Oldenburg - Seit gut fünf Jahren entspricht die nominelle Aufstellung von Tischtennis-Mannschaften nicht unbedingt der tatsächlich geplanten. Auch Oldenburgs Spitzenteams nutzen die Chancen, die eine umstrittene Regeländerung seit der Saison 2017/18 eröffnet. Was sind die Gründe für das Auseinanderdriften von Theorie und Praxis?

Mehr Möglichkeiten: Bis Sommer 2017 durften Spieler aus unteren Mannschaften höchstens dreimal pro Halbserie als Ersatz in einer höheren Liga mitwirken, ab dem vierten Einsatz verloren sie die Spielberechtigung für ihr eigentliches Team. Seit der Saison 2017/18 darf unbegrenzt häufig Ersatz gespielt werden. Zwar muss jedes Team von Anfang an mit der jeweiligen Sollstärke von vier oder sechs Spielern aufgestellt werden, dazu können aber seit 2017 auch solche zählen, die kaum zum Einsatz kommen. Beim OTB wirkte zum Beispiel Danilo Toma in dieser Saison nur zweimal im Drittliga-Team mit. Ralf Herold und Jan Huster standen in der Verbandsliga für SWO gar nicht am Tisch.

So geht’s los

Als Frühstarter nach dem Jahreswechsel starten die um den Verbandsliga-Verbleib kämpfenden SWO-Männer (7:11 Punkte/7. Platz) schon an diesem Sonntag bei Schlusslicht Post SV Stade (3:15/10.) in die Rückrunde. Die anderen hochklassigen Stadt-Teams pausieren noch. Am 13. Januar legt SWO II (4:14/8.) in der Landesliga beim TV Hude III (17:1/1.) los, zwei Tage danach empfängt hier der OTB III (3:15/9.) im Kellerduell Eintracht Sengwarden (2:16/10.). Am 14. Januar spielen die OTB-Frauen (9:9/7.) bei Verbandsliga-Rivale TuS Flee­stedt (12:6/2.). Die Drittliga-Männer vom Turnerbund (14:4/2.) beginnen am 21. Januar gegen den TTS Borsum (6:12/8.). Erst am 29. Januar startet der OTB II (13:5/3.) in der Oberliga beim TV Hude (13:5/5.).

Mehr Flexibilität: So ist es möglich, eigentlich für eine höhere Mannschaft fest eingeplante Spieler in einer unteren zu melden. Diese können ab und zu als Ersatz „von oben“ eingesetzt werden oder sogar alle Partien in beiden Teams bestreiten. Zum prominenten Beispiel wird jetzt Heye Koepke, der künftig nominell nicht mehr zum Drittliga-Team des OTB zählt. Er hat den Platz mit Andy Römhild getauscht und ist nun Nummer eins der Oberliga-Auswahl. „So sind wir flexibler. Heye wird fest in der Ersten spielen, ist aber auch immer mal eine Option für die Zweite“, erklärt Johannes Schnabel, Kapitän der Reserve.

Mehr Spiele: „Für Andy ist es kaum möglich, noch zusätzlich für Oberliga-Spiele aus Berlin anzureisen, für Heye ist das einfacher“, sagt Schnabel. Koepke wohnt im Sportinternat in Hannover, ist am Wochenende aber oft in Oldenburg. So könne der 19-Jährige auch weitere Spielpraxis erhalten, betont der OTB-II-Kapitän. In der Drittliga-Hinserie war Koepke meist als die Nummer drei und hatte bei den oft klaren Ergebnissen nur ein Spiel gegen die „Vier“ des Gegners.

Mehr Rochaden: Nominell die „Zwei“ der Reserve ist nun Mathis Kohne. Der 18-Jährige ist durch starke Hinrunden-Leistungen an Schnabel vorbeigezogen. Bei den OTB-Frauen ist Kapitänin Nane Emme ins Bezirksoberliga-Team gewechselt (Tausch mit Maike Westerburg), aber weiter fest für die Verbandsliga eingeplant. Bei den SWO-Männern, die als Oldenburger Frühstarter jetzt wieder loslegen, ist die bisherige Nummer eins, Felix Barrenschee, nach siegloser Hinserie ins mittlere Paarkreuz gerückt. Hinter dem zur „Eins“ aufgestiegenen Benjamin Ohlrogge ist Lukas Wraase neue „Zwei“. „Ich bin gegen jeden Gegner Außenseiter und habe nichts zu verlieren“, sagt der 23-Jährige, der mit 1869 TTR-Punkten als einziger Spieler der Liga im oberen Paarkreuz unter 1900 liegt.

Mehr Taktik: Im Landesliga-Team von SWO gibt es mit Patric Frers und Jürgen Ma­lohn ein neues oberes Paarkreuz, sie tauschen die Plätze mit Alex Oleinicenko und Jona Dirks. „Teilweise aufgrund der TTR-Werte, aber auch aus doppel-taktischen Gründen, wenn wir Ersatz in der ,Ersten’ spielen“, erklärt Oleinicenko.

Jan-Karsten zur Brügge
Jan-Karsten zur Brügge Sportredaktion