Für seinen neun Minuten langen Film „Louis I., König der Schafe“ hat Markus Wulf ein Jahr Produktionsarbeit investiert. Und das hat sich gelohnt – der Film des aus Oldenburg stammenden Regisseurs feiert in dieser Woche seine Weltpremiere auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin (Berlinale). Worum genau es in dem Animationsfilm geht, wie er in einer New Yorker Wohngemeinschaft entstanden ist und ob er irgendwann auch in Oldenburg gezeigt wird, hat Markus Wulf im Gespräch mit unserer Redaktion verraten.

Ein Film über ein Schaf, das eine Krone findet und sich selbst zum König erklärt – das hört sich nach einem familienfreundlichen Kinderfilm an.

Markus WulfAuch wenn man es auf den ersten Blick annehmen könnte, wenn man die Aufnahmen sieht, „Louis I., König der Schafe“ ist kein klassischer Kinderfilm.

Sondern?

WulfEs handelt sich um eine düstere Satire, in der die Themen Macht und Struktur eine große Rolle spielen. Kinder werden sicherlich Spaß daran haben, den Film zu sehen. Für Erwachsene wird das Erlebnis schlimmer sein, denn sie werden die Anspielungen auf reale Ereignisse verstehen, wenn es zuerst um Recht und Ordnung geht und dann um noch mehr Ordnung und weniger Recht.

Zur Person

Markus Wulf (36) ist in Oldenburg aufgewachsen und hat im Jahr 2005 an der Freien Waldorfschule sein Abitur gemacht.

Im Anschluss absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr mit kulturellem Schwerpunkt am Theater Laboratorium, an dem er in den Folgejahren unter anderem als Regisseur beschäftigt blieb.

Im Jahr 2010 hat er an der Internationalen Filmhochschule Köln ein Regie-Studium begonnen, das er mit einem Bachelor-Abschluss beendete.

In New York studierte Wulf ab 2015 an der Columbia University, die er 2020 mit einem Master-Abschluss beendete. Derzeit wohnt er in Köln.

Der Film läuft in dieser Woche auf der Berlinale. Dabei war einige Zeit nicht klar, ob er überhaupt noch produziert wird. Warum war das so?

WulfUrsprünglich sollte der Film meine Abschlussarbeit im Studium an der New Yorker Columbia Universität werden. Durch die Corona-Pandemie konnte die Produktion aber nicht wie geplant laufen und wurde auf Eis gelegt. Ich habe meinen Abschluss dann ohne den Film gemacht, wollte das Projekt aber auch nicht einfach so beenden und habe den Film später als freies Projekt gedreht.

In New York?

WulfJa, in meinem Zimmer in meiner Wohngemeinschaft. Ich habe die verschiedenen Sets komplett im Miniatur-Format gebaut und nacheinander verwendet, um die Bilder zu machen, aus denen dann die Szenen zusammengesetzt worden sind.

Warum haben Sie mit einzelnen Bildern gearbeitet?

WulfDer Film ist ein sogenannter Stop-Motion-Film mit Figuren. Das Prinzip funktioniert so, dass man die Figuren aufbaut, ein Bild macht, die Figuren minimal bewegt, ein weiteres Bild macht und so weiter. Für eine Sekunde Film braucht man zwölf Bilder, damit im fertigen Film eine Bewegung der Figuren entsteht.

Apropos Figuren – woher bekommt man so tolle Schafe?

WulfDie kommen aus Oldenburg und wurden von Beatrice Bader vom Theater Laboratorium und Arne Wachtmann, der am Institut für Musik an der Uni Oldenburg arbeitet, angefertigt. Die Figuren sind wirklich etwas Besonderes, weil sie so hergestellt werden mussten, dass sie in jeder Position stehen bleiben können. Nur so kann man die Einzelbilder machen, aus denen sich am Ende die Bewegung ergibt.

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Das hört sich insgesamt nach sehr viel Arbeit an.

WulfDas war es auch. Die reine Dreharbeit hat einen Monat gedauert, die Produktion sogar ein Jahr, um am Ende auf eine Laufzeit von neun Minuten zu kommen.

Da gab es sicherlich viel Potential für Resignation.

WulfDas ist richtig. Ich bezeichne deshalb meine Fähigkeit, ganz stoisch zu arbeiten, auch als meine Superkraft. Man muss schon einen langen Atem und viel Geduld haben, um so arbeiten zu können. Deshalb bin ich sehr dankbar für die Mitarbeit von Emily Ann Hoffmann und Victoria Arslani, die die Figuren animiert haben.

Letztendlich hat sich die Arbeit aber gelohnt, oder?

WulfAuf jeden Fall. Der Film wird an diesem Dienstag erstmals auf der Berlinale gezeigt. Das ist jetzt schon eine große Auszeichnung.

Wird man den Film irgendwann auch in Oldenburg sehen können?

WulfIch hoffe, dass der Film in den kommenden Monaten noch auf weiteren Festivals läuft und irgendwann auch in Oldenburg zu sehen ist. Vielleicht in Kombination mit anderen Kurzfilmen oder als Vorfilm.

Haben Sie aktuell schon ein neues Projekt, an dem Sie arbeiten?

WulfIm Moment bin ich hauptsächlich mit der Präsentation meines Filmes beschäftigt, arbeite aber auch an anderen Projekten. Zum Beispiel eine Satire-Serie, die ich zusammen mit Esther Vorwerk geschrieben habe, die ich von meiner Arbeit am Theater Laboratorium kenne, wo wir bereits zusammengearbeitet haben. Momentan versuchen wir, die Serie, die sich um die alltäglichen Heldentaten einer Zahnarzthelferin dreht, zu vermitteln.

Und was ist Ihr großes Ziel?

WulfDas ganz große Ziel ist natürlich, vom Filmemachen leben zu können. Aber jetzt konzentriere ich mich erstmal auf die Premiere auf der Berlinale.

Wolfgang Alexander Meyer
Wolfgang Alexander Meyer Redaktion Oldenburg