Oldenburg - Eine Straße trägt in Bümmerstede seinen Namen, ansonsten erinnert in Oldenburg wenig an Walther Rathenau, der heute vor 100 Jahren, am 24. Juni 1922, von Verschwörern der rechtsradikalen Organisation Consul mit neun Schüssen aus einer Maschinenpistole in Berlin ermordet wurde. Sie wollten den Reichsaußenminister und Hoffnungsträger der jungen Weimarer Republik eliminieren, die von ihnen verhasste Weimarer Republik zu Fall zu bringen.
Dunkle Zeit
Oldenburgs ehemaliger SPD-Ratsherr, Bundestagsabgeordneter und Oberbürgermeister Dietmar Schütz erinnert sich gut an die Beweggründe, in den 80er Jahren eine Straße nach ihm zu benennen. Der Stadtrat wollte an diese dunkle Zeit erinnern, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten lassen. Die Walther-Rathenau-Straße führt in einem Bogen von der Otto-Wels-Straße weg wieder zu ihr zurück. Der Sozialdemokrat Otto Wels war ein Politiker, der sich klar gegen Nazis und Rechtsradikale positionierte. Mit seiner Rede vor den kaisertreuen Naumburger Jägern am 9. November 1918 verhinderte er, dass die Revolution in Deutschland zu einem blutigen Bürgerkrieg führte. Am 23. März 1933 begründet er für die SPD die Ablehnung des „Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich“ (Ermächtigungsgesetz). In der letzten freien Rede im Deutschen Reichstag sagte er den berühmt gewordenen an die Nazis gerichteten Satz: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“
Juden verschleppt und ermordet
Ein paar 100 Meer entfernt gibt es in Kreyenbrück die Franz-Reyersbach-Straße. Benannt nach einem Oldenburger Juden, dem die Handlung und Fabrikation von Fahrrädern und Musikinstrumenten am Damm gehörte. Wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe wurde er 1936 in Oldenburg in Schutzhaft genommen und anschließend ins KZ Sachsenhausen gebracht, wo er wenige Monate später am 14. Dezember 1936 ermordet wurde.
Drohendes Unheil
Zurück zu Walther Rathenau: Das Attentat galt als Anzeichen für das drohende Unheil, knapp elf Jahre später kam Hitler an die Macht. Der liberale DDP-Politiker lebte als Sohn und Erbe des Gründers der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) in einer Villa in Berlin-Grunewald. Der 24. Juni war ein Samstag, Rathenau ließ sich von seinem Haus im offenen Wagen ins Auswärtige Amt chauffieren, als gegen 10.45 Uhr ein Mercedes das Ministerauto überholte und ein Mann mit einer Maschinenpistole neun Schüsse auf ihn abfeuerte. Der 54-Jährige starb wenige Minuten nach dem Anschlag.
Fast 400 politische Morde verübten Rechtsradikale von 1918 bis 1922. Zu den Opfern gehörten Rosa Luxemburg, der SPD-Mann und Unterzeichner des Vertrags von Versailles, Matthias Erzberger, und Bayerns Ministerpräsident Kurt Eisner. „Die Weimarer Republik hat diese Bedrohung nicht klar genug bekämpft“, sagt Dietmar Schütz. Eine Demokratie müsse wehrhaft sein und sich und ihre Werte verteidigen.
