Oldenburg - Ach, was sind das für Namen, die so elegant auf der Zunge liegen: Giovanni Antonio Pandolfi Mealli, Heinrich Ignaz Franz von Biber zu Bibern, oder einfach Marco Uccellini? Vor allem aber: Was kommt von diesen Komponisten für eine kunstvolle Musik, die sich so beglückend auf die Seele legt! Das Trio „ombra e luce“ zelebriert sie – und das Publikum in der sehr gut besetzten Kirche St. Stephanus in Bloherfelde zeigt sich rundum begeistert.
„Vis à vis“ nennen Tabea Höfer (Violine), Georg Kallweit (Violine/Viola) und Björn Colell (Theorbe/Gitarre) ihre musikalischen Dialoge am Übergang von der Renaissance zum Frühbarock. Die Musik wurde lange verkannt, schlich mit dickem Strich und langweiliger Dramaturgie dahin. Doch die Drei packen alle direkt mit jenem Stimmungsreichtum, jener Lebhaftigkeit, jener Virtuosität, jenem Witz oder jener Innigkeit, die dieser Musik aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts so eigen ist. Oft schert das Trio auf die Überholspur aus. Nicht, weil ein Komponist Benedetto Ferrari heißt oder aus Lust am Rasen, sondern im Genuss der wirbelnden frischen Luft im Cabrio.
Elf Komponisten
Der Bogen spannt sich über elf Komponisten von Andrea Falconieri (geboren 1567) bis zu Johann Sebastian Bach (gestorben 1750). Es sind Chaconnen, Triosonaten, Variationen, Sinfonias mit Echos der Violine aus dem Raum hinter der Hörerschaft, auch mal mit einem Anklang an Gassenhauer.
Neben Bachs (nicht unbedingt authentischer) Triosonate BWV 1038, der atemberaubenden Gitarren-Solosonate von Francesco Corbetta oder der fetzigen Corrente vigesima von Uccellini lotet Biber mit der „Schutzengel-Passacaglia“ aus den Rosenkranz-Sonaten am tiefsten. Zur auf der Bratsche gespielten durchlaufenden Basslinie fantasiert Geigerin Höfer lebhaft und hochvirtuos.
Es fasziniert, wie das Trio diese gewaltige Gefühlswelt und herausfordernde technische Vielfalt abdeckt. Fast zerbrechlich wirken die Pianissimo-Seufzer. Bis an die Gefahrengrenze führt die rasende Virtuosität.
Mit Augenzwinkern
Dazwischen blüht die Poesie, wird auch mal ruppig zugepackt, spürt man das Augenzwinkern der Solisten, wenn sie in Scordatura spielen, also dem unberechenbar wirkenden Umstimmen der Saiten. Den instrumental und körperlich hoch engagierten Geiger Kallweit hebt es fast aus den Schuhen. Alles fügt sich zum Erlebnis, dass die Musik wie gerade frisch entwickelt herüberkommt.
Spielfreude und Einsatz haben durchaus einen speziellen Hintergrund. Die international gefragten Alte-Musik-Größen Höfer, Kallweit und Colell gastieren in Oldenburg nicht zum ersten Mal. Der Gitarrist trat schon vor 35 Jahren erstmals auf.
Und so richtet er ein persönliches Wort an Gabriele und Peter Hoeltzenbein: „Sie betreuen schon seit damals die besondere Reihe Musik in St. Stephanus – und heute sagen wir einfach mal Dankeschön dafür.“ Wenn das nicht schön in den Ohren und tiefer liegt!
