Oldenburg - Es wirkt keineswegs angestrengt, wenn die Sängerin Wiebke Lehmkuhl große Häuser und Konzertsäle zwischen Paris und Mailand, Hamburg und Salzburg, Wien und Bayreuth mit ihrem voluminösen und farbenreichen Alt füllt. Doch ihre große Kunst zeigt sich gerade auch im Kleinen. Man höre also einmal die Oldenburgerin in einem Programm, das sie mit der ebenso renommierten Geigerin Veronika Skuplik und dem Ensemble Urgent Music aufgenommen hat.
Im Sendesaal
„Umbra – Ambra“ heißt die im Sendesaal von Radio Bremen aufgenommenen CD. Die stets neugierig forschende Violinistin hat Musik von der Renaissance bis zur Romantik zusammengestellt, vom 16. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Bekannte Komponisten sind dabei Dieterich Buxtehude oder Philipp Heinrich Erlebach, weniger bekannte Eustache du Carroy oder Johann Christoph Bach, noch weniger bekannte Johannes Steuerlein oder Gustav Weber.
Wie ein Ritornell zieht sich eine italienische Ballade durch die Zusammenstellung; sie war im 16. Jahrhundert mit dem Text „Une jeune filette“ in vielen Ländern bekannt. Weltliche Melodien wurden damals oft mit geistlichen Texten ausgestattet. Zur „filette“ passten gängige Texte wie „von Gott will ich nicht lassen“ oder „Was willst du mich betrüben.“ Zudem wurde auch instrumental dazu virtuos fantasiert und variiert.
17. Jahrhundert
Umbra – die schattige Seite der Auswahl besteht aus Werken aus dem 17. Jahrhundert mit „fuffzig Moralisch- und Politischen Arien.“ Ambra – der leuchtende Teil reicht bis zu tänzerischen und beschwingten Kompositionen und „Gassenhauern“ wie „Mit Lieb bin ich umfangen“ und „Nun will der Lenz uns grüßen.“
Die beiden weit über Oldenburg hinaus bekannten und geschätzte Künstlerinnen hatten zu Hause unkompliziert zusammengefunden. „Machst du mit?“ hatte die Geigerin die Sängerin kurz und bündig gefragt. Lehmkuhl machte. Es ist auf der CD zu hören, wie ihr das ernsthafte Freude bereitet. Sie versteht es meisterhaft, ihre dynamisch weitreichende Stimme schlicht und ungekünstelt jeder Facette der Gefühle zuzuordnen. Immer schält sie das Berührende und überhaupt das Wesentliche heraus.
Schöne Tongebung
Der Instrumentalpart wirkt stets agil und abwechslungsreich, kantabel bei schöner Tongebung. In der Kunst, klare Strukturen zu formen und Töne mit Leidenschaft oder Innigkeit aufzuladen, reichen wenige Spezialisten an Skuplik heran. Zudem kann sie sich immer solcher Instrumentalisten versichern, die sich ähnlich dringend, „urgent“ eben, ins Ensemble einfügen. Hier neben ihr: Maria Carrasco (Violine), Florian Schulte (Viola), Frauke Hess (Viol), Juliane Bruckmann (Violone), Jörg Jacobi (Orgel/Cembalo).
Die Anhängerschaft der beiden bodenständigen Größen in der Stadt ist groß. Sie haben gerade bei einer Präsentation der neuen Aufnahme die Garnisonkirche fast komplett gefüllt. Im Bachschen Weihnachtsoratorium am 16. und 17. Dezember in der Lambertikirche sind Skuplik/Lehmkuhl erneut zu hören.
Die CD ist erschienen bei www.frabernardo.com
