Oldenburg/Antwerpen/Aalborg - Sechs Tage auf hoher See mitten auf der Nordsee – das erlebte kürzlich die Mannschaft der „Esprit“. Das Besondere an der Schoneryacht: Sie wird vom Verein Jugendkutterwerk aus Bremen betrieben und ermöglicht es vor allem Jugendlichen (aber auch Erwachsenen), Erfahrungen beim Hochseesegeln zu sammeln. Die gesamte Organisation der Törns wird sowohl an Bord als auch an Land ehrenamtlich geleistet. Bei der jüngst stattfindenden Regatta waren auch mehrere Oldenburger dabei.
Teilgenommen hatte die „Esprit“ am „Tall Ships’ Race“ – einer Jugendregatta für Großsegler – von Antwerpen (Belgien) nach Aalborg (Dänemark), das nach zweijähriger Corona-Zwangspause wieder stattfand. Auf die Reise gingen Skipper Max Lindenberg (Oldenburg), Co-Skipper Malte Herbst (Hamburg), die Wachführer Marcel Calandriello (Oldenburg) und Christian Strohm (Bremen) sowie die Crew bestehend aus den drei Oldenburgern Noam Leptien, Noah Gallizzi und Kirstin Beyer und acht weiteren Teilnehmern.
Ein Blick auf die „Esprit“: Die Schoneryacht wird für Ausbildungsfahrten genutzt. Bild: Privat
25 Kilo Kartoffeln
Die Jugendlichen waren nicht nur zum Mitsegeln da, sie wurden auch in die Vorbereitungen eingebunden, wie Noam an die Zeit vor dem Start in Antwerpen berichtet. „Wir mussten die Trockenvorräte überprüfen und sind in einer Dreiergruppe zum nächsten Supermarkt gelaufen. 25 Kilogramm Kartoffeln, 20 Kilogramm Karotten und etliche Dosen Kichererbsen später haben wir die sieben vollen Einkaufswagen in drei Touren zurück zum Schiff geschafft, vorbei an staunenden Schaulustigen.“ Dass in der gesamten Stadt das Schwarzbrot ausverkauft war, war nicht die einzige Widrigkeit.
Der Törnplan des Jugendkutterwerks für die „Esprit“ im Jahr 2023 sieht zu Beginn der Saison von April bis Juni Segeltörns ab Bremerhaven vor. Anschließend folgt die internationale Jugendregatta „Tall Ships’ Race“. Vom Ziel in Frederikstad wird Kurs Island gesetzt. Auf dem Rückweg geht es über die Färöer und Schottland Ende September zurück nach Bremerhaven. Hier gibt es die Möglichkeit zu weiteren Nordseetörns bis Ende Oktober..
Weitere Infos zum Schiff und zu den Segeltörns gibt es unter
So hatten alle Schiffe mit einer ordentlichen Flaute zu kämpfen. Es war klar, dass von den 30 Großseglern nur das Schiff gewinnen konnte, dass mit den Leichtwinden am besten zurechtkommt. Zudem war Disziplin nötig. Wie Skipper Lindenberg berichtete, musste er der Crew sowohl das Schwimmen als auch das Angeln untersagen. „Das bremst.“ Stattdessen wurde die Zeit genutzt, um an Bord einen Kochwettbewerb auszutragen.
Die nötige Geduld hatte offenbar nicht jeder. Jedenfalls sei das Segelschulschiff einer ausländischen Marine von ihnen beim Betrügen erwischt worden, so der Skipper. „Sie haben während der Flaute ihren Motor eingekuppelt und liefen damit mehr als dreimal so schnell wie die anderen Schiffe in der Umgebung.“ Das Team wurde daraufhin aus der Wertung genommen.
Die „Esprit“ unterwegs auf der Nordsee
Wale und Delfine
Der Vorteil an der Flaute war, dass mehr Zeit für Naturbeobachtungen blieb. So berichtet Noam von der Sichtung eines Walpärchens. „Das größere Tier maß geschätzte acht Meter und sie tauchten unter der Esprit entlang. Am nächsten Tag entdeckten wir erst einen einzelnen Delfin und später eine ganze Schule.“
Auch mit wenig Wind erreichte die „Esprit“ ihr Ziel. „Die Ziellinie überquerten wir einige Stunden, bevor die Sonne aufging, wodurch der Großteil der Crew den erwarteten Funkspruch an die Race Control verschlief“, so Noam. Die Mannschaft erreichte den dritten Platz in ihrer Klasse. Ein toller Erfolg, der mit Labskaus und später in Aalborg mit einer Crewparade und einer Abschlussparty gebührend gefeiert wurde.
