radarbatterie 11 hervorgehen sollte.

Mit der artilleristischen Aufklärungskomponente war die Aufstellungsphase des Regiments abgeschlossen, das nun der 11. Panzergrenadierdivision im Falle eines Krieges Feuerunterstützung gewährleisten sollte. Zum Glück kam es nie dazu.

1970 legte man die Beobachtungsbatterie 11 und die Schallmessbatterie 11 zur Radarbatterie 11 zusammen. Im Oktober 1980 wurde dem Artillerieregiment 11 ein Spezialzug für besondere Einsatzmittel unterstellt, der zuvor dem Panzerartilleriebataillon 315 in Wildeshausen angehörte. Und aus der Beobachtungsbatterie 11 in Delmenhorst wurde im selben Jahr das Beobachtungsbataillon 113.

In lebhafter Erinnerung blieb den Artilleristen der Aufenthalt auf dem Truppenübungsplatz Anfang 1985 in Bergen (Landkreis Celle). Bei sibirischen Temperaturen von minus 20 Grad und darunter erloschen technisch bedingt nach drei Tagen die Öfen und die Kraftstoffleitungen der dieselbetriebenen Fahrzeuge verstopften. Es offenbarten sich bei den extremen Temperaturen erhebliche Mängel bei der Ausrüstung der Soldaten. Die Erfahrungsberichte der Oldenburger Artilleristen führten dazu, dass die Soldaten mit einer besonderen Kälte- und Nässeschutzbekleidung ausgerüstet wurden.

Eine der Höhepunkte in der Geschichte des Artillerieregiments 11 war die Auszeichnung der 4. Batterie des Raketenartilleriebataillons 112 für die beispielhafte deutsch-amerikanische Zusammenarbeit. Die Einheit hatte über Jahre hinweg im Rahmen der „Project-Partnership“ Kontakte und Freundschaften mit dem amerikanischen „US Field Artillery Detachement“ gepflegt.

Ende der 80er-Jahre erfolgten mehrere kleinere Umstrukturierungen im Regiment. Im Mai 1991 wurden nach dem Fall des Eisernen Vorhangs einschneidende Planungsergebnisse bekannt. Das Artillerieregiment 11 wurde zum 31. Dezember 1993 aufgelöst. Damit endete eine mehr als 33 Jahre dauernde Zugehörigkeit zur 11. Panzergrenadierdivision und eine 163 Jahre währende Tradition Oldenburgs als Artilleriestandort.

Viel beachtet war die letzte Ausfahrt der 203-Millimeter-Geschütze aus der Hindenburgkaserne Anfang September 1992 zur Verladung auf die Bahn in Krusenbusch. Der Weg führte ins Depot in Lingen. 654 Mann gehörten zum damaligen Zeitpunkt zum Feldartilleriebataillon 111, das aus vier Batterien bestand. Rund 200 Familien waren vom „Ari-Auszug“ aus Oldenburg betroffen, für die verträgliche Lösungen gefunden werden mussten. Der damalige Regimentskommandeur Oberst Klaus Werner blickte den abfahrenden Haubitzen mit leicht gemischten Gefühlen nach. „Politisch haben wir das alles so gewollt“, meinte er, „aber etwas Wehmut ist natürlich auch dabei.“

Offiziell wurde die oldenburgische Artillerie 1830 durch Großherzog Paul Friedrich August begründet. Die Geschichte reicht aber bis in den Dreißigjährigen Krieg zurück, als Graf Anton Günther (1603-1667) auf den Stadtwällen 46 Kanonen in Stellung bringen ließ. Die gaben allerdings nur Freudenschüsse zum Kriegsschluss ab. Die älteste Oldenburger Kanone mit nur anderthalb Meter langem Rohr stammt aus der Festungszeit und wird im Schloss aufbewahrt. Als das Rohr 1950 bei Erdarbeiten in der Staulinie gefunden wurde, datierten es Fachleute in das 16. Jahrhundert zurück. Demnach hätte es auch schon zur Zeit des Grafen Anton I. (1529-1537) artilleristische Versuche gegeben. 1830 entstand das oldenburgische Artillerie-Corps, das im Feldzug 1866 als Bestandteil der preußischen Armee die Festung Marienberg bei Würzburg beschoss, die als königlich bayerische Festung diente.

Schutzheilige der Artilleristen (und Bergleute) ist die heilige Barbara. Der Tag der Heiligen Barbara ist der 4. Dezember, der auch in den Kasernen in Oldenburg und Delmenhorst gefeiert wurde. Dabei wurden Soldaten als Barbara verkleidet.

Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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