Oldenburg - Dass Betrüger auch im Internet ihr Unwesen treiben, ist bekannt. Dabei können beispielsweise persönliche Daten wie Kontoverbindungen herausgefunden werden. Auch wenn es um die Liebe geht, wird das Internet zum Werkzeug für Kriminelle. Dabei stehen nicht nur das Ersparte der Opfer, sondern auch ihre Gefühle auf dem Spiel.
Das Thema Polizei-Prävention steht im Mittelpunkt dieser NWZ-Serie, von der immer montags ein neuer Teil erscheint.
Dabei geben Mitarbeiter der Polizei Tipps, wie man sich angemessen vor Verbrechen schützen kann.
Das Präventionsteam der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland ist erreichbar unter
Im Rahmen der NWZ-Serie „Polizeiprävention“ hat unsere Redaktion mit Jens Rodiek gesprochen. Der Oberkommissar der Oldenburger Polizei hat lange im Bereich Cyberkriminalität gearbeitet und bereits im ersten Teil der Serie über Internet-Betrug gesprochen. Dieses Mal möchte er den Fokus auf die Masche „Romance Scamming“ legen.
Was ist „Romance Scamming“?
„Bei dieser Variante des Betruges (Engl.: Scam) sind in der Regel Nutzer von Single-Börsen und sonstigen sozialen Netzwerken das Opfer“, sagt Rodiek. Dabei erstellt der Täter ein falsches Profil in diesen Netzwerken. „Hierzu nutzt er kopierte Bilder und Daten von existenten Profilen oder sucht wahllos Bilder in Suchmaschinen“, erklärt er. Oft werde dann über mehrere Wochen und Monate ein enger Kontakt aufgebaut, um das Vertrauen des Opfers zu erlangen.
Wie die Polizei weiß, versuchen die Täter die Kommunikation schnell von der Plattform weg zu anderen Programmen wie dem Messenger WhatsApp zu verlagern, da die Fake Profile oft schnell gelöscht werden. Den Opfern werde dann die große Liebe vorgespielt. „Wenn der Täter das geschafft hat, folgt in der Regel eine Geldforderung“, so der Oberkommissar. Die Masche zielt darauf ab, Opfer zu finden, die auf der Suche nach Bekanntschaften sind. „Gerade in der aktuellen Situation ist diese Masche leider sehr erfolgreich“, sagt Rodiek.
Polizeioberkommissar Jens Rodiek
Wie er erklärt, versuche der Täter, intime Details oder Videos mit sexuellen Handlungen zu erlangen, um notfalls das Opfer damit erpressen zu können. „Wenn das Vertrauen aufgebaut ist, wird eine finanzielle Notlage vorgetäuscht. Oft zahlen die Opfer in dem Glauben zu helfen. Wenn sie aber nicht darauf eingehen, werden sie mit sensiblen Informationen erpresst“, sagt Rodiek.
Gibt es auch in Oldenburg solche Fälle?
Ja, sagt Rodiek. „Es gibt für beide Seiten Fälle“, meint der 36-Jährige und erklärt weiter: „In Oldenburg wurde letztes Jahr ein Verfahren bearbeitet, in dem das Profil eines Opfers kopiert wurde.“ Seine Fotos seien auf diversen Plattformen und in sozialen Netzwerken genutzt worden. Die Täter haben die Fotos des Oldenburgers kopiert und für ihre Zwecke genutzt.
Aufgefallen war das, weil der Oldenburger mehrfach von Scamming-Opfern weltweit angeschrieben und für jemand anderen gehalten wurde. Doch dem entgegenzuwirken, gestalte sich schwierig, wie Rodiek sagt: „Nachdem ein Profil gelöscht wurde, werden etliche neue mit den gleichen Fotos erstellt.“
Auch hat die Polizei Oldenburg Fälle bearbeitet, in denen Opfer einen großen Betrag zahlten, um dem Täter beziehungsweise dem vermeintlichen Liebhaber zu helfen. Dabei sei die Masche in den Oldenburger Fällen immer so abgelaufen wie von Rodiek beschrieben. So berichtet er von einem Fall aus Oldenburg, bei dem eine alleinstehende Frau Opfer von „Romance Scamming“ wurde. Sie verliebte sich in einen Mann, den es nicht gibt. Das Profil war mit falschen Fotos bestückt. „Der Betrüger hat ihr irgendwann erzählt, er sei im Ausland und sitze am Flughafen fest, weil er nicht auf sein Konto zugreifen könne. Sie schickte ihm Geld, um zu helfen, und hörte danach nichts mehr von ihm“, sagt Rodiek.
Aus Sorge suchte sie die Polizei auf, die der Frau zu erklären versuchte, was passiert war. „Sie war davon überzeugt, dass es sich um eine echte Person handelt, und wollte von Betrug nichts hören“, erklärt der Oberkommissar. In einem solchen Fall, so Rodiek, können Freunde und Angehörige helfen zu erkennen, dass ein Betrug vorliegt. Er ist sich aber sicher, dass es eine große Dunkelziffer gibt: „Das ist vielen natürlich unangenehm. Nicht jeder bringt es zur Anzeige.“
Wie kann man sich davor schützen?
Es sei unheimlich wichtig, niemals persönliche Daten preiszugeben. Sowohl in Online-Konversationen als auch beim Erstellen von Profilen in den Sozialen Netzwerken. Fotos sollten nicht öffentlich für alle zugänglich gemacht werden. „Fake Profile sind schnell erstellt und ihre Echtheit kann schwer bis gar nicht überprüft werden“, sagt der Oberkommissar. Er rät dazu, verdächtige Profilbilder mithilfe einer Online-Suchmaschine zu überprüfen. So lässt sich herausfinden, wo die Fotos sonst noch verwendet werden.
Auf gar keinen Fall sollte auf Geldforderungen eingegangen werden, sagt Rodiek.
