Oldenburg - „Also, ich fand es gut.“ Mit diesem knappen Statement endete die Theaterkritik zur Premiere von „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ einer achteinhalbjährigen Zuschauerin. Vorerst. Denn kaum war das Kleine Haus des Oldenburgischen Staatstheaters am Sonntag verlassen, legte sie nach: In aufgeregter Begeisterung schilderte das Mädchen die Verfolgungsszenen von Tür zu Tür, wiederholte witzige Passagen aus den Dialogen und feuerte Fragen über Fragen zum Stück ab. Am Ende des Tages stand fest: Mit dieser Premiere wurde ein weiteres Kind fürs Theater begeistert.
Drama ohne Angst
„Rico, Oskar und die Tieferschatten“ nach der Romanvorlage von Andreas Steinhöfel erreicht ein breites Publikum: Für die jüngsten und noch unerfahrenen Theaterbesucher sind Bühnenaufbau, Situationskomik, die Kriminalgeschichte als Handlungsrahmen und der Einsatz der Nebelmaschine ein Erlebnis.
Die Dramaturgie stimmt, wird es zu spannend, folgt ein markiger Spruch oder eine überraschende Wendung, sodass auch bei den jüngsten Zuschauern keine Angst aufkommt – schließlich dreht sich ein Handlungsstrang um entführte Kinder mitten in Oldenburg. „Sofia aus Ofenerdiek wurde entführt? Wirklich?“, fragt die achteinhalbjährige Zuschauerin. Da ist es ihr gleich viel wichtiger, dass der Übeltäter „Mister2000“ am Ende auch wirklich gefasst wird.
Je nach Reifegrad der Zuschauer erschließen sich auch die anderen Themen des Stücks. Die Freundschaft zwischen den Jungs zum Beispiel. Da ist der „tiefbegabte“ Rico, dem die Gedanken im Kopf wie die Kugeln in einer Bingo-Trommel umherwirbeln und der über sich sagt: „Ich bin nicht freiwillig dumm oder weil ich nicht lerne.“ Der aber mutig, mitfühlend und lebensfroh ist. Und da ist Oskar, der hochbegabte Junge, der so viel weiß und mit diesem Wissen nicht viel Praktisches anfangen kann. „Vorsichtig“ nennt er sich selbst, andere würden ihn als Schisser ärgern. Die Jungs könnten jedenfalls kaum unterschiedlicher sein, freunden sich trotzdem oder gerade deshalb an und bereichern sich gegenseitig.
Nebenschauplätze
Ein weiterer Nebenschauplatz ist Ricos Sehnsucht nach einem Vater. Das Verhältnis zu seiner alleinerziehenden Mutter ist innig. Und trotzdem ist Rico einsam, wenn Mama nachts arbeitet und er in der Wohnung alleine bleibt.
Mit „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ in der Bühnenfassung von Felicitas Loewe und unter der Regie von Peter Hailer bietet das Staatstheater ein vielschichtiges Stück, das sein Premierenpublikum – mit achtjährigen Kindern über neugierige Jugendliche, Mütter und Väter bis hin zu Omas und Opas – bestens unterhalten und begeistert hat.Es gibt noch Karten für den 6., 13. und 26. März.
