Bürgerfelde - Tempo 20 auf der Nadorster Straße; kaum Parkplätze; Busse, Laster, Autos und Radfahrer teilen sich die nur noch jeweils 3,25 Meter breite Fahrbahn – mit diesem visionären Konzept haben die Büros „SHP Ingenieure“ und „nsp landschaftsarchitekten stadtplaner“ aus Hannover in einer Gemeinschaftsarbeit den mit 25 000 Euro dotierten ersten Preis im von der Stadt ausgelobten Planungswettbewerb für das Sanierungsgebiet „Untere Nadorster Straße“ gewonnen.
„Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Freund von Tempo 30 und erst recht nicht von Tempo 20 auf Hauptverkehrsstraßen bin“, räumte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann ein, „doch wir wollen den negativen Trend in der Unteren Nadorster Straße umdrehen.“ Der rund 800 Meter lange Bereich soll städtebaulich aufgewertet, die Aufenthaltsqualität verbessert werden. Die Untere Nadorster Straße solle sich zwischen Lambertistraße und Pferdemarkt nach Vorbild der Hauptstraße in Eversten zum Stadtteilzentrum entwickeln, wo die Menschen im Café oder vor der Pizzeria auf dem Gehweg Platz nehmen können.
Bau- und Verkehrsdezernent Dr. Svens Uhrhan ist sich der Bedeutung der Haupteinfallstraße mit seinen täglich 14 000 Kraftfahrzeugen bewusst. Gleichwohl müsse der Bereich in seiner Funktion als Nahversorgungszentrum gestärkt werden. Tempo 20 und der gemeinsame Verkehrsraum für Radfahrer und Kraftfahrzeuge solle zudem nur auf einer knapp 300 Meter langen Strecke zwischen Lindenhofsgarten und Ehnernstraße gelten. Ansonsten fließt der Radverkehr auf einem eigenen Weg, der entlang der Mauer des Gertrudenkirchhofs 2,25 Meter breit sein wird. Hinzu kommt dort ein 50 Zentimeter breiter Streifen zur Friedhofsmauer und ein Meter Abstand zur Fahrbahn, macht zusammen 3,75 Meter – heute sind es 1,50 Meter. „Es sind aber auch noch offene Fragen zu klären und vor allem mit den Anwohnerinnen und Anwohnern sowie den Geschäftsleuten Gespräche zur weiteren Entwicklung des Entwurfs zu führen“, betonte der OB. Uhrhan sieht gute Chancen, um bauliche und gestalterische Mängel zu beseitigen und „eine Straße der kleinen Plätze“ zu entwickeln, um öffentliche Räume im Quartier zu schaffen.
Die Jury sah vor dem Hintergrund der Wettbewerbsfähigkeit den Wegfall der Auto-Stellplätze als kritisch. Es werden laut Entwurfsplanung zwar multifunktionale Flächen, die auch für Kurzzeitparken zur Verfügung stehen, angeboten. Dieses Angebot ist aber nach Auffassung der Jury noch auszubauen. Seit 2016 ist das Sanierungsgebiet „Untere Nadorster Straße“ Bestandteil des Städtebauförderungsprogramms des Landes Niedersachsen. Der Förderzeitraum reicht bis 2025.
