„In Oldenburg vermissen wir den Dialog“ , Interview mit Max Dudler zur Marktcarré-Planung, NWZ vom 24. November und weitere Berichte zum Thema

Karsten Röhr lässt den Stararchitekten Max Dudler zu Wort kommen, der enttäuscht verkündet: „Mein Ehrgeiz ist gekränkt.“ Auch Professor Lutz Beckmann, Dekan der Jade-Universität, ist konsterniert über die Ablehnung, die der geplante „weiße Riese“ in Oldenburg erfahren hat. Eine ganz kleine Gruppe von Architekturprofessoren zwingt ihr ästhetisches Empfinden seit zwei Generationen der sich grausenden Mehrheit auf. Bei einer kürzlich durchgeführten Umfrage gaben 83 Prozent der Befragten an, „moderne“ Gebäude als bedrückend und abschreckend zu erleben.

In Oldenburg braucht man nur vom NWZ-Haus zum einstürzenden Finanzamt oder Betonbunker der Bundesbank zu flanieren, um sich der katastrophalen Auswirkungen einer „Moderne“ bewusst zu werden, die die vitruvianischen Prinzipien (nach den vom antiken Architekten Vitruv formulierten Proportionen, Anm. d. Red.) mit Füßen tritt und die Unwirtlichkeit unserer Städte mit generiert.

Dudler zieht treffend den Vergleich zur modernen Kunst, die tatsächlich von der Bevölkerungsmehrheit links liegen gelassen wird. Noch stärker gilt das für moderne Musik, die ebenso an der physiologischen Ästhetik der Mehrheit vorbei komponiert wird. Dudler: „Wir machen eine Architektur... die heute modern ist, aber auch in 100 Jahren noch funktioniert.“

So ähnlich hatten das auch die preisgekrönten Gewinner des Architekturwettbewerbs zur Errichtung des Oldenburger Finanzamtes versprochen. Doch nach 40 Jahren wünschen sich alle nur noch die Abrissbirne für das seelenlose Gebilde des renommierten Büros Von Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg.

Hubert Paluch Oldenburg