Oldenburg - Neu in einem fremden Land mit einer fremden Sprache – diese Situation ist für geflüchtete Kinder nicht einfach. Über 300 Mädchen und Jungen unter 15 Jahren aus der Ukraine leben derzeit in Oldenburg. Für sie gibt es nun ein neues Angebot: Pastor Uwe Nachtwey von der katholischen Gemeinde St. Marien hat ein Kinderbuch auf Ukrainisch übersetzt. „Ich bin in den letzten Wochen immer wieder gefragt worden, ob es irgendwo Kinderliteratur in ukrainischer Sprache gibt. Da sind meine Übersetzerin Oleksandra Kosovan und ich auf die Idee gekommen, ein kleines Heft mit selbst verfassten Geschichten und Gedichten anzulegen“, erzählt Nachtwey.
Märchenonkel
„Berni Bärenraupe wagt und gewinnt. Fabeln für eine bessere Welt“ heißt das Buch, das die beiden übersetzt haben. Uwe Nachtwey hat es bereits vor 35 Jahren geschrieben, als er das erste Mal als junger Kaplan nach Oldenburg kam. „Die Kinder wollten damals, dass ich singe. Das konnte ich nicht, daher habe ich mir Geschichten für sie ausgedacht. Nach kurzer Zeit war ich der Märchenonkel“, erinnert er sich. Diese Geschichten können nun auch den ukrainischen geflüchteten Kindern Mut machen.
Es sind vergnügliche und originelle Texte über tierische Helden, die etwas wagen. Sie setzen sich für ihre Gemeinschaft ein – auch wenn sie sich manchmal gar nicht so mutig fühlen. Mit Phantasie und Witz suchen und finden sie ihren Weg in Daseinskrisen. Zehn der Texte aus dem Buch finden sich im kleinen gelben Heft, das ab sofort in den Kirchen erhältlich ist (und im Internet zum Ausdrucken auf Anfrage per Mail: samulynzi12@web.de).
Trost durch Literatur
Nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene gibt es in der Kirchengemeinde Trost durch Literatur in der Landessprache. Einige Gedichte der ukrainischen Autorin Oleksandra Kosovan sind ebenfalls in den Kirchengemeinden in gedruckter Fassung erhältlich, mit deutscher Übersetzung. Tiefgründig und in einprägsamen Worten geht es in ihnen um das Glück des Augenblicks, davon, der Dunkelheit keine Chance zu geben. Sie erzählen aber auch von Vergänglichkeit und Vergessen.
Pastor Uwe Nachtwey hat viel Kontakt zu Helfern und Geflüchteten. „Es herrscht eine große Hilfsbereitschaft. Es wird versucht, den Menschen das Leben hier so angenehm wie möglich zu machen“, sagt er. Besonders in Erinnerung ist ihm noch die Feier des Osterfestes der orthodoxen Kirche am vergangenen Sonntag in der St. Marien-Gemeinde. 500 Menschen aus Oldenburg und der Wesermarsch hatten den Gottesdienst besucht.
