Oldenburg - Die neue Fahrradspur („Protected Bike Lane“) ist keine 300 Meter lang, aber sie sorgt seit ihrer Einrichtung vor knapp zwei Wochen für Gesprächsstoff. Hunderte Kommentare dazu sammeln sich unter Beiträgen in sozialen Netzwerken. Viele loben die Verbesserung für den Radverkehr, deutlich mehr äußern sich allerdings negativ, vor allem aufgrund der 25 weggefallenen Parkplätze.
Dass es sich bei dieser Fahrradspur auf der Fahrbahn, die von der Kfz-Spur baulich abgegrenzt ist, um eine Neuerung in der Stadt handelt, mit der viele noch nichts anzufangen wissen, ist aktuell noch täglich zu beobachten. Zu sehen gab es zum Beispiel Autos, die hinter den neuen Klebeborten offenbar einen geschützten Parkplatz vermuteten und sich auf die Fahrradspur stellten. „Der Zentrale Außendienst der Stadt Oldenburg wird diesen Bereich verstärkt kontrollieren und entsprechende Verwarngelder festsetzen“, kündigt die Stadt auf Anfrage unserer Redaktion an.
Neben der Spur
Auffällig ist weiterhin, dass viele Radfahrer stadtauswärts weiterhin den ursprünglichen schmalen Radweg nutzen und nicht auf die Fahrradspur wechseln. Wer die Berichterstattung dazu nicht verfolgt hat, erkennt mitunter gar nicht, dass er hier nun auf der asphaltierten ehemaligen Parkspur fahren soll. Der bisherige Radweg soll dem Gehweg zugeschlagen werden, was bei der unterschiedlichen Pflasterung allerdings optisch nicht zu erkennen ist. Zudem steht weiterhin die bisherige Beschilderung für Geh- und Radweg. Farblich markiert, etwa in Rot wie oft üblich, ist die neue Fahrradspur auch nicht. „Es ist geplant, dort noch entsprechende Fahrradpiktogramme aufzubringen. Aufgrund der Arbeitsauslastung der beauftragten Firma konnte dies noch nicht umgesetzt werden“, heißt es dazu von der Stadtverwaltung.
So ist es eigentlich gedacht: Eine Radfahrerin auf der „Protected Bike Lane“. Bild: Patrick Buck
Eine weitere Veränderung: Tempo-30-Schilder bremsen den Verkehr auf der schmaler gewordenen Kfz-Fahrbahn aus. Dies gilt laut Stadt allerdings nicht dauerhaft. „In dem Bereich wurde aufgrund der Baumaßnahme vorübergehend Tempo 30 angeordnet. Es fehlen jetzt noch Markierungen im Straßenbereich (Versetzung der Mittellinie). Sobald dies erfolgt ist, gilt wieder Tempo 50“, so die Stadt.
Rückstau
Ein neues Problem – verursacht durch die „Protected Bike Lane“ – ist Martin Schlifski, Inhaber des Dekostop-Tauchertreffs an der Nadorster Straße, aufgefallen: Lieferdienste, die in diesem Straßenabschnitt Pakete bringen, halten nun mitten auf der Fahrbahn. Weil das Überholen mit Gegenverkehr schwierig ist, kommt es laut Schlifski selbst in verkehrsarmen Zeiten zu langen Rückstaus.
Sorgt für Rückstau: Ein Lieferfahrzeug hält auf der rechten Fahrspur der Nadorster Straße. Bild: Martin Schlifski
Die CDU-Fraktion im Rat hat den Ball direkt aufgenommen und die Fahrradspur für den nächsten Verkehrsausschuss am 11. September auf die Tagesordnung setzen lassen. Unter anderem will sie wissen, ob es Zahlen zur Entwicklung der Kundenfrequenz in den Geschäften gibt und wie die Verkehrsteilnehmer über die neue Situation informiert werden. Aus Sicht der Fraktion stärkt die „Proteced Bike Lane“ nicht das Sicherheitsgefühl, „da die Radfahrer von Bussen, Lastwagen und Autos hautnah und nur durch einen schmalen Streifen mit Klebebord getrennt passiert werden“.
