Oldenburg - Gänsehaut – bei 2500 Zuschauern ging das los, da spürte man den Roar, wenn die Zuschauer das Feuer in der „Hölle des Nordens“ in Donnerschwee entfachten. Ein echtes Fußballstadion, ohne Laufbahn drumherum und andere Leichtathletikanlagen: Harald Witt, Peter Darsow, Bernhard Kulla, Rudi Hagen, Dieter Wedemann , Gerold Steindor, Michael Kalkbrenner und Reinhard Varnhorn erinnern sich noch gut an das Stadion in Donnerschwee, das der Heimmannschaft Flügel verleihen und den Gegner beim bloßen Betreten des Platzes einschüchtern konnte.
Freunde begrüßt
„Durch den Tunnel ging’s aus den engen und muffigen Kabinen raus auf den Platz. Nach links und rechts haben wir aus dem Gang heraus Freunde, Verwandte und Bekannte begrüßt und dann ging’s los, dann waren wir zu hundert Prozent fokussiert auf das Spiel“, erzählt Gerold Steindor, der sich mit seinen Mitspielern aus den 70er und 80er Jahren, die zu Freunden geworden sind, noch heute regelmäßig einmal in der Woche trifft und mit ihnen beim OTeV am Johann-Justus-Weg Tennis spielt. Einmal im Jahr geht das von „elf bis elf“. Wobei sich die Männer darüber ausschweigen, ob 23 Uhr am Abend oder 11 Uhr am nächsten Morgen gemeint ist.
Rasenheizung? Was ist das? Gespielt wurde früher auch auf schneebedecktem Boden.
Günter Nordhausen
Das Ende: Über die Hölle des Nordens wuchs Gras. Heute befinden sich dort Lebensmittelgeschäfte. Das Stadion wurde zugeschüttet und auf ihm ein Stadtteilzentrum mit Läden errichtet.
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Wünschen sich ein neues Stadion für die Stadt und den Fußball, die ehemaligen Leistungsfußballer (von links): Harald Witt,Gerold Steindor, Bernhard Kulla, Reinhard Varnhorn, Dieter Wedemann, Rudi Hagen, Michael Kalkbrenner, Peter Darsow
Martin RemmersIn diesem Jahr haben sie unsere Redaktion zum Gespräch eingeladen. Denn die Männer haben einen Herzenswunsch: Sie möchten, dass Oldenburg, dass die Stadt ein Fußballstadion zurückbekommt, das sie seit 1991 nicht mehr hat. Denn das Marschwegstadion, da sind sie sich mit wohl allen Fußballfreunden einig, ist ein prima Stadion für die Leichtathletik, aber für den Spitzenfußball nicht geeignet. Abgesehen von dem Verbot, nach 18.30 Uhr mit Rücksicht auf die Nachbarschaft Spiele anzupfeifen, und fehlenden Parkplätzen, machen die nicht überdachten Stehplatzränge und die zugige nach hinten Richtung Westen offene Sitzplatztribüne einen Besuch des Stadions zu einem alles anderem als schönen Erlebnis – besonders dann, wenn es regnet.
Stadion ein Kühlschrank
„Das Marschwegstadion ist ein Kühlschrank, wie soll da Stimmung aufkommen?“, fragt Michael Kalkbrenner, der die Geschichte des Fußballs beim VfB aus seiner Sicht in einem Buch beschrieben hat. Ein neues Stadion neben der Weser Ems Halle, nur wenige Hundert Meter vom ehemaligen Stadion an der Donnerschweer Straße entfernt, dort wo alles begann, würde den langen Leidensweg der Fans beenden, sie zurück nach Hause bringen, zu den Wurzeln des Fußballs in der Stadt. Sie zurückbringen an den Ort, wo der Fußball in Oldenburg nach dem Zweiten Weltkrieg große Zeiten in der höchsten deutschen Spielklasse erlebt hat. „Die Betonung liegt auf Fußball“, sagt der ehemalige Abwehrrecke Peter Darsow. Denn ein Stadion, das vielleicht in Oldenburg gebaut wird, wenn der Rat am 15. April zustimmt, wird für die Fans, für die Stadt gebaut. „Wir haben ein tolles Theater, eine tolle Halle, in der die Baskets ihre Heimspiele austragen, wir haben Kinos, ein Freizeitbad an der Hunte, bekommen ein Sport- und Gesundheitsbad am Flötenteich hinzu und das Stadtmuseum zieht bald in einen großen Neubau. Das neue Stadion wird das kulturelle Angebot bzw. die Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten, komplettieren“, sagt Kalkbrenner.
Tolle Stimmung
Gespürt hat man diese einzigartige Stimmung, die in einem reinen Fußballstadion entstehen kann, beim letzten „Heimspiel“ in der vergangenen Drittliga- Saison, das der VfB in Wilhelmshaven im Jadestadion austragen musste. Das Marschwegstadion konnte wegen des Landesturnfestes nicht genutzt werden. Das Spiel ging mit 1:2 gegen den FSV Zwickau in der Nachspielzeit verloren. Doch die Stimmung in dem engen Stadion war prächtig. Knapp 5000 Oldenburger waren an den Jadebusen gefahren, um ihren Verein im Abstiegskampf zu unterstützen. Letztlich vergebens, der VfB stieg ab, doch die beeindruckende Kulisse blieb bei allen in guter Erinnerung.
Stadt fußballbegeistert
„Das brauchen wir in Oldenburg auch, ein reines Fußballstadion würde gut zur fußballbegeisterten Stadt passen“, sind sich die ehemaligen VfB-Spieler sicher. Reinhard Varnhorn schließt sich dem Wunsch an. Er ist VfLer und mit ganzem Herzen Fußballfan.
