Oldenburg - Was an Studien, Kalkulationen und Untersuchungen um möglichen Stadion-Neubau erstellt worden ist, liegt öffentlich vor. Zum Teil sind es allerdings noch Zwischenstände. Die Politik muss diese nun sichten und bis zur wohl entscheidenden Ratssitzung am 15. April bewerten. Auch die Bürgerinitiative (BI) „Kein Stadionbau“ hat sich die Unterlagen angeschaut und nach einer ersten Prüfung ihre Kritik zusammengefasst.
Kosten
Die Stadt präsentiere bei der Berechnung Szenarien ohne greifbare Grundlage, heißt es in einer Mitteilung. Gemeint ist unter anderem, dass in der von der Stadt zur Verfügung gestellten Präsentation keine Angaben zum angenommenen Zuschauerschnitt oder zu Ticketpreisen zu finden sind, erläutert BI-Sprecher Klaas Brümann im Gespräch mit unserer Redaktion. Er geht von sehr hoch kalkulierten Zuschauerzahlen aus und bezweifelt, dass es auf Dauer so kommen wird, insbesondere in der Regionalliga. „Im ersten Jahr mag das stimmen, weil jeder mal im neuen Stadion gewesen sein will.“ Langfristig sieht er das anders. Die Einnahmen würden auf Maximum, die Ausgaben auf Minimum geplant, so der Vorwurf.
Bei den Baukosten glaubt die BI nicht, dass es bei den kalkulierten 47,1 Millionen bleiben werde. Das Gutachten nimmt eine Steigerung von 3,5 Prozent an. Die BI verweist auf eine faktische Baupreissteigerung von 43 Prozent in drei Jahren, bezieht sich allerdings auf den Zeitraum vom 2. Quartal 2020 bis zum 2. Quartal 2023 – also auf die Zeit von Corona und Ukraine-Krieg. Brümann verweist auf noch ausstehende Lohnrunden, zudem habe man Kontakt mit Totalunternehmern aufgenommen. Kostensteigerungen im zweistelligen Prozentbereich seien nach deren Auskunft weiter wahrscheinlich.
Lärm
Mängel sieht die BI auch beim Schallgutachten, dass bislang nur als Zwischenbericht vorliegt. Die Untersuchung sehe keine Konzerte oder andere Nutzungen außerhalb von Fußball vor. Zudem stellt die BI die Frage, ob durch das Stadion die Zahl der maximal zulässigen Tage mit erhöhtem Lärm überschritten wird. Schließlich gibt es in dem Areal bereits andere Großveranstaltungen. „Der Kramermarkt kommt nicht vor, der als Gewerbelärm zu bewerten wäre“, heißt es von Gesa Gerding von der BI.
Ein weiterer Kritikpunkt: Die Berufsschule an der Maastrichter Straße werde nicht als schutzbedürftig eingestuft. Allerdings gibt es an der BBS Unterricht nur wochentags und maximal bis 16.45 Uhr, heißt es dort auf Nachfrage, also nicht während der üblichen Fußball-Zeiten. Brümann verweist auf Jugendspiele, etwa von Auswahlmannschaften, die auch durchaus nachmittags stattfinden könnten. Insgesamt bewertet die BI die vorliegenden Infos als „vage Übersicht“.
Klima
Das Klima- und Neutralitätskonzept ist nach Meinung der BI „unkonkret und wenig überzeugend“, heißt es in der Mitteilung. Reduzierten Materialverbrauch als Klimaschutzmaßnahme anzupreisen, sei unseriös. Kritisiert wird auch, dass für die Berechnung der sogenannten grauen Emissionen (etwa durch Produktion von Baustoffen) nur die 7500-Zuschauer-Variante herangezogen worden sei. Angedachter klimaschonender Beton erzeuge zudem immer noch einen hohen CO
Nutzung
Das schon länger bekannte Betriebs- und Nutzungskonzept kritisiert die BI erneut als „Fantasie“. Es offenbare gravierende Mängel und lasse Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Projekts aufkommen. Ein Großteil der prognostizierten Einnahmen hänge vom Ankermieter VfB Oldenburg ab. „Die Annahme, dass dieser dauerhaft in der 3. Liga wirtschaftlich agieren kann, ignoriert die Unsicherheiten und Risiken im Profifußball.“
