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Sonderkontrolle in Oldenburg Den Autoposern am Heck kleben – eine Einsatzfahrt mit der Polizei

Untersuchen das Fahrzeug während der Kontrolle sehr genau: Polizeikommissar Raik Pohl (links) und Polizeioberkommissar Christian Brandt (rechts).

Untersuchen das Fahrzeug während der Kontrolle sehr genau: Polizeikommissar Raik Pohl (links) und Polizeioberkommissar Christian Brandt (rechts).

Wolfgang Alexander Meyer

Oldenburg - Wer an einer der Oldenburger Hauptstraßen wohnt, wird dieses Phänomen mit großer Wahrscheinlichkeit kennen: Laut aufheulende Automotoren, heftige Knallgeräusche aus den Auspuffanlagen oder Fahrzeuge, die insbesondere in den Abendstunden (viel) schneller unterwegs sind, als erlaubt. Vor nicht allzu langer Zeit hat sich genau aus diesem Grund sogar die „Bürgerinitiative Gegen Autoposer“ gegründet. Der Gruppe gehören vor allem Anwohner der Hauptstraßen an. Sie fordern unter anderem vermehrte Polizei-Kontrollen der Autoposerszene, die sie für die Belästigungen verantwortlich machen.

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Am vergangenen Freitag gab es genau so eine Kontrolle durch die Polizei-Kontrollgruppe „Autotuning“. Im Fokus der Beamten standen neben dem Feststellen und Ahnden von sogenanntem Poser-Verhalten auch die Verfolgung von Verkehrsverstößen wie zum Beispiel überhöhte Geschwindigkeiten, Verursachen unnötigen Lärms und illegale technische Veränderungen an den Fahrzeugen. Unsere Redaktion durfte dabei zeitweise eine der zivilen Streifen begleiten – ein Bericht.

Anders als erwartet

Nur etwa eine oder zwei Minuten, nachdem wir im Polizeifahrzeug sitzen, kommt der erste Einsatz rein. Anders als erwartet geht es nicht um einen Autoposer, sondern um einen Falschfahrer, der auf der Autobahn 293 die falsche Auffahrt genommen hat und jetzt in die falsche Richtung fährt (siehe Seite 10). Polizeikommissar Raik Pohl startet den Wagen und fährt ebenfalls auf die Autobahn. Auf dem Beifahrersitz befindet sich sein Kollege Polizeioberkommissar Christian Brandt, der den Kontakt mit den anderen Streifenwagen über Funk hält. Immer wieder kommen Meldungen von Sichtungen des Falschfahrers rein, der sich nach wenigen Minuten schon nicht mehr auf der Autobahn befindet und dank des koordinierten Vorgehens der Beamten kurz darauf in Loy gestoppt werden kann.

Die erste Kontrolle

Wir fahren zurück in die Stadt und positionieren uns gegenüber einer Tankstelle an der Nadorster Straße – ein beliebter Treffpunkt für Mitglieder der Autoposer-Szene, wie die beiden Beamten wissen. Es dauert auch hier nicht lange, bis ihnen eine schwarze Mercedes-C-Klasse auffällt. Das Fahrzeug fährt zügig auf dem Gelände in Richtung Straße. Pohl nimmt die Verfolgung auf. Es wird aber nur eine kurze Fahrt, denn der Fahrer wendet den Mercedes an der nächsten Kreuzung und fährt zur Tankstelle zurück. Pohl wendet und bringt das Fahrzeug wieder in Stellung.

Kurz darauf verlässt der Mercedes erneut das Gelände. Dieses Mal in die andere Richtung. Pohl folgt ihm. Der Fahrer lenkt seinen Boliden direkt in ein Wohngebiet und hält am Straßenrand. Er scheint den sprichwörtlichen Braten gerochen zu haben. Kontrolliert wird er trotzdem. Wie sich herausstellt, gehört das Auto einem Freund. Der Fahrer wolle es nur Probe fahren – hat aber seinen Führerschein nicht dabei.

Es geht zurück zur Tankstelle, wo sich der Führerschein befinden soll. Die anschließende Kontrolle zeigt, dass der Mann tatsächlich im Besitz einer Fahrerlaubnis ist. Pohl spricht kurz mit dem Fahrer und erklärt ihm, was es mit der Kontrolle auf sich hat. Er berichtet auch von der Bürgerinitiative und dass Anwohner sich über den unnötigen Verkehrslärm ärgern.

Die zweite Kontrolle

Kurz nach dem Verlassen des Tankstellengeländes dann eine Schrecksekunde. Direkt neben dem Polizeifahrzeug fährt ein weißer BMW M3 vorbei. Ein extrem lauter Knall ertönt. Pohl wendet sofort das Fahrzeug und schließt zum BMW auf. Brandt signalisiert dem Fahrer mit der Polizeikelle, rechts ranzufahren. Auf dem Gelände einer anderen Tankstelle halten die beiden Autos.

Pohl geht zum Fahrer, stellt sich kurz vor und konfrontiert den jungen Mann mit seinem Fehlverhalten – dem lauten Knall. Währenddessen nimmt sein Kollege mit einer Taschenlampe das Fahrzeug in Augenschein, legt sich vor der Auspuffanlage sogar auf den Boden und leuchtet in die Abgasrohre.

Pohl spricht in der Zeit weiter mit dem Fahrer. Berichtet auch ihm, dass es die Bürgerinitiative gibt, weil es immer wieder zu unnötigem und zu lautem Verkehrslärm in der Stadt kommt. Nach einer Überprüfung des Fahrers zeigt sich, dass der junge Mann schon einmal wegen Lärm im Verkehr aufgefallen war – und zwar erst vor kurzem. Pohl nimmt das zum Anlass, den Mann darauf hinzuweisen, dass ein solches Verhalten, wenn es häufiger vorkommt, zum Verlust des Führerscheins führen kann.

Da der Fahrer seinen Verstoß nicht zugeben will, legen die Beamten eine Meldung für das Ordnungsamt an, das den Kontakt zum jungen Mann aufnehmen wird. Sollte er den Verstoß auch dann nicht einräumen, könne es zu einer gerichtlichen Verhandlung kommen, in der die Polizisten gegebenenfalls aussagen müssen.

Die Ergebnisse

Insgesamt werden an diesem Abend 21 Fahrzeuge und Fahrer von der Kontrollgruppe überprüft. In zehn Fällen leiteten die Beamten Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen ein. In einem dieser Fälle war ein Fahrzeug mit 72 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer unterwegs.

Alles in allem war der Abend für die Kontrollgruppe eher ruhig. „Das kann verschiedene Gründe haben“, sagt Pohl. Eine Rolle würden aber sicherlich die gestiegenen Benzinpreise spielen, mutmaßt der Polizist. Und auch wenn es an diesem Abend nur eine überschaubare Zahl von Zugriffen gab, sei die Aktion ein Erfolg. „Wir zeigen durch die Kontrollen Präsenz. Mit den teils sehr genauen Überprüfungen der Fahrzeuge zeigen wir, dass wir etwas von der Materie verstehen“, erklärt der 29-Jährige und versichert, dass es auch in den kommenden Wochen weitere Sonderkontrollen geben wird.

Das wichtigste bei solchen Aktionen sei aber die Kommunikation mit den Fahrern. „Der Erziehungsgedanke steht immer im Vordergrund. Der Fahrer des BMW macht sich nach dieser Kontrolle hoffentlich Gedanken und ändert im besten Fall sein Verhalten. Vor allem, weil es das zweite Mal in kurzer Zeit war, dass wir ihn überprüft haben.“ Mehr zum Thema:

Wolfgang Alexander Meyer
Wolfgang Alexander Meyer Redaktion Oldenburg
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