Betrifft:
„Einstimmiges Aus für Vertriebenendenkmal“ (NWZ vom 20. November)Was viele nicht im Traum geglaubt haben, ist jetzt wahr. Das Denkmal wird nicht gebaut. Basta! (...)Ein kurzer Rückblick: Der Anfang war schon schleppend, der Trend begann mit „ist doch nicht nötig“ und mit vielen anderen kritischen und unsachlichen Bemerkungen. (...)
Dann kam die Größe, die Art und Weise des Denkmals. Und ein Erfolg schien noch einmal in die greifbare Nähe gerückt. Als der Oldenburger Ehrenbürger Professor Leo Trepp von Kalifornien aus sich sehr kritisch mit dem Denkmal auseinandersetzte, schien ein Wende in Sicht.
Man versuchte erneut einen Anlauf. Jetzt plötzlich war vom Geld die Rede. In diesem Fall machte die Stadt eine nicht gerade glückliche Vorstellung. Böse Zungen behaupten, dies war gezielt. Wenn man wirklich gewollt hätte, wäre der genannte Betrag über Spenden leicht zusammengekommen.
Die Stadt vergisst aber, dass eine einmalige Gelegenheit vertan wurde, um den vielen Menschen Dank zu sagen, die wesentlichen Anteil beim Aufbau der Stadt beigetragen haben.
Helmut Hornickel, sen.Oldenburg*
Aus Sicht der Vertriebenen und ihrer Nachkommen (...), die sich in Oldenburg eine neue Existenz aufbauen durften, wirkt diese Diskussion – und wie sie geführt wurde und wird – befremdlich. Befremdlich ist, dass der Eindruck entstand und besteht, dass den Deutschen ein „gutes Unrecht“ widerfahren war, letztlich war die Vertreibung die Quittung für die Gräuel die von den Nazis initiiert wurden.(...) Bei dem Denkmal geht es aber nicht um historische oder politische Entwicklungen, denen die Deutschen nach dem 2. Weltkrieg ausgeliefert waren und auf die die Deutschen keinen Einfluss hatten, sondern um die Empfindungen (...) der Betroffenen. Die erlittene Entwurzelung bedeutet nicht nur den Verlust der Heimat, sie bedeutet Verlust der Existenz, Verlust von gewachsenen Beziehungen, sie bedeutet Scham vor der eigenen Hilflosigkeit und sie bedeutet auch Krankheit und Tod, weil Unzählige mit ihrem Schicksal nicht umgehen konnten. Davon waren in den 50er Jahren in Oldenburg zigtausende Menschen betroffen. Und es ist davon auszugehen, dass noch heute Menschen unter diesem Schicksal leiden.
Ich kann es nur als ignorant bezeichnen, wenn politisch Handelnde das Schicksal von Teilen der Bevölkerung nicht wahrnehmen wollen und sich hinter formalen Gründen verstecken. (...)
Zu allererst ist hervorzuheben, dass die Vertriebenen in Oldenburg nicht mit Willkommensgrüßen empfangen wurden, nein wirklich nicht, und vielleicht ist es ja die Scham der „Uroldenburger“ die dieses Denkmal nicht entstehen lässt? (...)
Dieter Niebisch Oldenburg*
Eine Stadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg ca. 40 000 Heimatvertriebene aus dem Osten Deutschlands aufgenommen hat, sollte sich eigentlich für ein Vertriebenendenkmal einsetzen. Die Mehrzahl der heutigen Ratsmitglieder ist jedoch dagegen. Diese jüngere Generation sollte sich von Zeitzeugen über das Leid der (...) unschuldigen deutschen Heimatvertriebenen (...) informieren lassen.(...) Der ehemalige Oberbürgermeister von Oldenburg, Präsident des Verwaltungs-Bezirks Oldenburg und Präsident des Niedersächsischen Landtages, Horst Milde, äußerte sich in einem Bericht der NWZ vom 23.8.2003 wie folgt: „Bei der Vertreibung handelt es ich um die größte Tragödie unseres Volkes“. Die Ratsmitglieder sollten darüber nachdenken.
Manfred PradelOldenburg*
Aus für ein Vertriebenendenkmal in Oldenburg. Über vier Jahre waren nötig, um die Geschichte aufzuarbeiten, um festzustellen, die Vertriebenen seien an ihrer Vertreibung selber schuld, ein Denkmal stehe ihnen nicht zu.Ich nehme an, es wird zukünftig nicht mehr behauptet, die 40 000 Vertriebenen haben Oldenburg zur Großstadt werden lassen; sie wurde durch die Vertriebenen zur Universitätsstadt, zur Stadt der Wissenschaft und Übermorgenstadt.
Wissenschaftlich ist nun erwiesen, wir seien an der Vertreibung selber schuld und sollten dankbar sein, in Oldenburg eine Bleibe gefunden zu haben. Es ist schon erschreckend, wie sich gewisse Politiker über die Leiden anderer Menschen hinwegsetzen oder dies sogar leugnen.
Zur Erinnerung: Der Bund der Vertriebenen (BdV) stellte am 6. Mai 2004 den Antrag bei der Stadt, einen Platz zur Errichtung eines Denk- bzw. Dankmals zur Verfügung zu stellen und dessen Errichtung zu genehmigen. Die Kosten sollten von uns und durch eigene Sponsoren aufgebracht werden.
Jetzt kamen die Stadt sowie die Universität zum Zuge, hatten eigene Ideen, wollten für alle Vertriebenen der ganzen Welt ein Denkmal und trieben so die Kosten in die Höhe, um am Ende zu behaupten, es käme zu teuer und sollte daher abgelehnt werden. Nur wenige hatten den Mut zu sagen, sie hätten das Denkmal von Anfang an nicht gewollt. (...)
Günter ZimnyOldenburg
