Oldenburg - „Ab jetzt läuft’s glatt am Pophankenweg“, titelte unsere Redaktion Ende Juni. Grundsätzlich war das auch völlig korrekt: Nach vielen Jahren der Planung und mehr als zwei Jahren Bauzeit war der neue Rad- und Fußweg am Pophankenweg endlich offiziell freigegeben worden. Seitdem wird der neue Abschnitt abseits des Autoverkehrs fleißig genutzt. Doch eine bestimmte Stelle wundert nicht nur Radfahrer.
Detlef Kruse ist mit dem Rollstuhl, manchmal auch mit dem Hand-Bike unterwegs. Der 57-Jährige aus Ofen freut sich ganz besonders über ebenen Untergrund, zumal er nun den „furchtbaren Radweg an der Ammerländer Heerstraße“ umfahren kann. Denn Ruckelpisten und auch Unebenheiten machen das Vorankommen unnötig anstrengend und gehen langfristig auf den Rücken. Der wunderbar glatte Asphalt steht für ihn allerdings im krassen Gegensatz zu der Art und Weise, wie mittendrin die Übergänge zur Einmündung der Straße Bäkeplacken gestaltet sind.
Kein Weiterkommen
Denn statt eines flachen Übergangs wurde hier eine sehr steil ansteigende Kante eingebaut. Für Kruse macht das den Wechsel zwischen Radweg und Straße zum Problem. Denn ohne Hilfe schafft er es nicht, von der Fahrbahn wieder auf den Rad- und Fußweg zu gelangen. Dadurch, dass die Kante nicht im rechten Winkel zur eigentlichen Fahrtrichtung verläuft, muss er zudem aufpassen, dass er sie nicht schräg erwischt. Es besteht die Gefahr, dass er umkippt.
Ebenfalls enttäuscht von dieser Bauweise ist Radfahrer Hans Kolle. „Ich wurde wieder Mal tüchtig durchgerüttelt, wie man es von Oldenburgs Fahrradwegen gewohnt ist.“ Aus seiner Sicht sei beim Bau des Radweges nicht zu Ende gedacht worden. Der Zustand sei für Radfahrer eine Zumutung und könne so nicht bleiben. „Man stelle sich vor, jemand fährt mit dem Fahrradanhänger für Kinder darüber. Entweder er oder sie reduziert das Tempo drastisch oder das Kind wird tüchtig durchgeschüttelt.“ Wer die Ecke beobachtet, sieht andauernd Radfahrer, die die Stelle inzwischen schon kennen und daher deutlich abbremsen.
Als weiteres Problem am Pophankenweg beschreibt Detlef Kruse das seitliche Gefälle des Radwegs. Da er das auf seinen zwei parallel laufenden Rädern nicht ausgleichen kann, hat er beim Fahren ständig das Gefühl, kurz vorm Umkippen zu sein. Diese Situation findet der 57-Jährige sehr häufig vor. Die Fußgängerzone etwa meidet er deswegen, weil es selbst für eine schiebende Person sehr anstrengend ist, den Rollstuhl bei seitlichen Gefälle in der Spur zu halten.
Die Stadt sagt, dass für eine gesicherte Oberflächenentwässerung ein seitliches Gefälle erforderlich sei, zumal das Längsgefälle im Pophankenweg sehr gering sei. Daneben sei der Höhenunterschied zwischen dem künftigen Technologiepark-Gelände und dem Pophankenweg vorgegeben. Dieser Zwangspunkt sei in die Höhenplanung für die Asphaltdecke mit eingeflossen. Das Regelgefälle der Nebenanlagen liegt hier bei drei Prozent.
Eine Norm für barrierefreies Bauen (DIN 18040) sieht vor, dass das Quergefälle maximal zwei Prozent betragen sollte.
Tastkante nötig
Die Stadt verweist auf Anfrage darauf, dass der Fuß- und Radweg vom Bund gefördert worden sei, was unter anderem die Abstimmung mit dem Behindertenbeirat vorausgesetzt habe. Und dieser hat nicht nur die Rollstuhlfahrer im Blick. „Wir müssen bei solchen Maßnahmen eben nicht nur die Radfahrer im Fokus haben, sondern Menschen mit Sehbehinderungen und Fußgänger gleichermaßen. Und Sehbehinderte benötigen eine Tastkante, um Orientierung mit dem Stock zu ermöglichen“, so Stadtsprecher Stephan Onnen.
Allerdings hat die Stadt die Kritik an der Gestaltung offenbar wahrgenommen. „Wir haben uns nun nach Rücksprache mit dem Behindertenbeirat dazu entschlossen, eine Anpassung vorzunehmen. Der Bereich wird nachträglich abgesenkt“, so Onnen. Man hoffe nun, mit der geplanten Maßnahmen trotzdem allen Nutzern gerecht zu werden.
Für Kruse ist das eine gute Nachricht. Bleiben nun nur noch „unzählige andere Stellen im Stadtgebiet“, an denen es ähnliche Probleme für Menschen im Rollstuhl gebe.
