Oldenburg - Miete, Internet, Lebensmittel, Semesterbeitrag und Lehrbücher: Studieren ist nicht gerade bekannt dafür, billig zu sein. Mit den aktuell steigenden Lebenshaltungskosten verstärken sich die finanziellen Sorgen bei Oldenburger Studierenden, wie das Studentenwerk Oldenburg feststellt. Unterstützungen vom Bund bringen dabei nur kurzfristige Entlastungen.
„Aktuell kommen viele Studierende, die vor der Herausforderung stehen, den Semesterbeitrag in Höhe von rund 404 Euro aufbringen zu müssen, in unsere Studienfinanzierungsberatung“, sagt Franziska Puczich, Sprecherin des Studentenwerks Oldenburg. Viele der Studenten hätten das Geld nicht ansparen können, da Einkünfte aus Nebenjobs oftmals in die gestiegenen Lebenshaltungskosten geflossen seien. „Auch die finanzielle Unterstützung der Eltern nimmt bei vielen Ratsuchenden ab, da auch sie mit den gestiegenen Kosten umgehen müssen“, so Puczich. Insgesamt sei die Zahl der Beratungsfälle zwar nicht gestiegen, jedoch werde es zunehmend schwieriger für Studenten, die finanzielle Lücke zu schließen.
Auszahlung zu langsam
Im Rahmen der Energiepreispauschale des Bundes haben Studenten, die nebenher arbeiten und in Deutschland wohnen, im September 300 Euro erhalten. 200 Euro kommen nun für alle Studierenden hinzu. Diese Einmalzahlung muss beantragt werden. Allerdings arbeiten Bund und Länder noch an der Entwicklung der Antragsplattform. Ab wann genau die Anträge gestellt werden können, ist noch unklar. Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung soll die Auszahlung noch in diesem Winter erfolgen.
Bei der Studienfinanzierungsberatung können sich Studenten zu Themen wie Semesterbeiträgen, Bildungskrediten, Stipendien und Nothilfedarlehen informieren. Terminlose Sprechzeiten finden montags und dienstags zwischen 13 und 15 Uhr sowie donnerstags zwischen 10 und 12.30 Uhr im Raum 0-011, Gebäude A12, Campus Haarentor, Uhlhornsweg 49-55 statt. Die Berater sind zudem ganztags telefonisch erreichbar unter Tel. 0441/798-2664.
Die Bafög-Beratung bietet dienstags zwischen 10 und 12 Uhr, donnerstags zwischen 10 und 12 Uhr und zwischen 13.30 und 15.30 Uhr offene Sprechstunden am Schützenweg 44 an. Für die Onlineberatung werden Termine unter studentenwerk-oldenburg.de/de/online-terminvereinbarung vergeben. Telefonisch sind die Berater montags bis donnerstags zwischen 9 und 15.30 Uhr sowie freitags zwischen 9 und 12.30 Uhr erreichbar.
Das Studentenwerk bietet zudem Sozialberatungen und Behindertenberatungen an.
Weitere Infos zur Energiepreispauschale gibt es hier:
Dem Studentenwerk Oldenburg dauert das zu lange. Laut Puczich sei es gut und hilfreich, dass mit der Energiepreispauschale eine finanzielle Unterstützung angekündigt wurde. Doch es sei auch anzumerken, dass zu spät an die Gruppe der Studenten gedacht wurde, gerade an die Nicht-Bafög-Empfänger. „Die Studierenden benötigen das Geld jetzt“, so Puczich.
Über eine frühere finanzielle Unterstützung hätte sich auch Slawistik-Studentin Katharina gefreut. Für sie bedeutet die Energiepreispauschale eine kurzfristige Entlastung. Wünschen würde sie sich jedoch weitere Unterstützungen, die dann langfristig regelmäßig ausgezahlt werden sollten.
„Die Zahlung wird sehr helfen“, sagt auch eine Studentin der Umweltwissenschaften an der Universität Oldenburg. Die 23-Jährige wohnt in einer WG und dort ist zur Zeit jeder zusätzliche Cent willkommen. Aber auch wenn das Geld kurzfristig hilft, weitere Entlastungspakete wären ihr sehr willkommen.
„Bafög erhöhen“
Auch beim Bafög bestände laut dem Studentenwerk Oldenburg Handlungsbedarf: „Die Zahl der Bafög-Empfänger ist in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken, wenn auch zuletzt ein kleiner Anstieg zu verzeichnen war. Die große Trendwende ist mit der letzten Bafög-Reform jedoch nicht gekommen.“
Jährliche Anpassung
Attraktiver würde es mit einer jährlichen Anhebung, entsprechend der Inflation, werden, sagt Puczich. Zudem unterstützt das Studentenwerk Oldenburg die Forderung des Deutschen Studentenwerks, den Bafög-Grundbedarf von derzeit 452 Euro auf 603 Euro anzuheben. Auch würde der Bafög-Darlehensanteil von derzeit 50 Prozent sinken und gegebenenfalls die Möglichkeit bestehen müssen, ein höheres Bafög auf einer zinsfreien Darlehensbasis erhalten zu können. „So könnten höhere Kosten durch besondere Umstände abgedeckt werden“, sagt die Sprecherin des Studentenwerks Oldenburg.
