Der Ton wird schärfer, die Fronten sind verhärtet, der faire Umgang miteinander ist auf der Strecke geblieben: Das Thema Stadionneubau polarisiert. Auf der einen Seite die Fans, die sich für den möglichen Fortbestand des Profifußballs ein dafür unabdingbares Fußballstadion wünschen, auf der anderen Seite die Gegner, die auf die Kosten hinweisen – zum einen für den Bau, zum anderen für die zukünftige Finanzierung des laufenden Betriebs.

Jeder hat dabei das Recht, seine Meinung zu äußern. Unsere Aufgabe als Zeitung vor Ort ist es, alle zu Wort kommen zu lassen, die Beiträge zu veröffentlichen und gegebenenfalls zu kommentieren. Auch innerhalb unserer Stadtredaktion gibt es Befürworter und Gegner – eine redaktionelle Vorgabe gibt es nicht. Wir sind verpflichtet, die Fakten zu kontrollieren und Behauptungen zu überprüfen, die in den sozialen Netzwerken, in Mails oder anderweitig an uns herangetragen werden.

Dazu gehörte es beispielsweise, am vergangenen Sonntag darauf hinzuweisen, dass der Initiator einer Unterschriftenaktion gegen den Bau des Stadions ein bekannter EWE-Mitarbeiter ist, mit dem wir dienstlich viel zu tun haben – wir kennen uns. Die EWE ist Hauptsponsor der (daher der Name) EWEBaskets. Kaum war die Petition im Netz, wurden wir von Stadionbefürwortern darauf hingewiesen. Ein Shitstorm brach über den Initiator los. Er löschte die Petition, was er uns am Sonntag schriftlich mitteilte. Die Bürgerinitiative KeinStadionBau sah „Tendenzjournalismus in der NWZ“. Mehr noch: Der Stopp der Unterschriftenliste sei eine glatte Falschmeldung.

Wie das? Das war es nicht, tatsächlich gab es erst am Montag eine (nicht wortgleiche) neue Petition, die übrigens ein ehemaliger Kollege aus dem Verlagsbereich der NWZ initiiert hat. Kaum war die wiederum im Netz, wurden wir darauf hingewiesen, dass der Initiator der Vater von Andra Möllhoff ist – der ehemaligen Grünen-Landtagskandidatin. Nach einem Telefonat mit dem Vater wiesen wir in dem Artikel darauf hin und berichteten zudem, dass Andra Möllhoff von der Initiative ihres Vaters nichts wusste. Doch bevor Gerüchte weiter die Runde machten, dass die Liste aus der politischen Ecke der Grünen kommt, ist es im Zeitalter der sozialen Medien besser, die Wahrheit zu schreiben und Zusammenhänge herzustellen. In dem Telefonat baten wir den Initiator noch um ein Portrait-Foto, um den Artikel „prominent“ veröffentlichen zu können und die Wahrnehmung zu verbessern.

Aber das nur am Rande: Der Bau des Stadions polarisiert die Oldenburgerinnen und Oldenburger wie einst der Bau der Schlosshöfe. Auf der Strecke geblieben sind die Umgangsformen, die Spielregeln des menschlichen Miteinanders. Da wird im Internet gepöbelt, gedroht, da werden andere Menschen diskreditiert, die Äußerungen sind herablassend, persönlich beleidigend. Als Journalist hat man sich mittlerweile daran gewöhnt. Hoffentlich fällt der Rat am 15. April eine Entscheidung, damit endlich wieder Ruhe einkehren und man sich in Oldenburg auf Wesentlicheres konzentrieren kann. Es geht doch nur um ein Stadion, für und gegen das Vieles spricht. Die Argumente Für und Wider liegen auf dem Tisch. Am Ende geht es frei von allen Emotionen nüchtern um die Klärung der Frage, ob sich die Stadt ein Stadion leisten möchte oder nicht – nicht mehr und nicht weniger.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg