Oldenburg - Rolle rückwärts, zwei Schritte zurück und dann nochmal alles von vorne am Quellenweg: Während die Grünen Anfang 2020 die Straße zur Fahrradstraße machen wollten, einigte sich die damalige Haushaltsmehrheit aus SPD und CDU auf einen sogenannten fahrradgerechten Ausbau, für den es allerdings gar keine Blaupause gibt. Nachdem dazu für viel Geld Ideen gesammelt worden waren (Planung durch ein externes Büro und Beteiligungsverfahren kosteten 25 000 Euro), hat das grün-rote Mehrheitsbündnis im Rat wieder den Ursprungsplan auf den Weg gebracht. Beschlossen wurde (auch mit der Stimme von Jens Lükermann, Volt) die Einrichtung einer Fahrradstraße.
Der Beschluss sieht vor, zunächst den Straßenbelag auszubessern und dann die Fahrradstraße einzurichten, alles in diesem Jahr. Im Forderungskatalog von Grünen und SPD stehen Piktogramme auf der Straße, eine Beschränkung des Verkehrs mit „Anlieger frei“ und durchgehend blau markierte Gehwegstreifen, abgegrenzt durch Pfosten. Das Parken auf dem Quellenweg soll durch ein Halteverbot deutlich eingeschränkt werden. Für Besucher, Pflegedienste, Handwerker und andere sollen an geeigneten Stellen Parkplätze ausgewiesen werden, wobei die Fahrgassenbreite stets vier Meter betragen soll.
Einbahnstraße
Mit Blick auf die geringe Fahrbahnbreite zwischen Hartenscher Damm und Kleestraße sieht der Beschluss vor, in diesem Bereich eine Einbahnstraße einzurichten mit der freigegebenen Fahrtrichtung stadteinwärts (außer für Radfahrer).
An den Kreuzungen mit der Kleestraße und dem Haarenfeld soll der Quellenweg nach dem Willen von Grünen und SPD Vorfahrt bekommen. Am Uhlhornsweg soll es bei der Ampelregelung bleiben, wobei eine mögliche Vorfahrtsänderung zumindest geprüft werden soll. An der Bloherfelder Straße stellt sich das Ratsbündnis eine Ampel oder eine Querungshilfe vor. „Prioritär ist zu prüfen, ob die Anbindung des Quellenweges an die bestehende Fahrradstraße am Haarenufer über die Straße Unter den Linden erfolgen kann“, heißt es in dem Antrag.
An der Kreuzung: Bislang haben die Verkehrsteilnehmer auf der Straße Haarenfeld Vorfahrt. Das könnte sich ändern. Bild: Martin Remmers
Wie schon bei der beschlossenen Fahrradstraße zwischen der Innenstadt und dem Stadtnorden ließ die Verwaltung auch bei dieser Diskussion erkennen, dass sie das von der Politik vorgegebene Tempo sehr kritisch sieht. Sie hätte lieber die Fertigstellung des derzeit erarbeiteten Gesamtkonzepts für Fahrradstraßen abgewartet. Zudem fehle die Beteiligung der Anwohner.
Dafür oder dagegen?
Was die zu dem Vorhaben meinen, darüber herrschen in den Parteien ganz unterschiedliche Ansichten. „Die Anwohner wünschen sich Vorfahrt für den Quellenweg und weniger Parkplätze auf der Straße“, teilte Maik Niederstein (Grüne) im Rat mit. Dafür eigne sich das klar definierte Instrument der Fahrradstraße. Hendrik Klein-Hennig (CDU) hatte da anderes gehört. Er verwies auf eine Umfrage seiner Partei: „Die Anwohner wollen eine gleichberechtigte Nutzung. Ein fahrradgerechter Ausbau würde Verbesserungen bringen, ohne Anwohnern die Stellplätze zu nehmen.“ Ein Gegner der Fahrradstraße ist auch Ratsherr Andreas Sander (Piraten). Er verwies unter anderem auf das Problem der Schüler der BBS Haarentor, denen man die Parkmöglichkeiten nehmen würde.
