Oldenburg - Wer ist von sexualisierter Gewalt betroffen und wer findet den Mut, sich Hilfe zu suchen? Wildwasser, die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen hat ihren Tätigkeitsbericht für 2019 veröffentlicht und gibt Einblicke in ihre Arbeitsschwerpunkte und die wichtigsten Zahlen. „Normalerweise veröffentlichen wir den Bericht im Mai. Durch die Corona-Pandemie lag unser Augenmerk aber erstmal auf anderen Dingen“, erklärt Frauke Janßen, die für Wildwasser die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt.
Wildwasser Oldenburg ist eine Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen. Werden durch sexuelle Handlungen persönliche Grenzen überschritten, wird von sexualisierter Gewalt gesprochen.
Die Beratungsstelle beschäftigt sieben Mitarbeiterinnen – alle in Teilzeit.
Ihre Arbeit wird zu 72 Prozent durch öffentliche Zuschüsse finanziert: 142 300 Euro Stadt Oldenburg, 72 000 Euro Land Niedersachsen, 23 200 Euro Landkreis Oldenburg, 7000 Euro Landkreis Ammerland.
Telefonisch erreichbar ist Wildwasser Montag (9-11Uhr), Mittwoch und Donnerstag (14 bis 16 Uhr) unter
Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen.
436 Menschen haben das Angebot in Anspruch genommen
436 Menschen haben im vergangenen Jahr das Beratungsangebot in Oldenburg in Anspruch genommen. Die Zahl setzt sich zusammen aus telefonischen, persönlichen und Onlineberatungen und ist im Vergleich zum Vorjahr (430) leicht gestiegen. 270 davon waren direkt von sexualisierter Gewalt Betroffene (Vorjahr 268). Der Rest setzt sich aus Fachkräften (93), Müttern (44), Vätern (2), Bekannten (10) und weiteren Personengruppen zusammen, die sich stellvertretend gemeldet haben, wie sich dem Bericht der Fachstelle entnehmen lässt.
1858 Beratungskontakte gab es 2019. Weil es meist nicht beim einmaligen Kontakt mit Wildwasser bleibt, ergeben sich aus den 436 Beratungsfällen mehr Einzelgespräche. Die meisten waren telefonisch (848) oder persönlich (766). Das Verbreitungsgebiet der Fachberatungsstelle reicht weit über die Stadt Oldenburg hinaus.
959 Kontakte werden der Stadt Oldenburg zugeordnet. 571 Kontakte kamen aus dem Landkreis Oldenburg – sie machen den zweitgrößten Anteil der Beratungsleistung von Wildwasser aus. 124 Kontakte kamen aus dem Landkreis Ammerland, 17 aus dem Landkreis Wesermarsch und acht aus dem Landkreis Cloppenburg. 179 Kontakte konnten nicht eindeutig zugeordnet werden.
50 Prozent kommen aus der Stadt Oldenburg
50 Prozent der 436 Ratsuchenden im Jahr 2019 kamen aus dem Stadtgebiet Oldenburg, gefolgt von 19 Prozent aus dem Landkreis Oldenburg. Mit elf Prozent nimmt der Landkreis Ammerland den drittgrößten Einzugsbereich von Hilfesuchenden ein. „Das zeigt, dass Ratsuchende möglichst Hilfe in der Nähe ihres Wohnortes suchen“, heißt es im Tätigkeitsbericht von Wildwasser.
Bei den 436 Beratungsfällen ging es um verschiedene Inhalte: 41 Prozent der Beratungsfälle beschäftigten sich damit, die Situation der Ratsuchenden zu stabilisieren. In 24 Prozent der Fälle war der Beratungsanlass die Krisenintervention. Auch die Beratung bei der Beantragung von Anträgen für Unterstützung von Betroffenen beim EHS/Fonds Sexueller Missbrauch nahm mit 14 Prozent ein wichtiges Angebot ein.
Hauptklientel: Jugendliche und junge Erwachsene
Die Auswertung der Beratungsstelle zeigt auch die Altersstruktur: 57 Prozent der 270 betroffenen Personen, die sich an Wildwasser gewandt haben, waren im Alter bis 30 Jahre (18 Prozent bis 17 Jahre, 17 Prozent bis 21 Jahre, 22 Prozent bis 30 Jahre). Sowohl in der telefonischen und persönlichen als auch der Onlineberatung liegt das Alter der Hauptklientel im Bereich der Jugendlichen bis jungen Erwachsenen. „Auch in allen weiteren Altersklassen sind Fälle von sexualisierter Gewalt zu verzeichnen“, heißt es.
