Wesermarsch/Oldenburg - Landwirte aus der Wesermarsch sind am Montagabend mit lautem Gehupe durch die Oldenburger Innenstadt gefahren. Die Polizei sprach von einer „kleinen Treckerdemo“, die polizeilich begleitet wurde. Die Landwirte hatten eine „Schlepperfahrt aus Solidarität zu den Kollegen in Koblenz“ organisiert. Dort trafen sich am Montag die Agrarministerinnen und -minister der EU. Zahlreiche Landwirte aus Deutschland und anderen EU-Ländern hatten dort gegen pauschale Auflagen für die Landwirtschaft demonstriert. Regionale Besonderheiten müssten berücksichtigt werden, fordern sie.
Lärmend durch die Stadt
Zu der Schlepperfahrt aus der Wesermarsch waren laut Polizei um kurz nach 17 Uhr rund 15 Landwirte mit ihren Treckern vom Marktplatz Rodenkirchen gestartet und über Brake, Ovelgönne, Großenmeer und Loy entlang der B 211 nach Oldenburg gefahren. Unterwegs hatten sich dem Zug weitere Teilnehmer mit ihren Traktoren angeschlossen. Die Polizei sprach von weniger als 50 Fahrzeugen. Gegen 19 Uhr haben die protestierenden Landwirte das Oldenburger Stadtgebiet erreicht, teilte die Polizei mit. Ab etwa 20.40 Uhr zogen die Trecker laut lärmend durch die Innenstadt. Das Hupen war auch nach 21.45 Uhr noch zu hören.
Zu den Gründen für die Aktion äußerten sich die Landwirte gegenüber der NWZ am Dienstag. Demnach handelte es sich um eine spontane und solidarische Demonstration für die Kollegen, die sich auf den Weg nach Koblenz gemacht haben. Landwirte aus den Landkreisen Wesermarsch, Friesland, Ammerland und Oldenburg hätten sich an der Aktion beteiligt.
„Wir müssen zusehen, dass die europäische Agrarpolitik zu verantworten haben wird, dass in schon absehbarer Zeit die bäuerlichen Familien-Betriebe Geschichte sein werden. Die Agrarpolitik ist nur noch Handlanger der Industriepolitik und als solche setzt sie auf Masse statt Klasse“, so die Landwirte.
Kritik und Gefahr
Die Landwirte kritisierten zudem die neue Düngeverordnung und sehen die gesellschaftlich geforderte regionale Lebensmittelproduktion in Gefahr. Denn durch die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten sei die Versorgung der Bevölkerung in Deutschland mit sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region nicht zu gewährleisten.
„Wir benötigen verlässliche, zumutbare und langfristige Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Sprecht uns Landwirte doch einfach mal an“, heißt es in der Stellungnahme.
