Oldenburg - Für Besucherinnen und Besucher des katholischen Friedhofs an der Ammerländer Heerstraße ist dieser Anblick nichts Neues. Schon seit mehr als einem Jahr sind diese drei Rehe auf dem Friedhof dauerhaft ansässig – zum Ärgernis der Friedhofsbesucher. Die Tiere fressen die frisch gepflanzten Blumen und Pflanzen auf den Gräbern. Auch vor Blumenkränzen und Gestecken nach einer Beerdigung machen die Rehe keinen Halt, bestätigt auch Kim Vredenberg-Fastje, Sprecherin der Stadt Oldenburg. Dieser Fall sei für das Stadtgebiet Oldenburg bisher einmalig. Allerdings komme es immer wieder einmal vor, dass ein Reh sich auf einem Friedhof kurzzeitig aufhält – dann aber nur für ein paar Tage oder wenige Monate.
„Da hatte ich richtig Angst“
Ein Angehöriger, der namentlich nicht genannt werden möchte, besuchte letztes Jahr das Grab seiner Eltern und berichtet: „Ich lief nachmittags gegen drei oder vier Uhr vom Grab zurück und dann kam ein Reh auf Kopfhöhe rechts neben mir vorbei. Da hatte ich richtig Angst! Ich bin richtig froh, dass es nicht auf mich losgesprungen ist.“ Seiner Meinung nach sollen die Tiere – trotz des Ärgers – nicht abgeschossen werden, aber umgesiedelt.
Das Schießen auf Friedhöfen ist nicht möglich, da es sich um einen so genannten befriedeten Bezirk handelt. Das sind Flächen, auf denen die Jagdausübung ruht und Jagdhandlungen nicht ohne weitere Erlaubnis vorgenommen werden dürfen.
Für einen Abschuss müsste eine gesonderte Genehmigung erteilt werden. Eine solche würde es nur in Abwägung der Gesamtumstände (Bebauung, nahegelegene Straßen, Geh- und Radwege) und anderer Lösungsmöglichkeiten geben.
Die Maßnahmen müssen stets im Einzelfall festgelegt und mit einer Prognose zur Wirksamkeit getroffen werden.
Suche nach Lösungen
Im Januar dieses Jahres informierte die Friedhofsverwaltung des katholischen Friedhofs Bloherfelde die zuständige Jagdbehörde über die gefräßigen Rehe. Daraufhin fand eine Ortsbesichtigung mit Mitarbeitenden des katholischen Friedhofs sowie dem Jagdpächter, der Jagdbehörde und dem Kreisjägermeister statt. Das Ziel: Eine tierschutzgerechte Lösung finden. Doch das scheint gar nicht so einfach zu sein.
Da ein Abschuss der Tiere auf Friedhöfen grundsätzlich nicht möglich ist, könnte ein Wildschutzzaun um den Friedhof gezogen werden, vorausgesetzt, man vergrämt die Tiere zuvor. Dadurch würde sich der Lebensraum der Tiere auf die Umgebung verlagern. Das Problem würde so jedoch gleichwohl verlagert, denn mit der Maßnahme ginge eine Gefährdung des Verkehrs auf der Autobahn und der Ammerländer Heerstraße einher. „Momentan werden noch weitere alternative Vergrämungsmaßnahmen geprüft mit dem Ziel, die Rehe dauerhaft vom Friedhof fernzuhalten“, so Vredenberg-Fastje.
