Das Bild, das sich am 18. Februar an der Bushaltestelle an der Gartenstraße bot, hatte Symbolcharakter. Der VfB hatte sein Heimspiel mit 2:0 gegen Weiche Flensburg gewonnen. Vor 2397 Zuschauern, die am Marschweg „höchst unangenehme äußere Bedingungen ertrugen“, hielt der Kollege aus der Sportredaktion unserer Zeitung in seinem Bericht fest. An besagter Haltestelle standen nach Schlusspfiff etliche bedauernswerte Fans und warteten auf den Bus. Tropfnass, die mit Regenwasser vollgesogenen Schals hingen schlaff herunter. Der Dauerregen und die Kälte hatten ihnen die Laune verdorben.
Zugige Tribünen
Genau um sie geht es in der Diskussion um den Stadionneubau, die Fans. Die Freunde des Fußballsports, die sich für vergleichsweise wenig Geld auf der (am Marschweg nicht überdachten) Stehplatztribüne ein Spiel anschauen möchten. Es geht auch um die Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich vom Besuch eines Stadions mehr Komfort erwarten, als ihnen das Marschwegstadion mit seiner zugigen Sitzplatztribüne zu bieten hat. Es geht nicht in erster Linie darum, dem Wirtschaftsunternehmen VfB Oldenburg GmbH mit viel Geld eine neue Spielstätte zu bauen. Es geht darum, dem Fußball im professionellen Bereich in Oldenburg eine Zukunft zu ermöglichen. Im Nachwuchsbereich werden alle Vereine in der Stadt und im Umland davon profitieren, wenn in Oldenburg (warum nicht auch vom SSV Jeddeloh II) höherklassiger Fußball gespielt wird.
Investition in die Zukunft
Letztendlich ist die Errichtung einer modernen Spielstätte mit überdachten Tribünen eine Investition in die Zukunft der Stadt. Ein modernes Stadion passt an dieser Stelle gut ins Umfeld mit EWE Arena und Weser-Ems-Hallen. Für Abriss und Neubau der Weser-Ems-Hallen sowie die Sanierung der Freiflächen hat der Stadtrat vor wenigen Wochen 65 Millionen Euro durchgewunken.
Dafür, dass dort zehn Tage im Jahr der Kramermarkt gefeiert werden kann. Die großen Stars machen weiterhin einen Bogen um Oldenburg. Niemand spricht davon, dass an dieser Stelle Geld für ein paar Veranstaltungen, Messen und Ausstellungen verschleudert wird. Und das ist gut so. Denn auch dort wird in die Zukunft investiert, marode Hallen nutzen niemandem.
Stars meiden Oldenburg
Die große EWE Arena ist im Übrigen viel zu klein für Gastspiele der Branchengrößen aus der Showbranche. Nebenbei bemerkt: Auch die Baskets wünschen sich mehr Platz und eine größere Halle. Womit wir beim nächsten typisch Oldenburger Thema sind. Es fehlt grundsätzlich an Weitsicht, wenn etwas geplant wird. Die Basketballer haben aus der kleinen Halle am Haarenufer den Weg über den Haarenesch neben die Weser-Ems-Halle gefunden. Die mit hohem finanziellen Einsatz der Sponsoren errichtete EWE Arena erwies sich schnell als zu klein. Die Stadt entschied, eine neue weitaus größere zu bauen – ausdrücklich auch für andere Veranstaltungen als für Basketballspiele. Doch deren Kapazität reicht nun schon wieder nicht aus, die Spiele sind meist ausverkauft.
Beim Bau des Stadions sollte also von vornherein großzügig geplant werden. Spätere Erweiterungen kämen die Stadt teurer zu stehen als ein Neubau mit gleich 10 000 Plätzen. Was spricht dagegen, neben der Weser-Ems-Halle eine Parkgarage zu bauen, aus der auch die Besucherinnen und Besucher der EWE Arena und der Weser-Ems-Hallen trockenen Fußes zu den Veranstaltungen gelangen könnten? Auch als Parkplatz für die Autos der Pendler ist diese Parkgarage nicht weit entfernt vom Bahnhof geeignet.
Kampf ums Geld
Basketball, Handball, Fußball und neuerdings American Football: Die Stadt hat im sportlich höherklassigen Bereich immer mehr zu bieten. Hinter den Kulissen ist deshalb der Kampf um die Sponsorengelder, um die Finanzierung des Spitzensports entbrannt. Selbst der Handballverein vom Haarentor hat vor drei Jahren als wirtschaftlicher Träger der 1. Herren eine „TvdH Handball Marketing GmbH“ gegründet und setzt seitdem seine gute sportliche Entwicklung fort. Zur Finanzierung des Kaders benötigt man nämlich auch in der vierthöchsten Spielklasse Geld für die Spieler, wenn man Erfolg haben möchte und höhere Ziele anstrebt.
Die Fußball-Anhänger hoffen, von der Politik nicht im Regen stehengelassen zu werden. Die Gegner warnen vor den hohen Ausgaben und den Folgekosten. Die Entscheidung fällen die in den Rat gewählten Volksvertreter. Das Votum müssen dann alle akzeptieren – wie auch immer es ausfällt. Damit die mehr als 30 Jahre andauernde Diskussion endlich ein Ende findet.
