Oldenburg - Erst im Mai 2023 übernommen, jetzt die Verkündung des kommenden Endes: Das Tochterunternehmen der Sika Deutschland GmbH, die MBCC Investments GmbH, plant im zweiten Halbjahr 2024 den Produktionsstandort in Oldenburg zu schließen. Das bestätigte die Deutschlandzentrale in Stuttgart am Freitag auf Anfrage.
Von der Entscheidung, die dem Standort jetzt bekannt gegeben worden sei, seien „alle der 146 Arbeitsplätze betroffen“, sagte Sika-Sprecherin Bianca Schwenk. Sika Deutschland sei „aber bestrebt, diese Maßnahme so sozialverträglich wie möglich umzusetzen“ und habe „Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Interessenausgleich und Sozialplan aufnehmen lassen“.
„Müssen Produktion bündeln“
Der Produktionsstandort der MBCC Investments GmbH Oldenburg ist seit der im Mai abgeschlossenen Übernahme der Bauchemiefirma MBCC Group (Mannheim) Teil von Sika Deutschland. Die in Oldenburg hergestellte Dachmarke „Master Builders Solutions“ (MBS) dürfe aus Wettbewerbsgründen (wegen der Größe des Gesamtkaufs) aber nur 18 Monate weiterverwendet werden, so das Unternehmen. Deshalb habe man „die wirtschaftliche Situation des Werks einschließlich verschiedener Handlungsoptionen genau geprüft“. Ergebnis dieser „eingehenden Analyse“ sei, dass „die Produktion in diesem Bereich gebündelt werden muss, um langfristig wettbewerbsfähig bleiben zu können“, so die Geschäftsführung in Stuttgart. Ihre Einschätzung: „Die ohnehin schlechte Auslastung des Werks in Oldenburg würde sich fortan halbieren – ohne eine Möglichkeit zur Rentabilität zurückzukehren“, heißt es bei Sika Deutschland, die zur Schweizer Sika Holding gehört. Das bisherige Produktionsvolumen aus Oldenburg könne „künftig in anderen Standorten der Sika-Gruppe abgebildet werden“.
Enttäuschung und Fragen
Der Oldenburger Betriebs- und Standortleiter Dr. Stefan Wünnemann und auch die Mitarbeiter wollten sich dazu nicht öffentlich äußern. Nach NWZ-Informationen gibt es einen entsprechenden Maulkorb. Eine solche Nachricht kurz vor Weihnachten für Mitarbeiter, die zum Teil mehr als 30 Jahre an dem Standort arbeiten und ihre Familien sorgt dem Vernehmen nach aber für ein Brodeln hinter den Kulissen. Und es wird die Frage gestellt, wie ernst es mit dem Standort Oldenburg, an dem vor MBCC/MBS Relius und BASF ihre Produktion hatten, bei der Übernahme genau gemeint war. Ein Mitarbeiter über seinen Eindruck: „Die Sika hat von Anfang an nichts in das Werk investiert und wohl auch von Anfang an vorgehabt, das Werk zu schließen. Wofür andere Firmen nach einer Übernahme Jahre brauchen, um alle Zahlen zu prüfen, hat die Sika nicht mal ein halbes Jahr gebraucht, was wohl auch deren Absicht hier zeigt.“ Noch im Mai sei den Mitarbeitern „von der Sika bestätigt worden, dass man sich bis 2028 keine Sorgen zu machen“ brauche. Was davon zu halten sei, sehe man jetzt.
Die Unternehmenszentrale bat am Freitag „um Verständnis“, dass „zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Informationen gegeben werden können“.
