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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Wenig Bewegungsfreiheit in der JVA Oldenburg

31.12.2015

Oldenburg Das „Alcatraz des Nordens“? Nun, diese Formulierung aus einer Fernsehreportage scheint Gerd Koop doch sehr zu gefallen. Dabei ist seine Justizvollzugsanstalt (JVA) doch weder eine Insel, noch hat sie einen eigenen Leuchtturm. Obgleich: Leuchtturmprojekte gab es hier in den vergangenen 14 Jahren ihres Bestehens schon jede Menge. Sei es nun die Quasi-Mitbestimmung der Inhaftierten (die schließlich zu Haftveränderungen und erfolgreichen Resozialisierungswerten führten), sei es die konsequente Fokussierung auf Sauberkeit oder schon ihre Erbauung mitten in einer Großstadt.

Mit 304 Haftplätzen in der Hauptanstalt an der Cloppenburger Straße in Kreyenbrück (hier der geschlossene Vollzug, die Strafhaft, aber auch die Untersuchungshaft) ist sie zwar nicht die allergrößte, gilt aber als eine der modernsten Anstalten Deutschlands.

„Null Toleranz“

3272 Gefangene wurden im vergangenen Jahr in der JVA Oldenburg untergebracht, 407 von ihnen waren allerdings nur auf der „Durchreise“ – geradewegs in andere Gefängnisse. 3229 verließen die Anstalt im selben Zeitraum wieder: das macht eine Jahresschnittbelegung von 240 erwachsenen Männern. „Logistisch eine Meisterleistung“, findet Koop, „denn alle Gefangenen müssen kontrolliert, versorgt, verpflegt und betreut werden.“

Das geschieht in der Hauptsache in Einzelhaft. 246 Zellen von zehn Quadratmetern Größe sind hier eingebracht, zusätzlich 58 Doppelhafträume verfügen über 16 Quadratmeter. Dass es da auch ab und an zu Auseinandersetzungen und – vorsichtig formuliert – „Grenzüberschreitungen“ kommt, liegt in der Natur der Sache. Im vergangenen Jahr wurden 13 Strafanträge wegen „körperlicher Auseinandersetzungen“ untereinander oder schwere Beleidigungen gegen Bedienstete gestellt. Einen versuchten Angriff auf einen Mitarbeiter der JVA habe es außerdem gegeben. 13 weitere Strafanträge folgten aufgrund von Drogenmissbrauchs. In solchen Fällen greife die Anstaltsleitung rigoros durch. „Null Toleranz“ gebe es bei etwaiger Gewalt, sagt Koop. Das wissen die Inhaftierten hier auch nur allzu gut – schließlich haben sie viele Freiheiten, die ihnen andere Anstalten nicht gewähren würden. Wer da zu seinem eigenen Glück nicht mitarbeitet, hat nun mal Pech. Das gilt vor allem für jene, die hier lebenslang einsitzen. Immerhin: Langweilig muss den Gefangenen nicht werden, dafür gibt es mehr als genug Beschäftigungsangebote. 273 Arbeitsplätze stehen hier insgesamt zur Verfügung. Davon entfallen 56 auf die Hausarbeiten in der JVA, 22 arbeiten in den Eigenbetrieben, 145 in den Unternehmerbetrieben und auf den klassischen Freigang kommen 50 Arbeitsplätze. Letzteres ist zumeist eine geregelte Arbeit und dient als Maßnahme zur Entlassungsvorbereitung. 71 Prozent der Untersuchungsgefangenen „arbeiten fleißig und freiwillig hier“, sagt Koop.

Dafür erhalten sie auch einen Lohn – durchschnittlich 11,50 Euro verdient ein Strafgefangener pro Tag. Wenn sie bedürftig sind oder unverschuldet ohne Arbeit, gibt es ein Taschengeld von etwa 30 Euro im Monat. Dieses verwenden sie größtenteils für den Einkauf beim Anstaltskaufmann. Alle 14 Tage dürfen Gefangene da „shoppen“ gehen – die Höchstgrenze beträgt 100 Euro pro Einkauf.

Fünf Stunden im Monat

Nicht arbeitende Gefangene dürfen Besuch in der Zeit bis 16 Uhr empfangen, arbeitende im Anschluss. Die gesetzliche Gesamtdauer des Besuchs beträgt mindestens eine Stunde pro Monat, abweichend davon ermöglicht die JVA Oldenburg jedem Gefangenen fünf Stunden Besuch im Monat. Manche Inhaftierten haben die Möglichkeit des Langzeitbesuchs – zwei schick eingerichtete Räume stehen da zur Verfügung, zwei Kondome liegen im angeschlossenen Badezimmer bereit. „Sie bietet Gefangenen und ihren Angehörigen die Möglichkeit, ihre Beziehung auch während der Haft aufrecht zu erhalten“, heißt es. Jeder Gefangene hat – nach Genehmigung – zweimal im Monat die Möglichkeit, hier für maximal sechs Stunden einzukehren. Er findet parallel zu den regulären Besuchen statt. Und das klingt nun so gar nicht nach „Alcatraz“ ...


  www.nwzonline.de/oldenburg-statistik 
Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

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