Oldenburg - Hornveilchen hat sie nie angepflanzt. „Nicht eines“, sagt Marion Beyer auf dem Weg zum Garten hinter ihrem Haus. Unglaublich: Dort wachsen Tausende violett-gelber Hornveilchen. Sie konzentrieren sich auf mehrere Blütenteppiche. Es gibt auch viele Kleingruppen und unzählige Solisten. „Vielleicht hatte meine Mutter mal ein Hornveilchen?“, grübelt 60-Jährige über den Ursprung.
Vieles naturbelassen
Marion Beyer ist hier in dieser Straße in Ofenerdiek aufgewachsen. Der Garten gehörte ursprünglich zu ihrem Elternhaus, das mittlerweile vermietet ist. „Der war ganz ,normal’ – mit akkuraten Blumenbeeten, Rasen und geschnittenen Kanten“, erzählt sie. 1995 kaufte sie das Haus daneben und machte sich als Tagesmutter selbstständig – für 25 Jahre. Darüber hinaus kümmerte sie sich um ihre Eltern, die beide inzwischen verstorben sind.
Welche Philosophie verfolgen Sie bei Ihrer Gartengestaltung? Sind Sie penibel und mögen es lieber akkurat? Oder lassen sie es auch einfach mal wachsen? Halten Sie es durch, den Rasen (oder Teile davon) nicht zu mähen, um so eine Wildblumenwiese entstehen zu lassen? Oder schätzen Sie die Mischung?
Ihr Garten interessiert uns: Schicken Sie uns Fotos und ein paar Zeilen darüber, wie es bei Ihnen im privaten Grün im Stadtgebiet Oldenburg aussieht, was sie daran besonders mögen und warum. Vielleicht besuchen wir Sie und berichten darüber.
Kontakt: mit dem Stichwort „Gartenphilosophie“ versehen an red.oldenburg@nwzmedien.de oder an die Nordwest-Zeitung, Stadtredaktion Oldenburg, Wilhelmshavener Heerstraße 260, 26125 Oldenburg.
Der frühe „normale“ Garten ist nicht mehr zu erkennen. Zwar sieht man noch einige Beeteinfassungen, ahnt also, wo einst die Wege auf diesem 500 Quadratmetern großen Hintergrundstück waren, aber ansonsten ist hier alles naturbelassen. Scheinbar. Denn ein bisschen hat Marion Beyer schon eingegriffen.
Der eigene Park
Sie habe nichts abgerissen oder rausgerissen, wie sie sagt. Aber es wird gemäht. „Zuletzt vor drei Wochen“, erzählt sie und wundert sich über die Fülle der Hornveilchen, die es hier so erstmals gibt. „Freundes- und Familienkreis sind begeistert. Das hätten sie noch nicht mal im Park der Gärten oder im Schlossgarten gesehen, sagen sie.“ Ein Rattan-Lehnstuhl steht mitten im Veilchenteppich. „Da morgens sitzen, eine Tasse Kaffee dazu. Das ist mein Park“, schwärmt die Ofenerdiekerin, die als Haushaltshilfe für pflegebedürftige ältere Menschen arbeitet.
Ein Teppich aus Hornveilchen: Hier im Lehnstuhl sitzend kann die violette Pracht, die Bienen anzieht, genießen.
Susanne Gloger
Mögen es in Ofenerdiek: Auch die unter Naturschutz stehenden Weinbergschnecken schätzen den naturnahen Garten.
Susanne Gloger
Hier wird es bald sprießen: Das sommerliche Wildblumenbeet im hinteren Garten
Susanne Gloger
Im hinteren Garten: Auch weiße Hornveilchen machen sich hier breit.
Susanne Gloger
Aufgeblüht: Die Wiese voller blutrotem Klatschmohn im Ofenerdieker Vorgarten ist fürs menschliche Auge ein Farbenspektakel. Insekten ziehen die Pflanzen auch an.
Marion Beyer
Schnappschuss: Mit seinem reichhaltigen Pollen zieht der Klatschmohn Bienen und auch Schmetterlinge an. Marion Beyer hat es fotografiert.
Marion Beyer
Katze Cosy: Ein Ruheplatz im Grünen lässt sich auch für sie locker finden.
Marion Beyer
Aufgeblüht: Die Wiese voller blutrotem Klatschmohn im Ofenerdieker Vorgarten ist fürs menschliche Auge ein Farbenspektakel. Insekten ziehen die Pflanzen auch an.
Marion Beyer
Das sommerliche Wildblumenbeet im hinteren Garten: ein Foto aus den Vorjahren
Marion BeyerDoch ihr geht es ja nicht allein um das menschliche Wohlbefinden. Schön sitzen kann man bei ihr zum Beispiel auch auf der Terrasse, die geschmackvoll im Vintage-Stil und vielen bepflanzten Blumentöpfen dekoriert ist. Marion Beyer freut sich darüber, dass auch Bienen ihren Garten so anziehend finden. Nicht nur ihre Hornveilchen sind eine wertvolle Nahrungsquelle für Wildbienen, Bienen und Hummeln, Insekten schätzen auch den Klatschmohn, den es im Vorgarten gibt.
Wiese im Vorgarten
Was vorher „normaler“ Rasen war, ist jetzt zum größten Teil eine Wiese voller blutroter Mohnblumen. „Sie haben sich selbst ausgesät. Vermutlich sind die Samen im vergangenen Sommer einfach liegengeblieben. Wir hatten ja wenig Regen“, erzählt Beyer, die zuvor Klatschmohn ausschließlich im Beet hatte – neben Fingerhut, Rittersporn, Fetthenne, Akelei, Rosen und Lavendel. Nun ist alles voll mit Mohn. „So was habe ich noch nie gehabt“, sagt die Ofendiekerin. Ohne etwas dafür zu tun, ist es zu dieser Überraschung gekommen.
Etwas anders sieht es beim Sommerblumenbeet hinterm Haus aus. Vor drei Jahren hatte die Hobbygärtner dafür eine runde Fläche im Rasen ausgestochen und diverse Wildblumenmischungen verstreut. „Jedes Jahr ist das seitdem ein Traum“, schwärmt sie und zeigt ihre Weinbergschnecken. Den naturnahen Garten in Ofenerdiek mögen nämlich auch diese (unter Naturschutz stehenden) großen Land-Gehäuseschnecken gern.
