Oldenburg - Der schwere Unfall zwischen einem Zug und einem Auto am Bahnübergang Drögen-Hasen-Weg vom Samstag geht nach dem aktuellen Ermittlungsstand der Polizei eindeutig darauf zurück, dass der Wagen um die geschlossenen Halbschranken herum auf die Gleise gefahren war. Das teilte Sprecher Jens Rodiek am Montag auf Nachfrage mit. Warum der 46 Jahre alte Autofahrer sich so in Gefahr gebracht hat, sei derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen.
Um kurz nach 14 Uhr am Samstag war es zur Kollision zwischen dem Auto und einer Nordwestbahn gekommen. Der Wagen wurde dadurch schwer beschädigt, der 46 Jahre alte Fahrer wurde eingeklemmt. Ersthelfer konnten ihn noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte befreien. Der Mann wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Am Montag wurde er weiterhin im Krankenhaus medizinisch versorgt, so der Polizeisprecher.
Belastende Situation
Weitere Personen wurden bei dem Vorfall nicht verletzt. Auch der Lokführer kam mit dem Schrecken davon. „Dennoch sind Situationen, wie diese, immer eine Belastung für unsere Triebfahrzeugführer“, teilte Nordwestbahn-Sprecher Steffen Högemann am Montag mit. Die Fahrgäste in dem Zug konnten nach der Freigabe der Strecke mit Hilfe eines Ersatzfahrers zur geplanten Endhaltestelle nach Bad Zwischenahn gefahren werden. Der Zug wurde anschließend zur Werkstatt nach Bremerhaven-Wulsdorf überführt und wird laut Högemann dort begutachtet. Er kann derzeit nicht eingesetzt werden.
Der Bahnübergang am Drögen-Hasen-Weg ist im vergangenen Jahr erst modernisiert worden. Wie ein Test unserer Redaktion kürzlich zeigte, gehört er zu denjenigen mit der geringsten Wartezeit in der Stadt. In dem Beispiel öffneten sich nach gerade einmal 39 Sekunden die Schranken wieder. Kaum sind sie geschlossen, rauscht der Zug in der Regel schon heran.
Laut der Deutschen Bahn kommen Unfälle dieser Art immer wieder vor. „Die Bedeutung des Andreaskreuzes und der Sicherungsanlagen sind vielen Verkehrsteilnehmern nicht oder nicht richtig bekannt“, so eine Sprecherin. „Zudem verleiten Leichtsinn und Ungeduld manch einen zu riskanten Aktionen. Dies ist schlicht lebensgefährlich. Der Großteil der Bahnübergangsunfälle hätte durch richtiges Verhalten vermieden werden können.“ Man setzte daher auf Prävention durch Aufklärung im Rahmen verschiedener Kampagnen.
Regelmäßige Prüfung
Welche Art von Sicherung an Bahnübergängen gewählt wird, hänge immer von den individuellen Gegebenheiten vor Ort sowie rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Eine pauschale Ausstattung aller Bahnübergänge mit Vollschranken, die nicht umfahren werden können, sei nicht sinnvoll, zum Beispiel bei kaum frequentierten Anlagen bei Forst- und Wirtschaftswegen, die kaum befahren würden, so die Bahnsprecherin. Ob die Beschilderung und Technik in ihrem Zustand noch ausreichend ist, werde regelmäßig überprüft.
Halbschranken wie am Drögen-Hasen-Weg haben laut der Sprecherin den Vorteil, dass der Bahnübergang jederzeit eigenständig geräumt werden kann, auch wenn die Schranken geschlossen sind. Auch Sperr- und Wartezeiten seien so geringer als bei der Vollschranke. Muss der Straßenverkehr normalerweise länger als 240 Sekunden an einem geschlossenen Bahnübergang warten, müssten beide Spuren durch zwei Halbschranken oder eine Vollschranke abgesichert werden, hatte es zudem im Zuge unseres Berichts über die Schließzeiten in Oldenburg geheißen. Unabhängig davon werde auf Vollschranken gesetzt, wenn etwa Kindergärten oder Schulen in der Nähe seien.
