Ich wage den Blick in die Glaskugel: Streicht die Stadt Oldenburg Mittel aus dem System der Schulbegleitung heraus, gibt es am Ende nur Verlierer: Obwohl es mehr Kinder mit Unterstützungsbedarf gibt – was auch die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen in Oldenburg belegen – wird es weniger geben, die diese Unterstützung bekommen. Die Lehrer verlieren, weil sie sich immer größer werdenden Klassen (in Oldenburger Grundschulen nicht selten 20 bis 25 Schüler) mit immer mehr herausfordernden Kindern gegenübersehen.

Kümmert sich der Lehrer um die Kinder, die den Bedarf haben, lernt der Rest der Klasse schlechter. Kümmert er sich um die anderen Kinder, bleiben die mit den Defiziten auf der Strecke. Wenn die aber niemand besonders begleitet und auffängt, sprengen sie schlimmstenfalls den Unterricht und niemand lernt irgendwas.

Am Ende verliert auch die Stadt: Die Anträge auf individuelle Schulbegleitung werden verstärkt kommen. Die Kosten in diesem Bereich werden immer weiter steigen – anfangen wird es in den Grundschulen, die Probleme werden sich in die weiterführenden Schulen nach oben fortpflanzen.

Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann hat erst jüngst im Interview mit unserer Redaktion auf die Nachfrage nach drohenden Kürzungen bei freiwilligen Leistungen für den Bildungsbereich geantwortet, dass er die Gefahr sieht, für Angebote nicht mehr das nötige Personal zu finden. Nun, Herr Krogmann, da wäre die Kürzung der Schulbegleitung ein glattes Eigentor: Personal, das jetzt im Einsatz ist, wird sich umorientieren, weil die Schulbegleitung kein verlässliches Einkommen auf Dauer gewährleistet. Wo sollen dann die Kräfte für die individuelle Schulbegleitung herkommen, wenn dort die Zahlen steigen?

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg