Oldenburg/Hatten - Auch eine Woche nach der endgültigen Absage des Tabularaaza-Festivals warten Tausende von Kunden auf Informationen zur Rückabwicklung ihrer Ticketkäufe – und werden sich wohl noch weiter gedulden müssen. Sie alle wollten eigentlich am 12. und 13. August in Wiemerslande feiern und zur Musik von Dutzenden Bands und DJs feiern. Mit Verweis auf den kurzfristigen Absprung eines Investors, den schleppenden Ticketverkauf und zurückgehaltene Gelder des Finanzdienstleisters Paypal hatte Veranstalter Jan Meiners das Festival allerdings abgesagt.
„Wir sind uns des öffentlichen Interesses absolut bewusst, aber es ist noch zu früh, verlässliche Aussagen zu treffen“, sagt Thomas Weber auf eine erneute Anfrage unserer Redaktion. Und der Pressesprecher des Festivalteams ergänzt: „Die Rückabwicklung des Festivals ist sehr komplex und das Team arbeitet intensiv daran. Wenn wir genaue Aussagen dazu treffen können, werden wir umgehend alle darüber informieren.“
Lesen Sie auch: So reagieren die Tabularaaza-Fans auf die Absage.
Lesen Sie auch: TabulaRaaza abgesagt.
Käuferschutz oft abgelaufen
Dann dürften vielleicht auch die Käufer eine Antwort erhalten, die ihre Festivalkarten bereits in der Early-Bird-Aktion im November vergangenen Jahres gekauft und über den Finanzdienstleister Paypal bezahlt haben. Denn dessen Käuferschutz, der eine reibungslose Rückabwicklung verspricht, greift nur 180 Tage, und die sind längst abgelaufen. Der Finanzdienstleister selber hat unserer Redaktion grundsätzlich Antworten auf Fragen zur Rückabwicklung gegeben. Zum konkreten Fall äußert sich Sprecherin Sabrina Winter allerdings nicht.
„Ein Antrag auf Paypal-Käuferschutz kann innerhalb von 180 Tagen nach dem Tag, an dem die Zahlung stattgefunden hat, gestellt werden. Liegt eine Zahlung länger als 180 Tage zurück, besteht kein Anspruch auf Paypal-Käuferschutz. Käufer müssen sich dann direkt an den Verkäufer wenden oder ihre Ansprüche auf zivilrechtlichem Wege verfolgen“, so Winter. Sie empfiehlt einen Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Verkäufers zu werfen. Diesen könnten Verbraucher in der Regel entnehmen, welche Ansprüche Sie geltend machen können. Im Fall eines Konzerts könne dies zum Beispiel ein Passus dazu sein, welche Rückerstattungsansprüche im Fall einer Veranstaltungsabsage greifen. In diesen AGB heißt es, dass im Falle einer Absage „ein Rückerstattungsanspruch nur begrenzt auf den Nennwert des Tickets und nur bis zum Veranstaltungstermin besteht“.
Jüngere Käufe
Besser sieht es für Kunden aus, die ihre Tickets in den 180 Tage vor Absage des Festivals gekauft und mit Paypal bezahlt haben. Sie haben die Möglichkeit, einen Antrag auf PayPal-Käuferschutz zu stellen. Das erfolgt in vier Schritte: 1. Einloggen und bei der entsprechenden Zahlung auf „Problem melden“ klicken. Ziel dieses ersten Schrittes ist es laut Winter, dass Käufer und Verkäufer versuchen, im direkten Kontakt das mit der Zahlung verbundene Problem zu klären.
2. Gelingt das auf diesem Weg nicht, kann die Käuferseite im nächsten Schritt einen Käuferschutzantrag stellen. Dies kann über die Seite „Konfliktlösungen“ unter www.paypal.com/disputes erfolgen. Mit einem solchen Antrag bittet der Käufer Paypal, das Problem zu untersuchen und eine Entscheidung zu treffen.
3. Nachdem der Konflikt in einen Käuferschutzantrag umgewandelt wurde, kann Paypal den Kunden dazu auffordern, Unterlagen oder sonstige Informationen vorzulegen. Im Fall eines abgesagten Konzerts kann das laut Winter beispielsweise eine entsprechende Nachricht oder Information zur Absage der Veranstaltung sein.
4. Letztlich entscheidet Paypal über den Fall. Geschieht das zugunsten des Käufers, erfolgt eine Gutschrift des Betrages auf dessen Paypal-Konto.
Die Zeit, die PayPal benötigt, um zu einem Ergebnis zu kommen, kann laut Winter variieren. Es hängt auch davon ab, wie schnell Käufer und Verkäufer auf die Anfragen von PayPal reagieren und ob der Finanzdienstleister weitere Informationen benötigt. In der Regel treffe Paypal dann innerhalb von 14 Tagen eine Entscheidung. Es könne aber auch 30 Tage oder länger dauern.
