Schwimmenlernen ohne Schwimmkurs

Bei der Überschrift, aber auch nach dem Lesen des Artikels wusste ich nicht, ob ich fassungslos sein oder mich einfach nur wundern sollte. Ich bin Jahrgang 1968 und als Oldenburgerin habe ich noch im alten Hallenbad am Berliner Platz Schwimmen gelernt. Mein „Lehrer“ war mein Vater (Freizeitschwimmer), der mit uns (meiner Schwester und mir) sich jeden Samstagvormittag die Zeit genommen hat, ins Hallenbad zu fahren. Während meiner Grundschulzeit war außerdem in einem Halbjahr Schwimmen im Rahmen des Sportunterrichts angesetzt, so dass ich noch vor meinem zehnten Lebensjahr meinen Freischwimmer ohne jeden Kurs vorweg ablegen konnte. Es folgten die Abzeichen in Silber und Gold bis Anfang 1979. Noch heute schwimme ich wahnsinnig gerne, ohne dieses je im Verein „richtig gelernt“ zu haben.

Als 1997 meine Tochter zur Welt kam, war klar, dass auch ich ihr das Schwimmen (neben ihrem Opa) beibringen würde. Noch vor ihrer Einschulung hatte sie, mittlerweile im Olantis, ihren Freischwimmer erworben (ohne Lesekenntnisse zu haben, wurden ihr damals vom Schwimmmeister sogar die Baderegeln abverlangt). Die Notwendigkeit für den sog. Zwischenschritt Seepferdchen sehe ich bis heute nicht.

 Ich bin außerdem der Meinung, dass selbst alle erlangten Abzeichen kein Nachweis sind für sicheres Schwimmen, wenn man nicht „am Ball bleibt“. Und gerade in Zeiten, in denen Freibäder geschlossen sein müssen, ist dies umso wichtiger, weil dann nämlich vermehrt in Badeseen (oft unbekannten Gewässern) geschwommen wird.

Andrea Schmitz

Oldenburg