Oldenburg - Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in zwei Fällen gegen einen leitenden Arzt der Neurochirurgie des Evangelischen Krankenhauses (EV) in Oldenburg. Grund sind mögliche Behandlungsfehler, die zu den Todesfällen geführt haben könnten. Auch die Geschäftsführung des Evangelischen Krankenhauses hat unsere Redaktion über die Ermittlungen informiert und von der Beschlagnahmung der Patientenakten sowie der hausinternen Recherche zu den Vorwürfen berichtet. Diesen Vorgängen sei eine anonyme Anzeige eines ärztlichen Kollegen sowie die eines Angehörigen eines der Verstorbenen vorausgegangen, so die EV-Geschäftsführung nach Sichtung der Ermittlungsakten.

Christina Brendel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, bestätigte die beiden Anzeigen sowie die Ermittlungen und die Beschlagnahmung der Unterlagen zu den beiden Patienten gegenüber unserer Zeitung. Das Evangelische Krankenhaus kooperiere, es habe keinen großen Einsatz gegeben: „Das ist ein ganz normales Vorgehen und kommt allgemein in Krankenhäusern häufiger vor.“ Die Patientenakten würden nun fachlich eingehend geprüft. „Ich schätze, in zwei bis drei Monaten wissen wir mehr.“ Heißt: Erst dann entscheidet sich, ob sich der Anfangsverdacht, in dem die Staatsanwaltschaft derzeit ermittelt, erhärtet und gegen den Arzt Anklage erhoben wird oder nicht.

In eigener Sache
Gegen einen leitenden Arzt des Evangelischen Krankenhauses in Oldenburg wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in zwei Fällen ermittelt.

EVANGELISCHES KRANKENHAUS Warum wir über die Ermittlungen gegen den Arzt bisher nicht berichtet haben

Anja Biewald

Die Geschäftsführer des Krankenhauses, Kristina Minder und Dr. Alexander Poppinga, weisen die Vorwürfe gegen ihren Arzt in einer Pressekonferenz am Freitag als haltlos zurück: Im Haus gelte die doppelte Leichenschau, bei Todesfällen würden grundsätzlich sämtliche Patientenakten auf Plausibilität überprüft. Bei den nun erhobenen Vorwürfen sei eine weitere hausinterne Prüfung erfolgt, mit dem Ergebnis, dass es keinerlei Hinweise auf Behandlungsfehler oder Unstimmigkeiten gebe. Beide sehen den weiteren Ermittlungen deshalb auch gelassen entgegen. „Es sind völlig haltlose Vorwürfe, die nachvollziehbar falsch sind“, betonte Poppinga. So könne auch etwa eine Verzögerung bei der Versorgung der Patienten ausgeschlossen werden. Die internen Überprüfungen seien zu dem Ergebnis gekommen, dass nichts am Ergebnis des „schicksalhaften Verlaufs“ hätte ändern können, so Minder.

Die EV-Geschäftsführung äußert hingegen den Verdacht, dass eine Anzeige aus den eigenen Reihen komme. „Vermutlich ein Ex-Mitarbeiter des Hauses“, sagte Minder auf die Frage nach der Herkunft von internen Informationen. Leider habe dieser nicht den üblichen Weg über die im Hause existierenden Kontrollmechanismen gewählt.

Denn in die Öffentlichkeit gelangt sind die Ermittlungen mit der Schlagzeile „Schädeldecke fiel bei OP auf den Boden“. In einem Bericht der „Bild“-Zeitung ist die Rede von „mysteriösen“ Todesfällen im EV und einem Insider, der auspackt und gleich mehrere Themen und Vorfälle miteinander verquickt.

Vermutet werde eine persönliche Motivation. Minder schließt rechtliche Schritte gegen den Ex-Mitarbeiter jedenfalls nicht aus. „Das hat aber keine Priorität.“ Schließlich leide auch der Ruf des Hauses und der Mitarbeiter. Und letztlich könnten auch Patienten Probleme bekommen, wenn die hohe Spezialisierung des EV diskreditiert würde, so Poppinga. „Dagegen wollen wir uns ganz klar positionieren“, kündigte er volle Transparenz an.

Der Vorfall mit der Schädeldecke stehe in keinerlei Zusammenhang mit den beiden Todesfällen. Aber Minder bestätigt, dass bei einer anderen „hochkomplexen Hirn-OP“ ein kleiner Schädelknochen auf den Boden gefallen sei: „Das ist passiert bei der Übergabe des Knochens vom Operateur zu einem Mitarbeiter. Das sind Menschen, so etwas passiert.“ Aber auch für solche Fälle gebe es genaue Vorschriften, die regeln, wie dann vorgegangen wird. Demnach wurde der Knochen aufgehoben, gereinigt, eingelegt und dann wieder verwendet. Minder: „Dem Patienten geht es gut.“

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg
Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)