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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Über die Kraft der Musik

27.02.2016

Oldenburg „Damals, in jener Zeit...“ wird Franziska Vondrlik auf der Bühne sagen und blendet zurück in jene dunklen Jahre, als die Nazis Musik aus Amerika in Deutschland verboten hatten. In dem Stück „Der Jazzdirigent“ erzählt sie in der Rolle der Lena Weißenburger die Geschichte ihres Onkels Paul. Er war ein junger Träumer, der den Swing liebte und in die Mühlen der Gestapo geriet. Der Jazzdirigent ist ein vielschichtiges „konzertantes Solo“ mit Musik und Erzählpassagen – mit Lachen und Weinen. „Ich wollte schon lange ein Stück über den Jazz machen“, sagt die Oldenburger Künstlerin, aber ihr fehlte die passende Literatur dazu und die richtige Begleitung.

Das änderte sich, als sie die Musiker des Sinti-Swing-Quartetts „Chapeau Manouche“ kennenlernte, die am vergangenen Montag auch mit ihrem Sound im Stile Django Reinhards die Gäste beim Oldenburger Kohlessen in Berlin zum Wippen mit den Schuhspitzen brachten. Für das Stück „Der Jazzdirigent“ aus der Feder von Wolfgang Sréter begeisterten sich auch Benjamin Bökesch (Kontrabass), Wilhelm Magnus (Gitarre), Clemens Schneider (Geige) und Manolito Steinbach (Gitarre).

Bei ersten Proben auf der neuen Bühne im Studio der Kulturetage testeten Sängerin und Band, ob sie miteinander das „konzertante Solo“, wie Sréter das Stück 1999 überschrieben hat, wagen wollten. Musik ist in dem Stück mehr als swingender Background, sondern transportiert auch die verschiedenen Zeitebenen. Geiger Clemens Schneider wird so auch Erzählepisoden singen.

Premiere 3. März

Premiere wird am Donnerstag, 3. März, ab 19 Uhr in der Kulturetage gefeiert. Weitere Aufführungen sind geplant für den 4. und 5. März, vom 7. bis 9. April und für den 21. und 22. April.

Karten unter Tel. 924800 sowie online unter

www.kulturetage.de

Mit dem Stück will der in München lebende Autor Wolfgang Sréter, der aus einer deutsch-ungarischen Familie stammt, seinem Onkel Almassy ein Denkmal setzen. „Es geht also zurück auf einen wahren Kern, ist aber fiktiv“, erklären Franziska Vondrlik und Benjamin Bökesch die Geschichte eines Schreibstuben-Soldaten, der davon träumt, auf einem Ozean-Dampfer im weißen Dinnerjackett ein Swing-Orchester zu dirigieren. Er träumt sich als Paul White auch über den großen Teich, doch tatsächlich lebt er im von den Deutschen besetzten Ungarn und wird eher aus Naivität als aus Überzeugung in Aktionen des ungarischen Widerstands verwickelt. So gerät er in die Fänge der Nazis.

Das in viele Sprachen übersetzte und mehrfach ausgezeichnete Stück kommt jedoch ohne erhobenen Zeigefinger daher, vielmehr ist die Musik der Impuls und die Kraft, die Mut macht, sich seinen Träumen zu öffnen. „Der Jazzdirigent“ ist kein Musical, sondern eher eine Parabel über Mut und Feigheit. „Wir wollen nicht nur die Kraft der Musik zeigen, sondern auch zu Courage ermutigen“, erklären Franziska Vondrlik und Benjamin Bökesch.

Im Brechtschen Sinne des epischen Theaters werden Zeitebenen, Handlungen und Figuren gebrochen oder verfremdet: Franziska Vondrlik schlüpft einerseits in die Rolle ihres Onkels, ist andererseits aber eben auch die Erzählerin aus der Jetzt-Zeit. Überhaupt sehen beide auch darüber hinaus Bezüge zur aktuellen Zeit: „Damals flüchtete man aus Deutschland, um zu überleben; heute flüchtet man nach Deutschland, um zu überleben.“ Doch im Vordergrund stehen die Musik jener Zeit und die Hoffnung, die Musik in scheinbar aussichtslosen Situationen geben kann. Authentischere Interpreten als Chapeau Manouche hätte sich die Schauspielerin nicht vorstellen können. „Ich hätte das Stück mit keiner anderen Band machen können“, erklärt Franziska Vondrlik.

Sabine Schicke
stv. Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2103

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