Oldenburg - Chanukka ist ein fröhliches Ereignis, eine Feier des Lichtes, ein Familienfest. Es beginnt heute, am 10. Dezember, und dauert acht Tage. Eigentlich ist Chanukka ein Anlass, bei dem die Familie zusammenkommt und gemeinsam in der Gemeinde gefeiert wird. In diesem Jahr wird wegen der Corona-Pandemie vieles anders sein als sonst.
„Es wird keine gemeinsame Feier in der Synagoge geben“, sagt Alina Treiger, Rabbinerin der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg. „Es ist schade, dass man sich nicht sieht. Aber wir verlieren trotzdem nicht den Kontakt. Es gibt viele kreative Ideen.“
Digitale Alternativen
Die Gemeindemitglieder haben sich über Nachrichtendienste vernetzt, es werden Fotos von Dekorationen und Videos geteilt. Die Jugendlichen haben eine Wichtel-Aktion gestartet, die Kinder drehen Stop-Motion-Filme. Und die Gemeinde wird viel Post verschicken, mit Geschenken an Kinder und Senioren.
Zu Chanukka wird nicht nur schön dekoriert mit Girlanden und Chanukka-Leuchtern, es gibt auch traditionelle Spiele und in Öl zubereitete Speisen wie beispielsweise Latkes, eine Art kalte Kartoffelpuffer.
Gleichzeitig schränken die Corona-Maßnahmen die Familien in ihren Möglichkeiten ein. „Alle nehmen die Situation verständnisvoll an“, sagt Treiger. „Aber es ist eine Herausforderung.“ Besonders für die Menschen in Heimen oder im Krankenhaus, die keinen oder nur wenig Besuch bekommen dürfen, sei das eine schwierige Situation.
Historischer Anlass
Chanukka wird oft mit Weihnachten verglichen. Die vielen Lichter, die Geschenke, die Jahreszeit, das passt zusammen. Aber: „Inhaltlich haben die beiden Feste überhaupt keine Verbindung“, sagt Treiger. Chanukka erinnert an den Sieg der Makkabäer über die griechische Fremdherrschaft im Jahr 164 vor Christus und daran, dass der zweite jüdische Tempel in Jerusalem wieder eingeweiht wurde. „Dieser Sieg steht heute noch symbolisch dafür, für die eigenen Rechte zu kämpfen und das Schicksal nicht passiv anzunehmen“, sagt Treiger.
Neben dem historischen Ereignis spielen bei Chanukka auch ein biblischer Aspekt und ein Wunder eine Rolle. Letztere würden bei den heutigen Feierlichkeiten mehr im Vordergrund stehen, sagt Rabbinerin Treiger.
In der Tora gebe es ein Gebot, nach dem die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel, täglich angezündet werden muss. Die sieben Lichter symbolisieren die Vollkommenheit dieser Welt. „Chanukka erinnert an unsere Pflicht, Licht in die Welt zu bringen und dieses Licht zu vermehren – auch in uns selbst.“
Das Lichtwunder
Nach einer Erzählung aus dem Talmud reichte bei der Weihe des Tempels in Jerusalem das Öl nur für einen Tag, doch durch ein Wunder brannten die Kerzen acht Tage lang – so lange, wie für die Herstellung von neuem, geweihten Öl nötig war. Daher wird Chanukka acht Tage lang gefeiert und jeden Tag eine neue Kerze entzündet.
Auch wenn Weihnachten und Chanukka inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, findet Rabbinerin Alina Treiger: „Es ist schön, wenn wir den Nachbarn zu Weihnachten gratulieren und sie uns zu Chanukka und man sich gemeinsam füreinander freut.“
