Oldenburg - Die Resonanz ist überwältigend: Rund 300 ausgediente Räder sind nach dem Aufruf unserer Zeitung für die Initiative „Fahrräder für Flüchtlinge“ gespendet worden – damit hatten Thorsten Strauß und seine Mitstreiter nicht gerechnet. Seit dem Spendenaufruf holen die Ehrenamtlichen ein Fahrrad nach dem anderen ab und schrauben was die zeitlichen Kapazitäten hergeben.
Schrauber gesucht
Und bei der Frage nach zeitlichen Kapazitäten folgt nun der nächste Aufruf: Wer handwerklich ein bisschen geschickt ist, Fahrräder reparieren und Zeit erübrigen kann, der ist bei der Initiative ein gern gesehener Unterstützer.
In der Werkstatt arbeiten (von links) Hans-Gerd Noffke, Shakr Hussein Meskain, Sebastian Nowak und Jürgen Eggert daran, möglichst schnell möglichst viele Fahrräder für die Flüchtlinge flott zu machen. Bild: Torsten von Reeken
Denn jetzt ist das Lager, ein Shelter auf dem Fliegerhorstgelände, rappelvoll mit Fahrrädern, die überholt werden wollen. Ausgegeben werden an die Ukrainer, die in Oldenburg untergekommen sind, nur Räder, die auch verkehrssicher und fahrtüchtig sind. Rund 100 Drahtesel für Frauen und Kinder werden es in dieser Woche sein, die schon übergeben wurden. Herrenräder werden kaum gesucht und ausgegeben, unter den Geflüchteten sind fast ausschließlich Frauen und Kinder.
Hunderte Anrufe
Was sich bei der Ausgabe abspielt, das geht zu Herzen: Die Ehrenamtlichen treffen auf Flüchtlinge, die Schlimmes erlebt und vieles hinter sich gelassen haben, die freundlich, zupackend, dankbar und aufgeschlossen sind: „Es sind wahnsinnig nette Begegnungen, die wir erleben. Das haut die ganze Belastung auf der anderen Seite raus“, sagt Thorsten Strauß.
Rund 300 Fahrräder haben die Oldenburger für Frauen und Kinder aus der Ukraine gespendet. Gelagert werden die Räder in einem Shelter auf dem Fliegerhorstgelände. Bild: Torsten von Reeken
Denn das Team kommt an seine Grenzen: Rund 250 Anrufe hat Thorsten Strauß angenommen, zig Emails beantwortet, Abholungen, Reparaturtermine und Übergaben organisiert. Manche Spender haben Fahrräder in tadellosem Zustand zur Verfügung gestellt, andere auch welche, die eigentlich auf den Schrott gehören. Alle Helfer und Unterstützer von „Fahrräder für Flüchtlinge“ sind jedenfalls so stark gefordert wie noch nie seit Gründung der Initiative während der Flüchtlingskrise im Jahr 2015. „Wir haben durch den Aufruf neue Schrauber und einen Transporteur dazu gefunden“, so Strauß, „können aber noch weitere Schrauber gut gebrauchen.“
Keine Schrott-Räder
Bis die reparaturbedürftigen Räder, die sich jetzt im Lager befinden, wieder flott gemacht und ausgegeben sind, kann die Initiative vorerst nur Fahrräder annehmen, die verkehrssicher und funktionsfähig sind, also keinen Reparaturbedarf aufweisen. Die Initiative kümmert sich um die Abholung der Räder und übermittelt diese an die Ukrainer. Fahrräder, an denen beispielsweise Tretlager, Bremsen, Bereifung und Beleuchtung kaputt sind, sind derzeit zu zeitintensiv in der Reparatur: „Damit ist einer von uns für 3 bis 4 Stunden oder länger beschäftigt. Das ist im Moment nicht zu schaffen“, so Strauß weiter. Wer ein verkehrstüchtiges Fahrrad spenden oder die Initiative unterstützen möchte, der kann sich unter rad.werkstatt@yahoo.de melden.
