• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Pro Familia Zum Paragraf 219a: „Die Entscheidung ist meistens schon vorher gefallen“

30.01.2019
Frage: Der Paragraf 219a soll gelockert werden. Was halten Sie von diesem Kompromiss, ist das Problem gelöst?

Boltes: Damit sind wir von Pro Familia unzufrieden. Weil den Frauen die Möglichkeit genommen wird, sich im Vorfeld vor einer Pflichtberatung – weshalb sie ja zu uns kommen – eigenständig zu informieren. Sie wissen nur, welcher Arzt Schwangerschaftsabbrüche anbietet, aber nicht mit welcher Methode oder bis zu welcher Woche die Eingriffe vorgenommen werden. Da werden sie weiterhin im Graubereich gelassen. Sie sind laut Entwurf von einer staatlich beauftragten Stelle weiterhin abhängig, um an die restlichen Informationen zu kommen. Vorher kommen sie nicht weit, und das ist hinderlich. Keine Frau wird sich wegen einer eventuellen Werbung für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Es ist eine Bevormundung, als könnten Frauen nicht ihre Rechte voll ausschöpfen.

Frage: Die Ärztin Kristina Hänel spricht dabei von „staatlicher Zensur“.

Boltes: Ich weiß nicht, ob ich den strengen Begriff benutzen würde, aber es ist ein definitiv ein Vorenthalten von Informationen, ein Eingriff in die Entscheidungsfreiheit. Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung wird nicht konsequent durchgesetzt mit diesem Kompromissvorschlag für die Änderung von 219a. Die Frauen sind bisher darauf angewiesen, dass wir in den Beratungsstellen in Absprache mit den Ärzten die Informationen bereitstellen. Zukünftig sollen die Informationen von staatlich beauftragten Stellen zur Verfügung gestellt werden.

Frage: Der Paragraf wird zwar ergänzt, bleibt aber im Strafgesetzbuch bestehen. Wie bewerten Sie das?

Boltes: Wir vertreten ganz klar die Position, dass der Paragraf aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden sollte, weil es damit ja ein Straftatbestand bleibt und damit eine Kriminalisierung. Die Bereitschaft von Ärzten wird so sicher nicht steigen, die medizinische Leistung anzubieten – abgesehen von den Einschränkungen, in denen es nicht bestraft wird. Die Frage ist ja auch, wie Abbrüche in der Ausbildung von Ärzten verankert sind – nämlich kaum. Auch hier muss umgedacht werden, wenn man gewährleisten möchte, dass genügend Ärzte überhaupt die Eingriffe vornehmen können.

Frage: Wie laufen die Beratungsgespräche bei Ihnen ab?

Boltes: Das ist eine gesetzlich verankerte Pflichtberatung. Die Frauen müssen zu uns kommen, wenn sie überlegen, einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen zu lassen. Es ist immer eine ergebnisoffene Beratung. Es geht darum, alle Seiten abzudecken und dann eine Entscheidungsmöglichkeit zu geben. Auch wenn sie einen Beratungsschein von uns ausgestellt bekommen, heißt das ja nicht, dass sie den Schwangerschaftsabbruch durchführen müssen. Wir stellen immer wieder fest, dass die Entscheidung meistens schon vorher gefallen ist. Auf Grundlage dieser Erfahrungen müssen sich Frauen im Vorfeld umfassend informieren können.

NWZonline.de/gesundheit
Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

Christian Ahlers Redakteur / Online-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2159
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.