Oldenburg - Der Abstieg des VfB Oldenburg hat nicht nur in Fußballer- und Fankreisen für große Ernüchterung gesorgt. Nach nur einer Saison im Profifußball muss der Verein den Gang von der 3. Liga in die Regionalliga antreten – und das in einer Zeit, in der die Politik über den Neubau eines Fußballstadions für eben diesen Profifußball diskutiert und endgültig entscheiden muss. Hat der Abstieg darauf einen Einfluss?
Weitere Entscheidungen
Nein, so hieß es im Vorfeld stets. Man müsse das Thema Stadionbau langfristig und unabhängig von der Ligazugehörigkeit sehen, hieß es aus der Politik. Und die Beiträge in der Ratssitzung am Montagabend bestätigten dies weitgehend. Der Abstieg spielte kaum eine Rolle, zumindest nicht als Argument in den Antworten auf mehrere Bürgerfragen zur Bürgerbeteiligung, zu Ausschreibungen und zum Umweltschutz sowie bei zwei anstehenden Entscheidungen.
Gabriel Oliver Rohde (Grüne) sprach dem VfB sein „Beileid“ aus und bekräftigte die ablehnende Haltung seiner Fraktion zum Stadionbau: „Es geht nicht darum, einer Fußballmannschaft etwas zu entziehen, sondern darum, wie wir mit öffentlichen Geldern umgehen.“ Jens Lükermann (FDP/Volt) griff das von Andreas Sander (Piraten) wiederholte „Beileid“ und dessen Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Stadions auf: Es gehe nicht darum, ob der VfB in der 3. Liga spiele, sondern darum, dem Profifußball eine Zukunft zu bieten. „Wenn wir Profifußball in der Stadt wollen, sind wir gezwungen, viel Geld in die Hand zu nehmen.“
So bewilligte das Gremium – gegen die Stimmen von Grünen und Sander – 180 000 Euro für das Bauleitplanverfahren. Die Warnung von Ruth Regina Drügemöller (Grüne), der Start des Verfahrens sei eine vorweggenommene Ratsentscheidung für den Stadionbau, wurde von der Mehrheit nicht geteilt. Diese Planung, die unabhängig von einem Bau beschlossen worden war und nun vorangetrieben wird, übernimmt ein externes Büro.
Ebenso verabschiedete der Rat den Wirtschaftsplan der Stadionplanungsgesellschaft – ebenfalls gegen die Stimmen der Grünen und Sander: Das wirtschaftliche Risiko bleibe ausschließlich bei der Stadt, betonte Nicolai Beerheide (Grüne). Die von ihm und seinem Fraktionskollegen Rohde kritisierte fehlende Öffentlichkeit der Gesellschaft wiesen Nicole Piechotta (SPD) und Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) vehement zurück. Der Wirtschaftsplan weist einen maximalen Fehlbetrag in Höhe von 604 000 Euro aus. Eine mittelfristige Ergebnis-, Bilanz- und Liquiditätsplanung für die Jahre 2024 bis 2026 soll folgen, sollte der Rat den Bau eines Stadions im Oktober beschließen.
Stadion als Hexenkessel
Dass ein reines Fußballstadion dem weitläufigen Marschwegstadion alleine schon stimmungstechnisch überlegen ist, machte das (vorerst) letzte „Heimspiel“ des VfB in der 3. Liga deutlich. Wegen des Erlebnis-Turnfests spielten die Oldenburger in Wilhelmshaven. Und 4893 Zuschauer waren gekommen, der Heimbereich war ausverkauft. Sie sorgten für akustische Unterstützung, wie sie im Marschwegstadion nicht möglich ist, weshalb auch die Fußballer am Neubau festhalten. „Man hat heute gesehen, wie die Oldenburger Zuschauer aus dem Stadion einen Hexenkessel gemacht haben“, sagte VfB-Geschäftsführer Michael Weinberg. „Fast 5000 sind aus Oldenburg nach Wilhelmshaven gefahren. Es ist atemberaubend, was so ein kleines, schickes Stadion ausmachen kann.“ Trainer Fuat Kilic war sich sicher: „Diese Stadt lechzt nach Profifußball, das hat die Atmosphäre heute in diesem Stadion gezeigt.“ Und Präsident Wolfgang Sidka bedauerte: „Schade, dass wir unsere Ausweichspiele nicht immer hier machen durften. Hier herrscht eine gute Atmosphäre.“

